Einleitung
«Das Ende der Ironie» – das klingt wie eine Proklamation. Es ist vielleicht erst ein Wunsch, dass das Reden von Religion die Deckung verlassen kann. Ich schreibe den Titel wie ein Programm, als ob es so einfach machbar wäre, von Gott und Glauben zu reden, als ob es nicht tausendfach kritisiert, verlacht und entstellt wäre.
Anlass für die folgenden Texte ist ein Brief an unsere Tochter, die Philosophie studiert. Nicht Philosophie wollte ich mit ihr treiben, ich wollte mich als Vater zeigen, der zu seinen Wahrheitsbegriffen steht, auch wenn er manchmal uneigentlich von seinem Glauben redet.
Die Ironie kann eine Hilfe sein, wenn die umgebende Kultur etwas ablehnt, es kann aber auch eine Sackgasse darstellen, die bald wieder zu verlassen ist, wenn das einfache, gerade Reden vom Glauben nicht verloren werden soll. Der Spott ist dann zu tragen.
Der Clown
«Es ist wohl auch für Dich wichtig, auf einem Weg zu sein, der für Dich stimmt. Egal, wo er durchführt, Du willst und kannst Dich nicht verleugnen.» Aus dem Brief eines Vaters an seine Tochter.
Liebe S., Ich schreibe Dir einen Brief. Ich möchte auf etwas zurückkommen, was bei Deinem Besuch einmal zur Sprache gekommen ist. Es scheint mir wichtig, auch für Dich. Wir sprachen von einem Bekannten, der oft «den Clown gespielt» habe. Ich meinte, es könne auch eine Selbst-Ironisierung sein. Dazu nehme man oft die Zuflucht, wenn man für seine Position keine Chance sehe, je von der dominierenden Strömung aufgenommen zu werden. Da ist es wesentlich, wie man sich verhält. Pfeift man einfach mit dem Wind? Hält man an seiner Position fest? Ist man stur und unbelehrbar oder gibt es Dinge, die nicht verhandelbar sind, wo ein Festhalten also geboten ist, unter Gefahr, seine Identität zu verlieren?
Ein Weg, der stimmt
Wenn ich an Deinen Besuch zurückdenke, sehe ich noch Dein Gesicht vor mir, wie Du mich angesehen hast, so offen und ehrlich. Das freut mich, und als Vater denke ich, diese Offenheit ist ein Geschenk, das Du Dir erhalten musst. Es ist wohl auch für Dich wichtig, auf einem Weg zu sein, der für Dich stimmt. Egal, wo er durchführt, Du willst und kannst Dich nicht verleugnen. Es gibt heute viele Strömungen, die «Wahrheit» für einen überzogenen Begriff halten. «Es gibt keine Wahrheit», sagt man schnell. Aber Marokko ist trotzdem nicht Fussball–Weltmeister geworden und die Aussage: «Gehe auf der Dachterrasse einfach immer geradeaus!» ist ein schlechter Rat. Man wird sich wehtun. Irgendwo scheint es doch Aussagen zu geben, die mehr oder weniger Realitätsbezug haben, auch wenn nichts heute so «dekonstruiert» wird wie der Begriff der «Realität». Es ist alles nur «soziale Konvention» etc. Es ist langweilig, dieser Diskussion nachzugehen. Wichtig ist das Fundament, auf das man sein Leben abstellen will.
Im Dazwischen
Ich bin Pfarrer und als solcher heute eine Witzfigur. Denn wer nimmt die Aussagen der Religion heute noch ernst? Dennoch ist es mir wichtig. Wie viele andere lebe ich in diesem Zwischenraum zwischen gesellschaftlicher Anerkennung und subjektiver Gewissheit, der sich nicht einfach schliessen lässt. (Man sucht entweder die Anerkennung und verleugnet sich selbst oder man bleibt sich selber treu und verzichtet auf Applaus.) Es sind geschichtliche Ereignisse denkbar, die den Spalt wieder schliessen werden, wo also Religion und Christentum wieder gesellschaftliche Bedeutung erlangen. (Vielleicht sind sie näher als gedacht, denn welches kulturelle Konzept kann die zunehmende Dysfunktionalität der heutigen Zivilisation noch auffangen?)
