Schlagwortarchiv für: Trauma

Vor einigen Jahren kam ein neuer Begriff auf: ekklesiogene Neurose. Das meint eine Krankheit, hervorgerufen durch falsche Frömmigkeit. Und es weckt die Frage: Ist mein Glaube gesund oder krank? Weiterlesen

Die Welt ist in Nervosität getaucht. Es ist wieder soweit, nicht bei uns, aber es gibt Konfliktfelder auf dieser Welt, wo Menschen abgeholt, auf der Strasse erschossen werden. Krieg und Staatsterror. Es ist noch weit entfernt, man kann es ignorieren, sich auf der sicheren Seite fühlen. Und die Regierung reagiert völlig unangemessen. Die Routine-Abläufe mit ihren eingebauten Blockaden, die die Prozesse verlangsamen und Mitsprache ermöglichen sollen, stehen in groteskem Kontrast zu allem, was jetzt nötig wäre. Weiterlesen

Am Nullpunkt beginnt das Neue.
Religiöse Rede heute.
Texte, die sich an Gott wenden und von Gott erzählen.

Einstimmung 
«Am Nullpunkt» – so wollte ich diese Notizen nennen, doch das beschreibt nur eine Hälfte, die Krise des religiösen Redens in unserer Zeit, an unserem Ort. Hier eröffnet sich aber etwas Neues und Befreiendes, darum ergänzte ich «Am Nullpunkt beginnt das Neue».

2017 begann ich einen Blog zu religiösen Themen. Im Vorwort schrieb ich:

„Von Gott erzählen“ – das stösst heute auf Schwierigkeiten.
Religion ist in der öffentlichen Wahrnehmung verquickt mit Gewalt, Krieg und Übergriffen. Oder dann mit Harmlosigkeit, weil nicht erkennbar ist, was sie mit den grossen Fragen der Zeit noch zu tun haben soll.

Kirche ist still geworden unter den Vorwürfen und Altlasten aus Mission, Kolonialismus, Inquisition und Unterdrückung von Minderheiten. Sie traut sich nicht mehr zu, ihre Botschaft in den Wahrheitsbegriffen der Zeit ausrichten zu können und duckt sich in die Rolle, die ihr zugewiesen wurde: eine Subkultur zu sein unter vielen.

„Gott“ ist ein Reizwort geworden für viele Zeitgenossen, auf das sie nicht mehr ruhig Antwort geben mögen. Sie reagieren mit gehässiger Abwehr. So, wie man den Sektenpredigern, wenn sie zuhause klingeln, die Türe vor der Nase zumacht.

Erzählen ist eine abgerüstete Form von Mitteilung. Da werden keine Ansprüche erhoben, die den Hörenden zu etwas zwingen wollen. Vielleicht hilft es, einfach ehrlich vom eigenen Weg zu berichten? Es geht nicht um erzählende Zugänge zu Gott. Es geht, angesichts der totalen Krise aller kirchlichen und theologischen Aussageformen zuerst darum, überhaupt eine glaubhafte Sprachbrücke zum Gegenüber zu finden.

Die Basis, von der aus einer Brücke geschlagen werden kann, liegt nicht in philosophischen Aha-Erlebnissen, die alle vernünftigen Menschen teilen müssen. Die Basis liegt nicht in einem Rest-Vertrauen, das die Kirche oder Teile der Kirche da oder dort noch geniessen mögen. Die Basis liegt in einer ehrlichen zwischenmenschlichen Begegnung, die ganz unten erfolgen muss, wo nichts vorausgesetzt werden kann, wo das Vertrauen zum Gegenüber erst geschaffen werden muss.

So streckte man sich früher die offene Hand zur Begrüssung hin: „Schau, ich bin unbewaffnet.“ Diese demonstrative „Wehrlosigkeit“, dieser Vertrauensakt, sich dem andern und seinem Goodwill auszuliefern, das kann auch heute eine Basis sein für die Vertrauensbildung in einem Umfeld grösster Infragestellungen.

