Der Knall ist angesagt
«Die Hitzephase endete mit einem Knall», so ähnlich haben wir es vor einigen Jahren erlebt. Jetzt erwarten wir etwas Ähnliches. Es soll zwar keine Gewitter-Zellen und darum Tornados geben, aber Starkregen ist angesagt.
Ein Modell
Die Hitzephase in Europa gibt ein Modell für einen dynamischen Verlauf. Hier können wir es sinnlich miterleben. (Es sind nicht die ewig anderen, die das Opfer abgeben). Wir erleben, wie sich etwas aufschaukelt, wie die Werte ansteigen, von Tag zu Tag in ewig gleicher Richtung. «Es muss eine Gegenbewegung kommen!» So geht die Warnung schon lange, ob bei den Börsenkursen, bei der Bewertung der Tech-Aktien, bei den immer höher steigenden Preisen für Liegenschaften oder bei der immer tieferen Verschuldung der öffentlichen Hand. «Es ist eine Blase!» So geht die Warnung schon lange. Und man fürchtet, dass sie platzen wird.
Wir hoffen darauf und fürchten uns davor
Wir hoffen darauf und fürchten uns davor. Denn wir leiden unter den ewig steigenden Werten, die uns immer vor sich hertreiben. Denn die Wohnung, in der wir sitzen, könnte viel gewinnbringender vermietet werden, da die Preise steigen. Wie lange können wir darin noch bleiben, bis die Kündigung kommt? Und wohin dann? Die Zahl der Städte wächst, wo die Miete höher ist als die Löhne, wo die Menschen also nicht mehr in der Stadt wohnen können, für die sie arbeiten, selbst Feuerwehrleute nicht.
Wir hoffen auf ein Platzen der Blase und fürchten es, denn die Gelder unserer Pensionskasse stecken auch da drin. Wir sind verstrickt in die Mechanismen der Wirtschaft und Gesellschaft, wir profitieren irgendwie davon, sehen aber das Ende kommen. Wir hoffen darauf wie auf eine Erlösung und fürchten uns davor wie vor dem Jüngsten Gericht. In den 20er Jahen war es eine Weltwirtschaftskrise, die den Boom beendete, aber so weit muss man nicht zurückgehen. Die Börsenberichte zitieren alle paar Tage die grossen Krisenereignisse der letzten Jahrzehnte, als eine Blase platzte.
Endpunkte
Ich erwähne nur die Dotcom-Blase (1995–2000, ausgelöst durch übermässige Spekulation auf Internet- und Technologieaktien, unabhängig von deren tatsächlicher Profitabilität); die Finanzkrise (2007–2009, ausgelöst durch einen Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes), und die Eurokrise (2010–2015, ausgelöst durch hohe Staatsverschuldung und Zahlungsunfähigkeit mehrerer Euro-Länder.) Gewöhnlich erholt sich die Wirtschaft wieder. Durch die Krise wurden aber Milliardenwerte vernichtet. Soll man da auf ein «reinigendes Gewitter» hoffen?
Reinigendes Gewitter?
Am Samstag wird es gewittern, am Sonntag werden die Temperaturen sinken. Begleitet soll das sein von «Starkregen», so sagt der Wetterdienst. Es ist kein Trost, dass diesmal keine Tornado-Warnung ausgesprochen wird. Starkregen mit Überschwemmungen haben wir auch in Europa kennengelernt.
Früher sprach man von einem «reinigenden Gewitter». Da waren aber noch weniger Kräfte im Spiel. Wenn heute atmosphärische Störungen unterwegs sind, dann läuft das auf höherem Niveau. Man könnte es mit anderen Dynamiken vergleichen, die in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls hinaufkatapultiert wurden.
Sinnfällig wird das z.B. an den Börsenkursen, wo heute der Börsengang eines einzigen Tech-Unternehmens Billionen von Dollars in Bewegung setzt. (Die Firma SpaceX wurde bei ihrem Börsengang im Juni 2026 mit gegen zwei Billionen US-Dollar bewertet, was sie zur wertvollsten Firma aller Zeiten macht. Apple und Aramco bewegen sich auf ähnlicher Höhe.) Ob die Realwirtschaft einlöst, was die spekulative Finanzwirtschaft sich erhofft? Ob hier eine Blase aufgeblasen wird?
Was ein Sturm bewegt
Beim Wettergeschehen wird man daran erinnert. Es sind Dynamiken auf hohem Niveau. Luft und Wasser speichern eine ungeheure Energie. Ein Tropensturm ist mit einer Atombombe zu vergleichen. Der Klimawandel lehrt uns neue Grössenordnungen. Ein durchschnittlicher Taifun (oder Hurrikan) setzt während seiner Lebensdauer etwa 1 Billion Watt an Leistung frei, wie eine KI-Umfrage zeigt. Das entspricht der Energie von 50 Megatonnen TNT pro Tag. Die Atombombe, die 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, hatte eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen TNT. Ein Taifun setzt also pro Tag etwa 33.000 Mal mehr Energie frei als die Hiroshima-Bombe.
Bei solchen Zahlen kann einem schwindlig werden. Könnte es doch so sein wie früher, als die Sommerhitze irgendwann im August mit einem Knall zu Ende war. Es gab ein reinigendes Gewitter und die Temperaturen sanken um 20 Grad. Man konnte wieder atmen. Die Schule ging wieder an, das Leben ging weiter.
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Zur Entwicklung der Liegenschaften-Preise: Im Text werden Städte erwähnt mit einer Miete-zu Lohn-Ratio von über 100 %: vgl. NZZ 9.6.26, «In Lissabon werden Einheimische zu Insulanern», von Florian Haupt. – In der Euro-Krise 2012 suchte man Wirtschaftszweige, die schnell wachsen können und fand Tourismus und Immobilienmarkt. Darauf wurde jede Form von Mieterschutz aufgehoben und man umwarb ausländische Investoren. Heute können sich viele Einwohner die Miete in der Stadt nicht mehr leisten, für die sie arbeiten. – Als Beispiel für eine dieser Dynamiken, die sich sozial auswirken aber doch naturwüchsig wachsen.









