Bevor sich die Erinnerung verflüchtigt und alle Dinge sich ins Dingsda-Land zurückziehen, gehe ich nochmal durch meinen Garten. Da gibt es Kartoffeln, Sellerie und Karotten. Und diese kleinen Blümchen, die eingewandert sind. Wie heissen sie noch gleich? Weiterlesen

Kann man Glauben lernen? Offenbar verlangt es, gegensätzliche Dinge zu vereinbaren. Der Mensch hat die Bedingungen seines Daseins nicht in der Hand. Er kann dieses also nicht herstellen oder kontrollieren, er kann nur dankbar das Geschenk des Lebens annehmen. Und doch sieht er sich aufgefordert, sein Leben zu verantworten, als ob er es in Händen hätte. Weiterlesen

Wer wird dem Klimawandel entgegentreten? Wer wird das Artensterben und die Bedrohung der Biosphäre aufhalten? – Zu meinen Lebzeiten haben sich nicht nur Ansichten und politische Ideologien geändert, sondern auch grundlegende Kategorien, in denen der Mensch und seine Welt angeschaut werden. Der «einzelne» ist so eine Kategorie, gegenüber der «Menge», das «Individuum» gegenüber der «Masse». Aber wer macht die Geschichte, wer trägt sie? Von wem ist etwas zu erwarten? Weiterlesen

Hilft Gott? Kann ich glauben, dass Gott mir in der Hitze hilft, im Sturm, in der Flut eines ausser Rand und Band geratenen Wetters, wenn ich Tag für Tag an der Zerstörung arbeite? In den 80er Jahren, als die ökologische Zerstörung breit ins Bewusstsein trat, plagten mich diese Gedanken. Im Zentrum des Alten Testaments steht eine kriegerische Erfahrung, das Exil, der Verlust von Staat, Sicherheit und Identität. Wie haben die Menschen das im Glauben verarbeitet? Ich nahm es als Muster und fragte: Wie wird die Krise im Glauben verarbeitet? Hilft der Glaube – oder ist er das erste Opfer? Weiterlesen

Es ist eine so ruhige und festliche Stimmung; die möchte ich nicht vertreiben oder vergehen lassen, indem ich mich in irgendeine Tätigkeit hineingebe: ich möchte sie festhalten, mich ihr hingeben (indem ich sie mit der Schreibmaschine festhalte). Gerne würde ich dafür einen schönen Ort aufsuchen, der der Festlichkeit angemessen ist. Stattdessen schreibe ich wieder in meiner dunklen Schreib-Ecke, und auch der winterliche Wind pfeift wieder bedrohlich um die Hausecke. Weiterlesen

Ich wollte mich wieder mal an die Schreib-Maschine setzen, da ich in der Randstunde doch nichts Sinnvolles mehr zustande gebracht hätte. Jetzt ist die Zeit noch weiter fortgeschritten, und ich zweifle, ob es jetzt noch sinnvoll ist, an die Maschine zu sitzen. Nicht wegen der Zeit, sondern wegen der Offenheit. Weiterlesen

Dienstag. Ich muss das Datum nachschlagen. Wegen der Hitze bleiben wir den ganzen Tag zuhause. Heute bin ich am Morgen nicht mit dem Fahrrad raus, um die frühe Zeit zu nützen. Unsere Tochter mit dem Enkelkind kommt zu Besuch. Was zu tun wäre, das wartet, das steht auf der To-do-Liste und wird nicht abgestrichen, weil wir nicht hinaus gehen. Weiterlesen

Wieder ist ein Mensch aus unserem Kreis gestorben. Ich schau nach, was für ein Tag heute ist: Dienstag. Ich war beim Coiffeur, habe ein Brot gekauft, Geld geholt von der Bank. Dann habe ich den Hausarzt gefragt, ob ich mich für den Ohrenarzt überweisen lassen muss. (Die Assistentin ruft zurück.) Schwerhörigkeit ist fast etwas Schönes, weil es allmählich kommt, ohne eine dieser einbrechenden Katastrophen-Nachrichten wie eine Krankheits-Diagnose, die man im Alter fast erwartet. Ich selber war bisher davon verschont, aber was heisst verschont, wenn liebe Menschen wegsterben? Weiterlesen

Ich habe die Wiese mit der Sense gemäht – und keine Kraft mehr in den Händen. Ich hoffe, ich kann schreiben. Bald stelle ich mich für eine neue Stelle vor. Die Phantasie nimmt das beim Mähen auf. War ich nicht oft dabei, wenn Kollegen sich bei uns vorgestellt haben? Da könnte ich doch nachsehen, was so gefragt wird. Ich sollte auch mal lebensklug sein, und nicht einfach alles „auf Gott werfen“ und wie ein Narr in die Zukunft gehen. Weiterlesen

Ostern sagt: Christus ist gestorben und auferstanden. Ist damit alles in Ordnung? Ist er nicht zu Unrecht verklagt und hingerichtet worden? Mit Ostern kann der Zyklus der Feiertage nicht abbrechen. Die Himmelfahrt gehört dazu, unbedingt, oder wir müssen auf wesentliche Bedürfnisse unseres Menschseins verzichten. Ein Plädoyer für ein verkanntes Fest. Weiterlesen