Schlagwortarchiv für: Evangelium

Damals wollte ich nur noch widerlich und unnütz sein – als Gegenkraft zu dem „Braven Kind, das ich war. Dieses will sich die Anerkennung anderer Menschen holen, indem es ihre Erwartungen errät und vorauseilend befolgt. Widerlich sein zu können, das war eine Qualität, die mir fehlte. Wie bewundernswürdig ruht ein Mensch in sich selbst, der sich um die Meinung der andern nicht kümmert! Unnütz sein zu können, dazu musste man schon das Selbstwertgefühl eines Königs haben oder die Selbstverständlichkeit einer Katze. Weiterlesen

Die Liebe, das ist eine völlig neue, alte Sehweise. Ja, es ist nichts Kompliziertes, Unentdecktes es ist altbekannt und doch fern und scheinbar verloren. Die Liebe –  das ist das Neue, Uralte, Überraschende – ist die Rückkehr in den Geheimnisstand der Kindheit, die das Leben deshalb als „geheimnisvoll“ erlebt, weil sie in Erwartung lebt, weil sie der Zukunft, dem Begegnenden, etwas zutraut, weil sie Vertrauen hat und mehr als das: positive Erwartung! Weiterlesen

Manchmal verändert sich etwas in unserem Leben. Es kommt fast unmerklich, wir spüren, dass wir in etwas Neues hineinwachsen. Neue Aufgaben stehen vor uns. Das Buch des Lebens blättert eine Seite um. Was eben noch war, ist vergangen, etwas Neues steht vor uns. Und wir spüren, wie sich etwas in uns wandelt. Weiterlesen

„Herr, siehe, der den du liebhast, ist krank.“ Bei diesem Satz bin ich hängen geblieben. Im Hotel gab es noch eine Bibel im Nachttisch, wie früher. Ich habe darin geblättert. Es war die Geschichte von Lazarus. Sie geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Weiterlesen

Hier ist die Schuld nichts Abstraktes und Sünde kein Begriff für die Sonntagsschule. Es ist dieses Gemenge von Brutalität und Gleichgültigkeit, die wir auch heute in den Kriegsgebieten sehen. Diese paradoxe Mischung von etwas, was alle Normalität aufhebt und von einem Umgang damit, als ob es das Gewöhnlichste der Welt wäre. Weiterlesen

Im Buch Hiob treffen sich Gott und Satan vor dem Vorhang zu einem Gespräch, bevor das Stück losgeht. Im Stück, da fallen die Hiobs-Botschaften, da ist nichts sichtbar, was noch helfen kann. Aber vor dem Stück, vor dem Vorhang: ist da noch etwas zu finden, was weiterführt? Weiterlesen

Ich war über Pfingsten auf dem Grab meiner Eltern. Es liegt ausserhalb der Grossstadt, ich war nicht viel dort. Ich hatte das Gefühl, sie seien dort nicht am richtigen Ort. Sie waren nach der Pensionierung weggezogen, vom Ort, wo sie jahrelang gelebt, wo sie ein Geschäft aufgebaut und Kinder aufgezogen hatten, wo sie ihren Lebensmittelpunkt hatten. Weiterlesen

Tauschen scheint das Friedlichste, was es gibt. Aber nicht, wenn Elfenbein gegen Glasperlen getauscht werden oder gegen Schnaps. Doch gibt es immer wieder Schlaumeier, die mit Talmigold bezahlen. Auch die Kulturgeschichte kennt solche Tauschverhältnisse und auch die Religion ist betroffen. Seit Jahrhunderten werden ihre Werte angeeignet und durch billige Imitate ersetzt. Ist Religion eine Kolonie? Oder gibt es auch hier eine Entkolonisierung, wie in der Politik der 50er Jahre? Weiterlesen

Es braucht nur einen Auslöser, eine bestimmte Begegnung, die Art, wie ein Mensch sich uns gegenüber benimmt, und es weckt alte Erinnerungen wieder auf an vergangene Zeiten. Und ohne dass wir es wollen, rutschen wir wieder zurück in jene Zeit. Da sind die Gefühle wieder, die wir damals hatten. Schon am Morgen beim Aufstehen überfallen sie uns. Und wir sehen an unserem Verhalten, dass wir eingeholt wurden von alten Mustern. Weiterlesen

Ich will das Foto löschen. Es ist ein «schlechtes Bild». So gefalle ich mir nicht. Aber es ist ein Bild von mir. Man kann mich so sehen. Ich kann mich so sehen, wenn ich mich getraue. Weiterlesen