Im Äussersten
Der Weg in den Palast beschreibt den Weg ins Innere. Oder ist es das Äussere? Hier konvergiert der Weg ins Innere und der Weg ins Äussere. Das Ziel des Lebens kann auch im Innersten angesehen werden.
Vor dem Ziel
Es ist schön zu lesen, wie der Palast von König Aietes beschrieben wird. Göttin Hera beschützt die Reisenden auf dem Weg Da ist die Vorhalle, die Nebenhalle, da sind die Paläste. Die Hallen und Räume beschreiben einen äusseren Ort. Und indem wir der Beschreibung folgen, öffnet sich ein innerer Ort. Denn diese Bilder kennen wir, dieses Hindurchgehen durch ein Tor, Eintreten in eine Mitte, diese Flucht durch Gänge und Räume, wo das Geräusch der Aussenwelt versiegt, dieses Eindringen in eine Innenwelt.
Die Grenzen der Welt
Da ist die Seele könnte man sagen. Sie sitzt nicht wie der Stier im Labyrinth, dass die Seelenforscher sie finden und erlegen könnten. Es ist eher die Struktur des Labyrinthes, das ihr ähnlich ist. Es ist dieses Entsprechen von innen und aussen, was der alte Seelenbegriff meint: dass wir im Innersten etwas tragen, wodurch wir mit dem Absoluten verbunden sind. Jedes einzelne Wesen trägt auch diesen Bezug zum Höchsten in sich. So können wir die Reise genauso gut nach innen antreten wie nach aussen, um an die Grenzen der Welt zu kommen, um ihr Zentrum zu finden und einzutreten.
Im Zentrum
Im Innern können wir das Ziel finden. Innen und aussen erscheinen hier wie eins, so wie die einfachste Formel der Chaostheorie Diagramme entstehen lässt, die sich selber ähnlich sind. Die Form, die das Ganze annimmt, ist selbst-identisch mit dem kleinsten Baustein. Aber die Seele ist keine Formel, auch wenn die Antike „Kosmos“ (was Schmuck und Ordnung bedeutet) auf „Logos“ reimt. Die Ordnung des Ganzen, der «logos», das ist wie ein Weg, eine Richtung, eine Gesetzlichkeit. Und diese findet sich im Kleinsten wie im Grössten. Aber das sind Annährungen von aussen, Spekulationen. Der Mythos beschreibt den Traumweg, den wir mit traumwandlerischer Sicherheit gehen. So bin ich in die Welt getreten, so vertraue ich, dass ich im Tod den Weg geführt werde.
Die unmögliche Aufgabe
Hier taucht die Sage von Iason und dem goldenen Vlies auf. Das Boot ist bestückt mit den grössten Helden Griechenlands. Aber was ist die Aufgabe und wie löst man sie? Das geht über in die Erzählfigur der unmöglichen Aufgabe, an der man nur scheitern kann. Aber jeder muss eine solche Aufgabe erfüllen. Am Helden wird es für alle demonstriert, was einen auf dem Weg erwartet.
Aber was ist die Aufgabe, die so unmöglich scheint und deren Lösung darum eine ganze Kultur begründet? Ist es der Tod, der eine Antwort braucht? So scheint es. Darum treten die Helden die Reise in die Unterwelt an, wo die Toten wohnen.
Die Frage nach dem Tod ist die Frage nach dem rechten Leben. Wie wird es seinen Aufgaben gerecht? Was muss getan werden, dass es im Einzelnen und in der Gemeinschaft Leben trägt und ermöglicht und nicht verhindert? Was hilft, das Leben zu entfalten? Wo ist ein neuer Anfang, wenn alles verstellt ist?
Lesen Sie «Mission impossible»
Foto von Lukas, Pexels