Inzwischen lebt es sich in einem Zwischenzustand von gesellschaftlicher Akzeptanz bzw. Ablehnung. Da ist man heute aber nicht mehr allein. Das ist die Rolle aller Subkulturen, die vielleicht früher mal Geltung besassen oder später mal Anerkennung erhalten oder die einfach von den Rändern her eingewandert sind und jetzt in jenen Quartieren der Grossstädte wohnen, wohin die Migranten eingewandert sind. Sie bringen ihre eigene Kultur mit. Sie sind aufgefordert, sich anzupassen und die fremden Wahrheits-Begriffe zu übernehmen. Sie müssten sich aber selber aufgeben, wenn das sofort geschehen sollte. Sie hätten keinen Boden mehr unter den Füssen und würden psychisch und sozial absacken.
So dauert es zwei, drei Generationen, bis Einwanderer entweder «assimiliert» sind oder – das ist die andere Möglichkeit, die in der Realität auch stattfindet: bis die dominierende Kultur so viel von den Einwanderern aufgenommen hat, dass sie selber sich gewandelt und ihre Wahrheitsbegriffe erweitert hat. Wir sind heute alle dankbar für die Kultur, die die Italiener nach dem zweiten Weltkrieg in die Schweiz gebracht haben, auch wenn es damals Ablehnung bis zur Hassreaktion gegeben hat.
Ironie
Wenn einer «den Clown spielt», wenn er sich selber ironisiert, ist das somit keine Feigheit. Es ist eine kluge Taktik, mit der Situation umzugehen. Ironie ist dann eine Haltung, die das Heilige schützt, nicht verrät. Sie nimmt beides ernst: die Überzeugung von der Wahrheit dessen, was einem heilig ist, und die Wahrnehmung, dass das in der gegenwärtigen Zeit nur Spott erntet. So redet sie uneigentlich vom Heiligen, als ob es ein Witz wäre, nicht ernst gemeint.
Damit sagt die ironische Äusserung: ich sehe, was hier gilt und gelten soll, ich selber habe eine andere Meinung und ich will sie nicht verbergen, so spiele ich den Clown, ich erzähle es wie einen Witz. Aber ich habe gelernt, dass Witze oft einen Widerhaken haben, womit sie sich einnisten, womit sie sich ein Lager schaffen beim andern, von wo aus etwas wachsen und entstehen kann, wenn nur die Bedingungen dafür besser sind.
So oder anders wirst auch Du Deinen Weg gehen, in Auseinandersetzung mit dem Ja und Nein der umgebenden Kultur. Vieles kann man dankbar übernehmen, anderem muss man widersprechen. Und oft geschieht es zum Wohl dieser übergeordneten Kultur, wenn Gruppen oder einzelne da sind, die widersprechen. Sie werden oft verlacht oder sogar verfolgt; später, nachdem der Weg ins Desaster geführt hat, setzt die Kultur oft bei diesen wieder an. So geschehen bei den Propheten in der Bibel.
4. Januar 2023
Tolierierte Plätze
Liebe S., warum habe ich Dir geschrieben? Es war mir wichtig, Dir als Vater zu zeigen, dass ich zu meinen Wahrheitsbegriffen stehe, auch wenn ich «uneigentlich» davon rede, in ironischem Ton, wo Ernst und Unernst kaum zu unterscheiden sind. Aber das liegt auch an den Umständen. Nicht jeder ist ein Clown, der sich eine Nase aufsetzt.
Beglaubigung
Es ist ein schwieriger Weg, den eine Aussage mit Geltungs-Anspruch heute geht, wenn sie nicht einfach vom Trend beglaubigt ist – in der ungefähren Weise, wie eine solch «Beglaubigung» erfolgt, was im Alltag meist genügt. Für viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens gibt es die Regeln und Verfahren nicht, die aus einer Behauptung eine anerkannte Wahrheit machen. Dass die Gültigkeit von Meinungen aus der Kraft der Argumente folgt, ist ein Ideal der Wissenschaft. Es gilt nicht in den meisten Bereichen, die das Leben und Zusammenleben bestimmen und es gilt nicht für die Kultur und Lebensart, in die die Meinungen und Werte eingebunden sind. Sie wollen nicht wissenschaftlich «wahr» sein und sind doch mit einem Anspruch auf zutreffende Erkenntnis und ethische Richtigkeit verbunden. Sie wollen ja das Leben richtig anleiten.
