Die Passion muss aktiv werden
Was ich erlebe, muss ich als „Versuchung“ nehmen, statt den Mut sinken zu lassen. Es ist eine Herausforderung, die man annehmen kann. Da es hinterrücks erfolgt, fühle ich mich passiv-leidend. Ich muss zur Aktivität finden. Die Passion zu meditieren reicht nicht, um es aufzuarbeiten.
Ins Handeln kommen
Ich muss es ins Aktive wenden, ich muss alle Begriffe aktiv auffassen, auch „Vergebung“. Vergebung ist nicht ein dumpfes, dummes Erleiden – und dann noch den Segen dazu geben. Den andern zum Teufel zu wünschen ist auch keine Antwort, auch wenn das Temperament das eingibt. Vergebung muss eine aktive Kraft werden, durch die ich das Heft wieder in die Hand kriege, durch die ich wieder Meister im eigenen Leben werde, durch die ich nicht mehr ausgeliefert bin, sondern selber handle.
Die Passion betrachten
Die „Waffen Christi“ fallen mir ein, das aktiv Kämpferische in den Psalmen, die Kampf-Sprache bei Paulus. Es geht nicht um ein Kämpfen im landläufigen Sinn, aber um eine aktive Haltung, und sei es bei der grössten äusseren Ruhe. Auch wenn kein Windhauch von ihm ausgeht, er ist reine Aktion. (Gott, sagen die alten Theologen, sei „actus purus“.)
Wenn das klar ist, dann kann ich auch die Passion wieder meditieren. Es ist keine Meditation zum Abgeschlachtet-Werden. Es ist kein frommes Hinhalten, als ob die Übeltäter recht hätten. Es ist das wohl Aktivste, was ich mir überhaupt vorstellen kann: dieses ruhige Gehen Christi auf dem Weg nach Golgatha. So kann ich verstehen und akzeptieren, dass die fromme Tradition unter „Waffen Christi“ jene Werkzeuge meint, durch die er selber gequält und gemartert und verspottet und verhöhnt und getötet worden ist. Es war eine Schlacht, es war ein Kampf. Scheinbar haben die Schergen gekämpft, scheinbar haben die Soldaten getötet. Aber der viel grössere Kampf fand auf Seiten Christi statt.
Die «Waffen Christi»
Darum sind die „Arma Christi“ Meditations-Objekte geworden. Sie zeigen einem Betrachter, der sich verhöhnt oder verraten fühlt, wie Christus das verarbeitet hat, wie er das aktiv angegangen ist, wie er das in die Hand genommen hat, wie er Herr über sein Schicksal geworden ist, wie er seine Herrschaft aufgerichtet hat, so dass er den Titel zu Recht trägt, der in diesen Waffen aufgezählt wird: INRI, Jesus von Nazareth, König der Juden.
Aus Notizen 2014
Bild: Sterbebildchen von 1894 mit den Arma Christi, Wikipedia
Lesen Sie «Die Bibel im Krieg»
Hinweis: Einige «Kampf-Texte» in der Bibel
Zwar lehnt Ps 147 die Waffen ab: «Es soll nicht durch Heer und Waffen geschehen. Er hat kein Gefallen an der Stärke des Rosses. Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, an denen, die auf seine Gnade harren.»
Aber in Ps 18 lehrt Gott das Fechten:
«Er macht meine Füsse gazellenflink.
Er bringt meinen Händen das Fechten bei
und lehrt meine Arme, den Bogen zu spannen.»
Paulus spricht von «geistlichen Waffen»:
Zieht an die Waffenrüstung Gottes,
umgürtet mit Wahrheit und angetan mit Gerechtigkeit.» (Eph 6)









