Schlagwortarchiv für: Artensterben

Wenn ich vor das Haus gehe, ist es, wie wenn ich die Hand in den Backofen halte. Seit Mitte Juni löst eine Hitzewelle die andere ab, seit zwei Monaten ohne Unterbruch. Wann gibt das politische System ein Zeichen das es die Situation wahrnimmt? Wann zeigt es, dass es reagiert und den einzelnen nicht allein lässt? Wann hört es auf, zu beschwichtigen und hinauszuschieben: «In Zukunft könnten solche Lagen wegen des Klimawandels häufiger werden.» Das ist das Maximum an Besorgnis, was man hört. Weiterlesen

Wer wird dem Klimawandel entgegentreten? Wer wird das Artensterben und die Bedrohung der Biosphäre aufhalten? – Zu meinen Lebzeiten haben sich nicht nur Ansichten und politische Ideologien geändert, sondern auch grundlegende Kategorien, in denen der Mensch und seine Welt angeschaut werden. Der «einzelne» ist so eine Kategorie, gegenüber der «Menge», das «Individuum» gegenüber der «Masse». Aber wer macht die Geschichte, wer trägt sie? Von wem ist etwas zu erwarten? Weiterlesen

Hilft Gott? Kann ich glauben, dass Gott mir in der Hitze hilft, im Sturm, in der Flut eines ausser Rand und Band geratenen Wetters, wenn ich Tag für Tag an der Zerstörung arbeite? In den 80er Jahren, als die ökologische Zerstörung breit ins Bewusstsein trat, plagten mich diese Gedanken. Im Zentrum des Alten Testaments steht eine kriegerische Erfahrung, das Exil, der Verlust von Staat, Sicherheit und Identität. Wie haben die Menschen das im Glauben verarbeitet? Ich nahm es als Muster und fragte: Wie wird die Krise im Glauben verarbeitet? Hilft der Glaube – oder ist er das erste Opfer? Weiterlesen

Es ist eine so ruhige und festliche Stimmung; die möchte ich nicht vertreiben oder vergehen lassen, indem ich mich in irgendeine Tätigkeit hineingebe: ich möchte sie festhalten, mich ihr hingeben (indem ich sie mit der Schreibmaschine festhalte). Gerne würde ich dafür einen schönen Ort aufsuchen, der der Festlichkeit angemessen ist. Stattdessen schreibe ich wieder in meiner dunklen Schreib-Ecke, und auch der winterliche Wind pfeift wieder bedrohlich um die Hausecke. Weiterlesen

Das Buch Hiob, ein Weisheitsbuch des Alten Testamentes, fügt die Hiob-Tradition in eine Rahmenhandlung ein. Bevor das Drama um Heil und Unheil beginnt, treffen sich die himmlischen Mächte vor dem Vorhang und es entspannt sich ein Dialog zwischen Gott und Teufel. (Goethe wird das später imitieren, er setzt vor das Faust-Drama einen «Prolog im Himmel».) Weiterlesen

Im Buch Hiob treffen sich Gott und Satan vor dem Vorhang zu einem Gespräch, bevor das Stück losgeht. Im Stück, da fallen die Hiobs-Botschaften, da ist nichts sichtbar, was noch helfen kann. Aber vor dem Stück, vor dem Vorhang: ist da noch etwas zu finden, was weiterführt? Weiterlesen

Da möchte ich nicht mehr dabei sein, wenn der Streit losgeht, wer denn schuld sei an dem Unglück, das uns trifft. Mit einer Fingerbewegung gerate ich mittenhinein in eine solche Auseinandersetzung, über Sylvester/Neujahr habe ich den Finger in die Bibel gesteckt, ob ich einen Vers finde, den ich zum neuen Jahr meditieren könnte. Es mag ein Überrest des alten Orakel-Glaubens sein. Weiterlesen

Der Plan der britischen Regierung, Flüchtlinge nach Ruanda abzuschieben, ist von den Gerichten abgewiesen worden. In Deutschland, Österreich und anderen Ländern wird dieser Versuch, Flüchtlingsprobleme per Outsourcing zu lösen, auch verfolgt. Weiterlesen

Es ist kühl. Das Sturmtief Ciarán, das in Europa bisher zwölf Todesopfer forderte, ist mit Ausläufern auch in der Schweiz angekommen und bringt Regen und kühles Wetter. Kalt – das beschreibt die ganze Atmosphäre. Man möchte sich verkriechen, etwas Warmes um sich ziehen, nicht denken, sondern sich ankuscheln. Und doch scheint die Kälte angemessen für das, was zu schreiben wäre, für das Lebensgefühl in dieser Zeit. Weiterlesen

Der Gedanke der «Erbsünde» – heute hat man schon vor dem Wort einen Horror -half damals, den Konflikt zu überwinden zwischen dem Glauben an einen guten Gott, der lebensnotwendig war, und der gegenteiligen Erfahrung eines Lebens, das einen mit Leid und Unrecht konfrontierte. Und es lag nicht am guten Willen, die Menschen hatten das Gefühl, in etwas verstrickt zu sein, was sie lähmte und Dinge tun liess, die sie nicht wollten. So erlebten sie sich selbst dabei, wie sie beim besten Willen das Falsche taten, was das Leben belastete und verstörte.

Es war, als ob man auf eine abschüssige Bahn geraten war, bei aller Anstrengung, den geraden Weg zu gehen. Es rutschte alles ab und es gewann an Fahrt. So antiquiert sich das alles anhört, ein Zeitgenosse kann das wohl nachvollziehen, wenn er an die Klimazerstörung denkt, an das Artensterben. Da ist etwas ins Rutschen geraten. Und von morgens bis abends, als Angehöriger der «westlichen Welt», erlebt man sich als Profiteur einer Weltwirtschaftsordnung, die zulasten von anderen Menschen und Kontinenten geht, und man kann nicht aussteigen. Weiterlesen