Identität
Das ist eine Folge der Pluralisierung, es hat zu tun mit der immer grösseren Zahl von unterschiedlichen und teils gegensätzlichen Werthaltungen und Kulturen. Darum operiert man heute wohl auch mehr mit dem Begriff Identität als mit Wahrheit. Mit Wahrheit will man andere überzeugen, man beansprucht universelle Gültigkeit für seine Aussage, Identität begnügt sich mit einer gleichgestellten, gleichwertigen Existenz neben andern. Der Verweis auf Identität verwahrt sich gegen Majorisierung und verlangt einen gleichberechtigten Platz in der Anerkennung.
Es erinnert an die befestigten Plätze, die die calvinistischen Protestanten im katholischen Frankreich nach dem Edikt von Nantes 1598 behalten konnten. An diesen Orten wurde diese Konfession erlaubt. Das war kein erkenntnistheoretisches Eingeständnis von ihrer Wahrheit, die Ausübung wurde auf einige Heimstätten begrenzt, wo Hugenotten lebten. Sie konnten sich verteidigen, nicht mit Argumenten, das war ihnen verwehrt, Religion wurde nicht als wahrheitsfähig angesehen, aber mit Waffen. So durften sie an Plätzen wohnen, die sich verteidigen liessen, wo man notfalls mit Waffengewalt Übergriffe abwehren konnte.
Diese «places de sûreté» sind wie Vorläufer der modernen Identitäten, die Anerkennung verlangen, nicht weil sie ihre Wahrheit hätten darlegen können, sondern als Ausdruck eines Burgfriedens. In Frankreich allerdings wurde das Edikt von Nantes 1685 aufgehoben. Die Protestanten verloren die religiösen und bürgerlichen Rechte. Hunderttausende flohen in protestantische Gebiete der Schweiz, der Niederlande und nach Preussen (wo sie notabene viel zur wirtschaftlichen Entwicklung beitrugen, es war nicht alles falsch, was sie vertraten).
Kultur
Vielleicht wird das Christentum auch wieder mal als Identität anerkannt. Gegenwärtig wird es noch als Kultur begriffen, die einen alternativen Wahrheitsanspruch stellt. Das ist für die moderne Kultur inakzeptabel. Ob man den Status einer Identität als religiöser Mensch anstreben soll, ist zweifelhaft. Dann hat man sich endgültig in einer Subkultur eingerichtet und glaubt nicht mehr, je die Anerkennung der Mehrheitskultur gewinnen zu können. Von da her ist Selbst-Ironisierung ein zweifelhafter Weg. Man rettet sich vor Spott und richtet sich doch ein in der Nicht-Anerkennung.
Ich wünsche Euch alles Gute! Herzlich, Papa
- Januar 2023
Viele Begriffe sind aufgetaucht. Keiner kann die Stellung der Religion heute direkt beschreiben:
Religion im Dazwischen
Religion ist heute nicht mehr einfach akzeptiert, aber auch noch nicht völlig entwertet. Sie existiert in einer Zwischenform:
Sie bewegt sich zwischen einer Kultur mit universellem Wahrheitsanspruch, einer Subkultur, die sich nach den Wahrheitskriterien der Mehrheitskultur nicht mehr ausweisen kann, und einer Identität – einer Versöhnung mit dem eigenen Herkommen und in einem Zusammenleben mit der Mehrheitskultur im Sinn eines Burgfriedens. Die kulturellen Werte scheinen noch unvereinbar, aber sie werden im Sinn eines Waffenstilstandes akzeptiert wie in der christlichen Kirchengeschichte die «places de sûreté», die die Hugenotten im katholischen Frankreich nach dem Toleranzedikt 1598 erhielten.