Damals, am Anfang des Überlieferungsweges, von dem die Evangelien berichten, waren die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie waren traumatisiert von ihren Erlebnissen, von denen die Passion erzählt. Es war die „Stunde null“, als nichts mehr gültig schien. Trotzdem oder gerade darum hat von hier aus etwas Neues angefangen. So wurde auch Freude wieder möglich, das Teilen von Glück und Schönheit. Wenn es nicht so wäre, würde niemand von Gott erzählen wollen. So aber beginnt der Versuch immer von neuem: von Gott erzählen.

Ist das religiöse Reden also in einer Krise? – Ja und nein. Es ist beides: Da ist der Nullpunkt, die Krise. Da ist aber auch das Gegenteil, die Faszination, die Anziehung, das Hingehen, Finden, Ankommen. Da ist die Antwort auf alle Krise, die schon auf dem Weg gefunden werden kann.

Ein Suchweg
Das hat mich im Leben immer am meisten fasziniert: auf einem Suchweg zu sein. Das findet sich in all meinen Notizen. Sie sind so umständlich und folgen allen Wegen und Nebenwegen, allen Irrtümern und vorläufigen Einsichten, weil nur so etwas von diesem Suchweg spürbar wird. Wollte ich es in einer These zusammenfassen, würde es das Wichtigste verlieren. Und es wäre so langweilig, dass ich nicht über die erste Seite hinauskäme.

Das Suchen ist offenbar nicht nebensächlich. Es hängt mit der Sache wesentlich zusammen, als ob diese gar nicht anders gefunden werden könnte als über einen Suchweg. Und der ist nur begrenzt mitteilbar. Ich kann ihn nicht abkürzen.

So war es auch bei diesem Buch wieder. An sich steht der Text fest, die Notizen sind gegeben. Aber wenn ich darin lese, wenn ich mich frage, was denn das Thema dieser Jahre gewesen sei, dann bin ich wieder mittendrin in diesem Suchweg.

Am Anfang der Welt
«Von Gott erzählen» ist von da her nichts, was man sich einfach vornehmen kann, oder es degeneriert zu einem «Unternehmen», das nichts mit diesem thrill zu tun hat: mit dieser Gefährdung, mit diesem angstvollen Vorwärtstasten, mit dieser Verzweiflung und handkehrum dieser Freude, dieser Dankbarkeit! Es ist wohl das grösste Abenteuer des Daseins, es hat zu tun mit dem Weg, auf dem man sich selber wird. Da ist noch nichts «da» und einfach vorhanden, sodass man es abrufen könnte. Da wird jeder Schritt getan und er kann schiefgehen, auch wenn es simpel aussieht: wie ein Mensch seinen Weg geht. Aber was wird, das ist erst auf dem Weg.

Es ist, als ob man – wenn man von Gott erzählen will – den Weg der Bibel nachgehen müsste, die mit dem Anfang beginnt und damit, wie alles begann. Es beginnt im Gegenüber Gottes. Erst so ist ein Begriff vom «allem» möglich, nur so kann man sich einem Absoluten gegenüberstellen im Gebet, im Glauben. Erst so entstehen Begriffe für Ich und Du, für die innere und äussere Welt.

Ein Weg beginnt

So beginnt etwas, so geschieht das Zum-Glauben-Kommen oft. Da war etwas, was nicht weiterführte, eine Krise, ein Stück Weg, das man nicht gestalten konnte, weil die Logik des bisherigen Lebens da nicht durchführen konnte. Und wenn es vorbei ist, ist da eine neue Grundlage, eine neue Logik hat sich etabliert. Es ist wie eine neue Geburt, ein neuer Anfang. Und es ist der Anfang eines gemeinsamen Weges. Das Ich hat das Du gefunden. Es beginnt ein inneres Gespräch, ein Leben im Gebet. Weiterlesen

Im Buch Hiob treffen sich Gott und Satan vor dem Vorhang zu einem Gespräch, bevor das Stück losgeht. Im Stück, da fallen die Hiobs-Botschaften, da ist nichts sichtbar, was noch helfen kann. Aber vor dem Stück, vor dem Vorhang: ist da noch etwas zu finden, was weiterführt? Weiterlesen

