Schlagwortarchiv für: Politik

Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, höre ich Hörbücher. Im Moment bin ich bei Francis Durbridge angelangt und seinen Paul Temple-Romanen aus den 50er Jahren. Erst blieb ich daran hängen wegen der Szenenfotos, die die Atmosphäre jener Jahre atmen, dann wegen der Hörspielmusik, wo diese Atmosphäre noch verdichtet wird. Es war wie Eintauchen in meine Kindheit und frühe Jugend. Weiterlesen

Nachts las ich in der Nachrichten-App vom «Supreme Court» in den USA, wie sie Trump Recht geben und ihn gegenüber einer Strafverfolgung für immun erklären. Viele Erinnerungen stiegen bei mir auf, viele Bilder, war es ein Traum? Ich fühlte mich von dem Entscheid selbst betroffen, als ob mir etwas genommen worden wäre, das mir doch nicht gehörte. Oder war ich auch ein Bürger der USA? Stand die US-Geschichte für etwas, das mich und mein Leben auch betraf? Weiterlesen

 

Der Krieg um Israel hat die Welt aufgeschreckt. Und wer bisher unbefangen in der Bibel las, fragt sich, ob das noch erlaubt sei. Wird sie nicht missbraucht, um Ansprüche abzuleiten, um eine Politik zu legitimieren? Man fühlt sich weltfremd, wenn man einfach weiterfahren wollte. Auf der anderen Seite hat die Welt nicht auf einen weiteren Kommentar gewartet. Auch wenn anfangs ein ungeheurer Druck zu spüren war, sich auf der «richtigen Seite» einzureihen. Der Meinungskrieg erfasste alle, jeder musste ein Lippenbekenntnis ablegen.

 

Ich will für mich selber Klarheit finden. Die Bibel hat mein Leben begleitet, mal enger, mal weiter. Ich fühle mich verunsichert. Das Alte Testament scheint in Frage zu stehen, weil «Fromme» es im Krieg verwenden. Das erste Testament ist mir aber besonders ans Herz gewachsen, auch wenn ich heute verunsichert bin, ob ich es als Christ überhaupt lesen darf. Ist es nicht eine «kulturelle Aneignung», wie sie heute überall entdeckt und verworfen wird?

 

So möchte ich mir erinnern, was ich in der Lektüre des ersten Testamentes gefunden habe. Ich möchte sortieren, was überhaupt da ist und was es mir bedeutet. Dann wird auch klar, was bleiben kann und was ich revidieren muss.

Ich hatte als Vater immer das Gefühl, dass ich die Welt verantworten müsse, die ich euch übergebe. Nicht dass ich diese Welt erzeugt oder wesentlich beeinflusst hätte, aber zwischen den Generationen findet doch eine Art Übergabe statt. Weiterlesen

Wir sind aus Italien zurück, einen Tag später als geplant wegen des Streiks der Eisenbahner. Ich bin froh, dass wenigstens die Reise geklappt hat und die Kontrolleure uns mit dem alten Billet durchgewinkt haben. Dennoch standen wir zwei Stunden auf der Strecke und wussten nicht, wann es weitergeht. Auf der Fahrt nach Norden wurde das Wetter unfreundlich. Der Wetterdienst warnte vor «extremer Kälte». Wir hörten von einem Busunglück auf einer Strecke, die auch von unseren Kindern befahren wird.
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Die «Offene Gesellschaft» steht wieder auf Transparenten. Sie wird skandiert in Demonstrationen gegen rechtsradikale Parteien und Bewegungen. Sie bildet den Inbegriff des «Westens» und seiner Werte im Abwehrkampf gegen autokratische Regimes und geopolitische Konkurrenten. Aber was sind seine Werte und wie werden sie verteidigt?
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Die Aufklärung ist nicht zum vornherein atheistisch. Die Verfassungsdenker des 17. Jahrhunderts wollten nach dem 30jährigen Krieg eine neue Friedensordnung begründen, konnten dafür aber nicht mehr auf die religiöse Grundlegung zurückgreifen, da diese im Konfessionskrieg gerade strittig war. Darum postulierten sie ein „Naturrecht“, das analog zu einem Gottesrecht „über“ den positiven Rechtsordnungen stehen soll und damit als Legitimationsquelle dienen kann. Weiterlesen

Ich habe gestern die Baruch-Apokalypse gelesen. Da wird erst deutlich, was die Vorstellung von einem Schatz beinhaltet: Die Geräte des zerstörten Tempels werden in der Erde vergraben. Das ist nicht nur ein Tempelschatz, das sind nicht nur Becher aus Gold und Silber. Sie sind ein Unterpfand, dass es einen neuen Tempel geben wird, eine neue Heilszeit. Diese Apokalypse ist ein Beispiel für eine „Geschichtssschreibung von unten“.
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Letzte Woche kam das Gespräch auf den „Teufel“. Ich erinnerte mich an eine Frau, die mich als Pfarrer um Hilfe bat, weil sie sich von teuflischen Gestalten verfolgt fühlte. Als ich mich fragte, wie ich mich für diesen Besuch vorbereiten solle, spürte ich: Ich muss nicht alles Mögliche über Teufel und Dämonen nachlesen. Weiterlesen

Dass Krieg und Gewalt zu traumatisierenden Verletzungen führen, ja das ganze Generationen dadurch geprägt werden, tritt heute wieder vermehrt ins Bewusstsein. Das Gedenken an Auschwitz zeigt, dass der Umgang mit historischen Traumata ein Erbe und eine Aufgabe für Generationen darstellt. Manche Verletzungen wurden geschichtsprägend. Sie beeinflussten die Geschichte einer Nation oder wurden sogar als Kern der Staatswerdung erinnert. Zwei der grössten historischen Traumata, die die Weltgeschichte beeinflusst haben, werden in der Bibel erinnert, mit all den Versuchen, damit umzugehen und den heilenden Kern darin freizulegen. Sie stehen im Zentrum des ersten und zweiten Testamentes. Weiterlesen