Ein richtiges Leben

«Wie verhalte ich mich bei einem Waldbrand?» So heisst es in einer Nachrichtensendung aus der jüngsten Hitzeperiode. Das Leben ist seltsam geworden in unseren Breiten. Vieles ist uns näher gerückt, was wir früher mit fernen Ländern verbanden. Die Wiesen in unserem grünen Land sind dürr und braun geworden. Die Landschaft verändert sich.

«Noch beherrschbar»
Ein Bauer hat bereits mit der Zucht von hitzeresistenteren Kühen angefangen. Auf der Alp Oberchäseren musste die Saison so früh wie noch nie abgebrochen werden, die Trockenheit schadet der Alpwirtschaft, die Lage sei aber «noch beherrschbar». Weil die Bauern die Tiere nicht mehr selbst mit Futter versorgen können, mussten sie teures Heu zukaufen. Für viele Betriebe lohnte sich das nicht mehr, so wurden die Tiere von der Alp geholt und geschlachtet. (Zürcher Unterländer 15.7.26)

Fünf Regeln
«Fünf Regeln bei einem Waldbrand», so schreibt die News-App des Schweizer Radio- und TV-Senders SRF. Auch in der Schweiz kann man damit konfrontiert werden. In der Hitze suchen viele die kühlen Wälder auf. «Nicht bergauf gehen», ist eine dieser fünf Regeln, falls man in einen Waldbrand gerät. Das Feuer wandert bergauf und ist immer schneller. (SRF 13.7.26)

Nicht nur die Hitze scheibt Schlagzeilen. Mehr als 200 Ökonomen, darunter 15 Nobelpreisträger, warnen in diesen Tagen vor möglichen Folgen der Künstlichen Intelligenz. «Es findet eine Entwicklung statt, die wir nicht mehr verstehen und nicht mehr wirklich kontrollieren können.» (NZZ 16.7.26)

Kollaps-Zone
Dass eine Entwicklung ausser Kontrolle geraten könnte, ist das Schreckgespenst für eine verantwortliche Politik. Solche Befürchtungen sind jetzt da und dort zu finden. «Der Ausbruch ist weiterhin ausser Kontrolle, die Fallzahlen steigen rasch an», heisst es vom Ebola-Ausbruch im Kongo. Als ein Hochhaus in New York in Brand geriet, versuchten die Behörden, den Einsturz durch den Einbau von zusätzlichen Trägern zu verhindern. «Zusätzlich richteten die Behörden eine Kollaps-Zone ein» (NZZ 9.7.26). Die Möglichkeit, dass es kollabieren könnte, akzeptiert das Unkontrollierbare der Entwicklung. Und es etabliert eine Kontrolle auf einer Rückzugslinie, wo die Schäden begrenzt sind.

Gibt es das noch: ein «richtiges Leben»?
So vieles scheint «angeknackst» heute, so vieles ist anders geworden. Man macht sich Sorgen um Kinder und Enkel, die in die Zukunft gehen. Sollte es heute nicht mehr möglich sein, ein «richtiges Leben» zu führen, in einer Gemeinschaft, die in Frieden und Gerechtigkeit zusammen lebt?

Diese Fragen verbinden die Gegenwart mit allen vorangehenden Zeiten. Die Herausforderung war immer da, auch die grösste. Der Tod ist keine historische Erfindung, er ist mit dem Leben aufgetreten. Der Tod ist die andere Seite des Lebens und hilft bei dessen Entfaltung. Von seinem Anfang her, den kein Mensch gemacht hat, trägt das Leben eine Verheissung: dass es leben soll. Es steht unter einem Segen und trägt eine Würde, die kein Mensch ihm absprechen kann.

 

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Foto Gül Işık, Pexels