Schlagwortarchiv für: Kultur

Gestern Abend vor dem Fernsehgerät bin ich zwei Mal erschrocken. Und ich habe mich noch nicht wieder beruhigt. Es wird vielen so gehen, die das gesehen haben. So wird der Abend wohl etwas bewegen. Man kann darüber nicht einfach schlafen gehen. Weiterlesen

Kann man Glauben lernen? Offenbar verlangt es, gegensätzliche Dinge zu vereinbaren. Der Mensch hat die Bedingungen seines Daseins nicht in der Hand. Er kann dieses also nicht herstellen oder kontrollieren, er kann nur dankbar das Geschenk des Lebens annehmen. Und doch sieht er sich aufgefordert, sein Leben zu verantworten, als ob er es in Händen hätte. Weiterlesen

Wer wird dem Klimawandel entgegentreten? Wer wird das Artensterben und die Bedrohung der Biosphäre aufhalten? – Zu meinen Lebzeiten haben sich nicht nur Ansichten und politische Ideologien geändert, sondern auch grundlegende Kategorien, in denen der Mensch und seine Welt angeschaut werden. Der «einzelne» ist so eine Kategorie, gegenüber der «Menge», das «Individuum» gegenüber der «Masse». Aber wer macht die Geschichte, wer trägt sie? Von wem ist etwas zu erwarten? Weiterlesen

Damals wollte ich nur noch widerlich und unnütz sein – als Gegenkraft zu dem „Braven Kind, das ich war. Dieses will sich die Anerkennung anderer Menschen holen, indem es ihre Erwartungen errät und vorauseilend befolgt. Widerlich sein zu können, das war eine Qualität, die mir fehlte. Wie bewundernswürdig ruht ein Mensch in sich selbst, der sich um die Meinung der andern nicht kümmert! Unnütz sein zu können, dazu musste man schon das Selbstwertgefühl eines Königs haben oder die Selbstverständlichkeit einer Katze. Weiterlesen

Wenn es die Schweiz nicht schon gäbe, warum müsste man sie gründen? – Wegen des Übergangs über die Alpen! So fällt mir zuerst ein. Ein Gebirgsübergang mitten in Europa müsste offen sein und neutral verwaltet, damit keiner von einer Passage ausgeschlossen wäre. Dann gäbe es keinen Grund, diesen Übergang zu besetzen und für andere unpassierbar zu machen. Das wird mir heute schlagend bewusst, wo die Strasse von Hormus durch Kriegsparteien gesperrt ist, was Schockwellen durch die internationale Wirtschaft treibt. Weiterlesen

«Wie verhalte ich mich bei einem Waldbrand?» So heisst es in einer Nachrichtensendung aus der jüngsten Hitzeperiode. Das Leben ist seltsam geworden in unseren Breiten. Vieles ist uns näher gerückt, was wir früher mit fernen Ländern verbanden. Die Wiesen in unserem grünen Land sind dürr und braun geworden. Die Landschaft verändert sich. Weiterlesen

Die Liebe, das ist eine völlig neue, alte Sehweise. Ja, es ist nichts Kompliziertes, Unentdecktes es ist altbekannt und doch fern und scheinbar verloren. Die Liebe –  das ist das Neue, Uralte, Überraschende – ist die Rückkehr in den Geheimnisstand der Kindheit, die das Leben deshalb als „geheimnisvoll“ erlebt, weil sie in Erwartung lebt, weil sie der Zukunft, dem Begegnenden, etwas zutraut, weil sie Vertrauen hat und mehr als das: positive Erwartung! Weiterlesen

Dienstag. Ich muss das Datum nachschlagen. Wegen der Hitze bleiben wir den ganzen Tag zuhause. Heute bin ich am Morgen nicht mit dem Fahrrad raus, um die frühe Zeit zu nützen. Unsere Tochter mit dem Enkelkind kommt zu Besuch. Was zu tun wäre, das wartet, das steht auf der To-do-Liste und wird nicht abgestrichen, weil wir nicht hinaus gehen. Weiterlesen

Wieder ist ein Mensch aus unserem Kreis gestorben. Ich schau nach, was für ein Tag heute ist: Dienstag. Ich war beim Coiffeur, habe ein Brot gekauft, Geld geholt von der Bank. Dann habe ich den Hausarzt gefragt, ob ich mich für den Ohrenarzt überweisen lassen muss. (Die Assistentin ruft zurück.) Schwerhörigkeit ist fast etwas Schönes, weil es allmählich kommt, ohne eine dieser einbrechenden Katastrophen-Nachrichten wie eine Krankheits-Diagnose, die man im Alter fast erwartet. Ich selber war bisher davon verschont, aber was heisst verschont, wenn liebe Menschen wegsterben? Weiterlesen