Die religiöse Kultur ist keine «Parallelgesellschaft», als ob die Spaltung ewig und nicht zu überbrücken wäre. Es gibt nur keine Abkürzungen, keine Wahlmöglichkeiten, die man selber frei wählen oder andern vorschreiben könnte. Die eigene kulturelle Identität ist nicht verhandelbar, man müsste sich selbst aufgeben und würde alle Grundlagen für eine psychisch gesunde Existenz verlieren. Aber es gibt historische Prozesse, die zu einer Angleichung der Kulturen führen können.
Diese Position der Religion in Gesellschaft und Kultur bestimmt auch, wie vom Glauben gesprochen werden kann:
Vom Glauben reden
Vom Glauben reden – das hat einen schweren Stand heute. Man fühlt sich in einer Schäm-Ecke, wenn man davon anfängt: Intellektuell nicht auf der Höhe der Zeit, als Angehöriger eines aussterbenden Stammes, als Frommer, den man bestenfalls belächelt, eher aber verdächtigt, dass er Kinder missbraucht, zum Krieg aufruft, dass er zu den ewigen Hinterwäldlern gehört, die schuld sind an allen Übeln der Zeit.
Wer redet vom Glauben? Wer von Jesus Christus? Die Kirche, würde man meinen. Mein Eindruck: die Kirche hat seit der Entmythologisierung das Erzählen verlernt. Der „Historische Jesus“, von dem man wissenschaftlich reden kann, lässt den Glauben hungrig. Und zu einer wirklichen Christologie findet man nicht zurück. Was wäre denn die Bedeutung dieses Jesus für uns, für unser Leben? Wie kann ich mit ihm den Tag anfangen und beenden, das Leben bewältigen von der Geburt bis zum Tod? Dafür müsste man ihn mit Gott zusammendenken.
Vielleicht können wir nicht warten, bis die grosse Wende von der Theologie herkommt. Da sind aber die Menschen, die im Alltag stehen. Sie leben ihr Leben vor Gott und machen Tag für Tag Erfahrungen damit.
Das ist eine Art, wie wir heute vom Glauben reden können – erfahrungsgesättigt, mit einer Glaubwürdigkeit, die sich herstellt durch das Wiedererkennen: „Ja genau, so geht es mir auch! Das habe ich auch erlebt! Dieser Glaube, das ist nichts Abgelebtes. Da geht es haargenau um die Fragen, die mich auch beschäftigen im Leben!“ So ist es jedenfalls mir gegangen. So hat mich der Glaube gepackt: durch dieses Aha-Erlebnis: „Hier wird meine Sache verhandelt!“
- Februar 2016
Das Ende der Ironie
Es gibt verschiedene Motive für das, was die Kirche sagt oder nicht sagt, verschiedene Filter für das, was ein Pfarrer verkündigt oder nicht verkündigt. Ein Filter ist auch die Stellung der Kirche in der Gesellschaft.
Das ist ja das Resultat eines langen historischen Prozesses. Seit der Antike gibt es Auseinandersetzung zwischen den Machtträgern um die Definitionsmacht im religiösen und sozialen Bereich. Das geht von der Einheit der religiösen und weltlichen Macht im antiken „Cäsaro-Papismus“ bis zum Streit zwischen Kaiser und Papst im Mittelalter. In unserer Zeit ist die Kirche domestiziert. Die Grundfragen des politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens sind „säkularisiert“, sie sind dem Zugriff der religiösen Instanzen entzogen.
Grenzen der Toleranz
Diese Stellung der Kirche in der modernen Gesellschaft und Kultur prägt auch die Sprache, die einem Pfarrer zur Verfügung steht: Was kirchliche Amtsträger sagen können, ist weitgehend normiert. Es gibt enge Toleranzgrenzen für ihre Äusserungen. So entdeckt ein Pfarrer, je länger er im Amt ist, je länger er sozialisiert ist in diesem Amt, dass er eigentlich nur noch Rollenprosa absondert. Wenn er nicht anecken will sagt er, was erwartet wird, was der Rolle der Kirche und der Pfarrer in der Gesellschaft entspricht.
Entspricht er der Rollenerwartung, so wird das honoriert. Widerspricht er der Erwartung, wird es sanktioniert. Die Belohnung für ein Entsprechen ist eine Art von gleichgültiger Akzeptanz. Sie ist gemischt mit Geringschätzung. Denn der Pfarrer sagt ja nur, was von ihm erwartet wird und was der Stellung der Kirche in der Gesellschaft entspricht. Das kennt man schon, bevor er den Mund aufmacht.
