Eine Front für die Vernunft

Wenn ich vor das Haus gehe, ist es, wie wenn ich die Hand in den Backofen halte. Seit Mitte Juni löst eine Hitzewelle die andere ab, seit zwei Monaten ohne Unterbruch. Wann gibt das politische System ein Zeichen das es die Situation wahrnimmt? Wann zeigt es, dass es reagiert und den einzelnen nicht allein lässt? Wann hört es auf, zu beschwichtigen und hinauszuschieben: «In Zukunft könnten solche Lagen wegen des Klimawandels häufiger werden.» Das ist das Maximum an Besorgnis, was man hört.

Bald schlägt es als Verlust in die Bücher
Jeden Sommer kommt die Groteske wegen der Bodenversiegelung, und jedes Mal verschwindet das Thema wieder, wenn die Temperaturen zurückgehen. Sollten die grossen Interessen und ihre Vertreter in Politik und Wirtschaft nicht fähig sein, rückwärts zu rechnen, wie viel Kosten und ausbleibende Gewinne es mit sich bringt, wenn die Entwicklung noch ein, zwei, drei, vier Jahre weitergeht und immer neue Probleme ausgelöst werden? Was da in Kürze kommt, das müsste schon heute als Wertverminderung abgeschrieben werden.

Alles nur Geräusch in den Medien?
Sie machen es zu einem Thema für die Saure-Gurken-Zeit. Aber heute ist eine Zeit, in der man früher «Fronten» gebildet hat, um die Kräfte zu mobilisieren. Eine «Volksfront» braucht es heute nicht, das war die Weise, wie die Linke die Kräfte sammelte, wenn es ernst wurde. Eine «Nationale Front» braucht es nicht, wie die Rechte ihre Kräfte bündelte, wenn es wichtig war. Aber es wäre an der Zeit, dass die Parteien in Parlament und Regierung signalisierten, dass sie den Ernst der Lage begriffen haben.

Früher war es schwierig, sich zu einem Thema kundig zu machen. Heute sind alle Studien digitalisiert, auf Internet veröffentlicht und mit KI in Kürze zu erschliessen. Man kann sich nicht mehr herausreden: «Ich habe es nicht gewusst.»

Was könnte man also wissen zur Entwicklung von Klima, Biosphäre und zu den sozialen Folgen? Ich zitiere aus verschiedenen Quellen:

Kein neues Gleichgewicht
«Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das Klima in der Schweiz oder global auf ein neues, stabiles Gleichgewicht einpendelt – im Gegenteil: Die Temperaturen steigen weiter, und die Häufigkeit sowie Intensität von Hitzewellen nehmen zu.»

«Die aktuellen Erkenntnisse zeigen, dass Klima und Biosphäre in einer sich selbst verstärkenden Dynamik miteinander verknüpft sind. Das Überschreiten von Kipp-Punkten kann zu Kettenreaktionen führen, die sowohl das Klima als auch die Biosphäre destabilisieren. Die Dringlichkeit, globale Klimaschutz-Massnahmen zu verstärken, wird durch diese Wechselwirkungen noch unterstrichen.»

Soziale Folgen
Wer nach dem Klima fragt, erhält meist Auskunft zu den ökologischen Folgen («Die Hälfte der Lebensräume und ein Drittel der Arten sind bedroht.»). Doch auch zu den sozialen Folgen gibt es fundierte Studien. Ein Beispiel:

«Klimabedingte Extremwetter-Ereignisse (Überschwemmungen, Erdrutsche, Stürme) können zu Binnenmigration führen, insbesondere in Regionen mit hoher Gefährdung wie dem Alpenraum oder entlang von Flüssen. Landnutzungskonflikte könnten zunehmen, etwa durch den Rückgang von landwirtschaftlichen Flächen oder den Verlust von Lebensräumen.»

Klagen wegen Untätigkeit
Eine allzu lange Untätigkeit kann auf die Akteure selber zurückfallen, wie das Beispiel des Auslandes zeigt: «Klagen gegen den Staat oder Unternehmen wegen Untätigkeit im Klimaschutz (wie bereits in anderen Ländern) könnten auch in der Schweiz zunehmen.»

 

Foto Wetterkarte