Das Leben in vier Aperçus
Was ist das Leben? Immer mal wieder wacht man auf aus seinen Routinen und fragt sich. Vor der Pensionierung habe ich auf mein Leben zurückgeschaut. Daraus vier Eindrücke.
Beschädigt
Alle Menschen werden vom Leben beschädigt. Auch ich. Ich bin nicht mehr dreissig. Die allseitige Revidierbarkeit aller Verhältnisse ist vorbei. So war es auch bei meinen Eltern. Irgendwann schlägt es durch, was man den ganzen Tag tut und die ganze Woche denkt und sorgt. Irgendwann gräbt es sich in die Züge ein.
Schon vorher wohnt es in der Gewohnheit, wie man aufwacht und zu Bett geht. Es zeigt sich im Gehen und Stehen und wie wir uns geben. Es gräbt sich ein ins Denken und Fühlen. Und aus hunderttausend Gedanken und aus Jahren des Sorgens wird ein Leben. Und das war es dann, das kann man nicht mehr revidieren. Man kann es nur noch achten und lieben. Das ist gelebt und ausgegeben. Und es gibt keine Reserven mehr, um ein zweites Leben anzuhängen oder dieses eine Leben anders zu machen.
Der Chef
Das hat mich in der Kindheit beeindruckt, dass mein Vater, obwohl Patron seiner Firma, die WCs selber putzen musste, wenn sie verstopft oder verdreckt waren. Denn eine solche Arbeit durfte er keinem/keiner Angestellten zuweisen. Wer der Oberste sein will, muss auch das Unterste machen.
Der Widerhaken
Ich kann irgendwo einsteigen auf meinem Weg und finde „unreife“ Momente, vielleicht auch krankhafte Momente. Diese kann man herauspicken und sich darüber lustig machen. Der Glaube begibt sich immer ganz hinab bis auf die Stufe des Glaubenden. (Er teilt den Abstieg Christi). Er kann auch die Pathologie des Menschen teilen.
Er hat in sich aber immer einen Widerhaken, eine Erinnerung an das Ganze, einen Zug, der vorwärtsführt, der Akzeptanz erleben lässt und Hoffnung macht. So ist der Glaube, wie kindisch oder krank er auch scheinen mag, eine Hilfe zu einem volleren Mensch-Sein. (Er teilt den Aufstieg Christi)
Zu dumm
Das Leben? Ich bin zu dumm, um es zu begreifen, von seinen Quellen her. Ich bin zu ungeschickt und weiss zu wenig, um es dort hin zu lenken, wo ich ein Ziel ahne.
Aber da ist ein Weg, dem ich mich anvertraue. Da ist der, der den Weg geöffnet hat. Was ich „gemacht“ habe, waren wenige Entscheidungen. Das Beste war, dass ich Jesus Christus kennengelernt habe, dass ich mich – immer wieder – ihm anvertraue.
Aus: Notizen 2013
Foto von Dinesh kandel, Pexels