Weicht er ab von dem, was erwartet und toleriert wird, so wird er sanktioniert. Das geht vom Nicht-Beachten, Ignorieren bis zum Lächerlich-Machen, an den Rand stellen, Skandalisieren… (Den Narren zu machen ist eine Form, die Rolle zu übernehmen und ihr zugleich zu widersprechen.)
Ironie
Ich muss wieder lernen, eigentlich zu reden. Wenn ich Nachrichten schaue, gibt es eine Sorte von Nachrichten, die den Stempel der Wahrhaftigkeit an sich tragen: dort wo Menschen von einer Katastrophe betroffen sind. Da fällt die Rolle, die Distanz, das Tun-Als-Ob ab.
Für mich kommt noch etwas dazu: ich kann die ironische Distanz aufheben. Mit der Ironie versuchte ich, zwei Dinge zu verbinden: das Festhalten an etwas, das mir wichtig ist, und das Wissen, dass es in der umgebenden Gesellschaft keinen Wert hat. So sprach auch ich uneigentlich vom Glauben. Er ist mir aber wichtig, ich war bereit, dafür die Arbeit als Journalist „im Zentrum dieser Kultur“ aufzugeben und in eine Nische zu gehen (ich hätte auch Bibeln abgeschrieben in einem Kloster). Aber ich wusste, dass das eine Nische ist, ohne Weg zum Zentrum, belächelt, geduldet, aber ohne Bereitschaft zum Zuhören, dort, wo es zählt.
Ich habe es Gott überlassen, die Differenz aufzuheben: „Sie werden es merken, was wirklich zählt“. „Was einer glaubt und lebt, das kommt über ihn selbst“ etc. Auf die Länge kann das nicht aufgehen. So redet ein verbitterter alter Mann, der die Hoffnung aufgegeben hat, dass er gehört wird, dass er mit seinem Leben etwas beitragen kann zu den Fragen, die ihm wichtig sind. Dass sein Leben einen Sinn haben soll bezogen auf die Werte, von denen der lebt, die Hoffnung, auf die er baut, den Trost, der es ihm ermöglicht, jeden Morgen wieder aufzustehen. Vor der Pensionierung tauchen diese Fragen auf neue Art auf.
Zutrauen
Ich kann es auch anders formulieren: So redet ein verbitterter alter Mann, der seiner Wahrheit nicht mehr zutraut, dass sie die Mehrheit erobern kann. Der es sich in seiner Nische recht macht. Aber die andern müssen selber schauen. Da ist viel Betupftheit drin, viel Schüchternheit, viel Mutlosigkeit, und vielleicht auch ein wenig: sich einrichten in dieser Nische des Lebens, wo der „Mainstream“ ihn hingestellt hat.
Letztes Jahr habe ich an Sylvester den Finger in die Bibel gesteckt. Ich suchte mir ein Motto für das folgende Jahr. Und ich fand den Ps 40:
„Ich verberge es nicht in meinem Herzen, was Du getan hast. Ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen, Herr, das weisst du. Ich rede von Deinem Heil. Und ich erzähle es in der Gemeinde. Alle dürfen sich freuen und fröhlich sein, die nach dir fragen! Ich bin arm und vermag wenig; aber der Herr sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; Du mein Gott!“
- März 2012
Ich will von Gott reden
Ich will von Gott reden.
Das ist eine Anmassung. Was weiss ich von Gott?
Und es ist fehl am Platz. Wenn es all die Missbrauchsfälle noch nicht getan haben, so hat der Terror des „IS“ den Gottesbegriff endgültig vergiftet.
Man möchte nicht mehr davon hören.
Vielleicht ist es darum nötig?
Die Erfahrung zeigt, dass Gott durch das Nicht-Reden nicht verschwindet. Er wird von Machtträgern usurpiert. Und sie installieren ihre Gottes-Rede.
Das kommt mit absolutem Anspruch daher und duldet keine Widerrede.
Wie also können wir heute von Gott reden, dass es Leben anleitet und nicht verhindert?
- Mai 2017
