Ein Gross-Thema der Menschheit

Wovon soll man reden, wenn man von Vergebung redet? Das Problem ist eher, wovon soll man nicht reden. Denn wenn man sich mit der Sache beschäftigt, sieht man: es gibt kaum etwas, das nicht damit zu tun hat.

Wenn auf der Erde alles läuft wie es soll – dann braucht man nicht von Vergebung zu reden. Dann gibt es kein Unrecht, keine Gewalt, keine Schuld, keine Strafe, keine Wiedergutmachung, keine Versöhnung, keine Vergebung. Anders ist es, wenn es auf der Erde nicht so läuft, wie es soll – dann ist Vergebung allerdings ein Thema.

Wenn auf der Erde nicht alles läuft, wie es soll, und es gibt keine Vergebung: dann bleibt die Schuld ohne Versöhnung, Unrecht schlägt Verletzungen, die nie heilen, es kann nicht Friede werden.

Endlos-Schleifen
Ohne Vergebung gibt es keinen Neuanfang für das Leben. Die Menschen schleppen ewig ihre alten Lasten mit sich rum. Sie rechnen sich Fehlerkataloge vor, die nie gelöscht werden. Vorwürfe, die man sich selber macht, bleiben ohne Ende. Noch im höchsten Alter wacht man nachts auf und es fällt einem siedend heiss ein, was man falsch gemacht hat vor Jahren.

Ohne Vergebung können Völker nach einem Krieg vielleicht äusserlich Frieden schliessen. Aber eine innere Versöhnung geschieht nicht. Es braucht nicht viel, brechen die alten Wunden wieder auf, und es kommt der Wunsch nach Vergeltung. Ohne Versöhnung ist die Welt eine Hölle. Gott-sei-Dank, dass er uns die Versöhnung geschenkt hat.

Tatsächlich: Es ist schwer, von Vergebung zu reden, weil es kaum etwas gibt, das nicht damit zu tun hat. Vergebung ist eines der Gross-Themen der Menschheit, so wie Glück und Leid, Liebe und Tod, Geboren werden und Sterben.

 

Foto: Berg Ararat von Александр Максин, Pexels

Aus Notizen 2006