Die zwei Jünger sind unterwegs. Sie sind auf der Flucht. Und es sind keine kleinen Sorgen, die sie in die Flucht schlagen. Es ist etwas – so schlimm, wie es in einem Leben vielleicht nur einmal vorkommt. Aber es reicht, dass dieses Leben auf immer verletzt wird. Da ist das innerste Geheimnis dieses Lebens angesprochen, der Kern, um den sich Fühlen und Handeln dreht. Die „Küche“, wo die Gefühle gebraut werden. Das bestimmt die Art und Weise, wie dieser Mensch später die Welt wahrnimmt, wie er auf andere Menschen zugeht. Weiterlesen

Karwoche. Ein grosser Anspruch. Kann ich mich dem stellen? Die Karwoche ist das Grösste im Kirchenjahr. Es ist das Allergrösste an Kunst und Frömmigkeit, was in dieser Zeit begegnet. Durch die Säkularisierung ist man aber auch freigestellt. Man kann die Zeit verbringen, ohne einen Gedanken an sie zu verwenden. Weiterlesen

Jetzt ist die Teilung offenbar besiegelt. Die USA holen sich das Beste aus den besetzten und unbesetzten Teilen. Die Ukraine liefert einen Anteil am Gewinn der Bodenschätze, Russland bietet einen solchen Deal auch für die besetzten Gebiete an, die «neuen Territorien», wie Russland das nennt.

Es erinnert an die letzte polnische Teilung vor dem Zweiten Weltkrieg: Stalin holte sich den Osten, Hitler den Westen. Dann brach der Krieg los. Jetzt soll die ukrainische Teilung den Frieden bringen: Russland beutet mit den USA die von ihm besetzte Ostukraine aus, die USA mit der Rest-Ukraine den westlichen Teil.

Trump hat gezeigt, wie schnell er Frieden schaffen kann («in einem Tag») und er hat ein Muster eines «Deals» vorgelegt. Ein Riesenstaat erdrückt einen wehrlosen, kleinen Staat, der sich im Krieg befindet, und nimmt ihm das wenige, was er noch hat. Jetzt weiss die Welt jedenfalls, wie es im New Yorker Liegenschaften- Business zugeht, wo Trump sein Handwerk gelernt hat.

Die Ukraine muss sich doppelt und dreifach betrogen vorkommen. Nach dem Zerfall der UdSSR hat sie auf eigene Atomwaffen verzichtet und dafür Sicherheitsgarantien erhalten. Jetzt sind auch die Garantien weg – sie waren nie etwas wert.

 

Foto von RPA studio, Pexels

Zu den Sicherheitsgarantien: «Das Budapester Memorandum umfasst drei Vereinbarungen, die am 5. Dezember 1994 in Budapest im Rahmen der dort stattfindenden KSZE-Konferenz unterzeichnet wurden. In den Vereinbarungen gaben die Russische Föderation, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten gemeinsam Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien in Verbindung mit deren Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag und als Gegenleistung für die Beseitigung aller Nuklearwaffen auf ihrem Territorium.» (Wikipedia)

Zum Hitler-Stalin-Pakt: «Am 24. August 1939 kam es zu einem Nichtangriffspakt zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. Beide Vertragspartner verpflichteten sich darin zu gegenseitiger Neutralität in einem Kriegsfall. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurde die Aufteilung Polens und der Baltikumstaaten geregelt. Der Vertrag diente Hitler als Grundlage für seinen Vernichtungskrieg in Osteuropa.» (https://www.geschichte-abitur.de/lexikon/uebersicht-drittes-reich/hitler-stalin-pakt)

Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, höre ich Hörbücher. Im Moment bin ich bei Francis Durbridge angelangt und seinen Paul Temple-Romanen aus den 50er Jahren. Erst blieb ich daran hängen wegen der Szenenfotos, die die Atmosphäre jener Jahre atmen, dann wegen der Hörspielmusik, wo diese Atmosphäre noch verdichtet wird. Es war wie Eintauchen in meine Kindheit und frühe Jugend. Weiterlesen