Es ist wieder mal soweit
Die Welt ist in Nervosität getaucht. Es ist wieder soweit, nicht bei uns, aber es gibt Konfliktfelder auf dieser Welt, wo Menschen abgeholt, auf der Strasse erschossen werden. Krieg und Staatsterror. Es ist noch weit entfernt, man kann es ignorieren, sich auf der sicheren Seite fühlen. Und die Regierung reagiert völlig unangemessen. Die Routine-Abläufe mit ihren eingebauten Blockaden, die die Prozesse verlangsamen und Mitsprache ermöglichen sollen, stehen in groteskem Kontrast zu allem, was jetzt nötig wäre.
Und die Erkenntnis greift Platz, dass man das Nötige seit Jahrzehnten verpasst hat. Es ist sinnlos, dem jetzt hinterherzuhinken. Vielleicht kann man sich noch der EU anpassen? Vielleicht findet sich eine Schutzmacht? Es sind Rettungsversuche der Zu-Spät-Zeit. Muskelzuckungen, die nicht mehr zu einem sinnvollen Verhalten gehören, sei es Flucht, sei es Kämpfen. So zappelt ein Hund, wenn er im Traum rennt. Aber er rennt nicht, er schläft.
Grosse Worte
Gestern eine Nachrichtensendung, wieder fallen grosse Worte. Jetzt ist es nicht die A-Bombe, die wieder aktuell werden könnte, wenn Russland sich in die Enge getrieben fühlt, jetzt ist es der KI-Angriff, der die Welt verändert.
«Das US-Unternehmen hatte diese Woche mitgeteilt, insgesamt habe man mit Mythos bereits „tausende“ schwerwiegende Schwachstellen gefunden – darunter in jedem viel genutzten Betriebssystem und Webbrowser. Mit dem schnellen Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz sei davon auszugehen, dass solche Fähigkeiten recht bald auch Online-Angreifern zur Verfügung stehen könnten, warnte Anthropic.»
«Sofort»
In der Nachrichtensendung wurde gewarnt, die nötige Reaktionszeit bewege sich nicht in Tagen oder Wochen oder Stunden, es sei «sofort» eine Reaktion nötig. Gefährdet sind die Daten und Programme, gefährdet ist alles, was davon abhängt, insbesondere Finanzwesen, staatliche Verwaltung, Infrastruktur…
Im Morgengrauen stehe ich auf, ich bete für alle. Es ist ein Gebet im Durchzug. Es wird mir windelweich. Ich rette mich ins Jetzt, wo das Später keine Zuflucht mehr bietet und das Einst nicht mehr zugänglich ist. So wird an Pfingsten die Gegenwart entdeckt. Im Zurück lag das Trauma, im Vorwärts die Angst. Aber in der Gegenwart Gottes fassen sie den Mut, vorwärts zu gehen.
Schweige Sturm, legt euch, ihr Wellen!
Mit etwas mehr Ruhe, werden mir andere Bibelstellen lebendig. Im Schock der Gefährdung geht der Spielraum verloren, die Zeit verengt sich zum Augenblick. Alles ist zur Entscheidung gestellt, alles steht im Jetzt.
Kommt ein zweiter Augenblick dazu, sind es schon zwei, dann drei. Die Zeit gewinnt an Breite, verlässt die dünne Schneide der Entscheidung. Das Handlungs-Bewusstsein kehrt zurück. Jetzt wird hörbar, was die Bibel auch noch sagt. Sie erzählt die Geschichte von der Sturmstillung. Das Meer war aufgewühlt, die Jünger fürchteten um ihr Leben. Da gingen sie hin und weckten Jesus, der hinten im Boot schlief. «Meister, kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?» Da erhob sich Jesus, bedrohte Wind und Wellen und der Sturm legte sich. Da fürchteten sich die Jünger „Wer ist doch dieser, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorsam sind?“
Wenn die Nachrichten in diesen Tagen wieder anbranden wie Wellen, wenn die Schlagzeilen sich überschlagen, wenn die Furcht mich packt über das, was vor uns zu stehen scheint, erinnere ich mich an die Jünger. Wie sie in den Augenblick eintraten, wie sie die Entscheidung zum Glauben trafen und sich gehalten fühlten. Wie sie die Reise über den See antraten, trotz der Gefahren, wie sie sich von Gott und Mensch verlassen fühlten, wie sie Christus aus dem Schlaf weckten, wie er den Sturm beruhigte und die Wellen sich legten. „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir untergehen? – Wer ist doch dieser, dass ihm sogar der Wind und der See gehorsam sind?“
Die Geschichte der Sturmstillung findet sich im Evangelium nach Markus, Mk 4,35ff.
Die Angaben zu Anthropic stammen aus: https://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/anthropic-ki-claude-mythos-findet-schwachstellen-bsi-warnt-vor-weitreichenden-folgen/100215799.html
Foto Елизавета Борзилова, Pexels









