Schlagwortarchiv für: Politik

Ich besuche das Schloss Frauenfeld. «Schloss» ist vielleicht etwas übertrieben, es ist eine Burg aus dem 13. Jh. Der Turm ist aus riesigen Findlingen aufgeschichtet, die Nebenräume wurden im 14. Jh. angebaut. Zugig wird es gewesen sein, nicht wie man sich ein Schoss vorstellt. Jetzt ist das Museum darin untergebracht. Plötzlich stehe ich vor einer Kreuzigungsgruppe. Maria hat riesige Hände. Weiterlesen

Ein Unglück schlägt manchmal eine solche Kerbe, dass man nicht weiterfahren kann. Ein Verbrechen kann einen sprachlos machen. Menschen halten unwillkürlich still. Sie legen etwas am Ort des Ereignisses nieder, zeigen Anteilnahme. Am nächsten Tag versammeln sich Menschen und halten eine Schweigeminute. Weiterlesen

Was ist ein Ende? Wann ist es erreicht? Was fehlt vielleicht noch, damit man von einem Ereignis, von einem Leben sagen kann, es sei zu Ende? Ich lese im Grünen Heinrich, wie Gottfried Keller sich müht, ein Ende zu finden. Da erscheint ein Nachruf auf eine Dichterin in der Zeitung. Es wirkt wie ein Echo darauf. Ich kenne ihr Werk nicht, aber nach dem, was ich lese, sind ihre Texte wie ein Gegenstück zum «Grünen Heinrich». Es sind Erzählungen vom Ausbrechen, aber es gibt kein Ankommen. Weiterlesen

Man möchte die Allerehrwürdigsten berufen und sie dem Zug voranstellen, der ihm entgegen geht. Oder umgekehrt die Allerunwürdigsten, die er berufen und gewürdigt hat: Jesus Christus.

Die Ehrwürdigsten zu finden, wird schwierig sein, die Unwürdigsten, da kann auch ich mitgehen. Und es zieht mich zu ihm!

Was die Bibel erzählt
Der Evangelist Markus trifft ihn unterwegs, er denkt, er sei von Gott berufen worden. Er datiert seine Hoheit von seiner Taufe her. Der Himmel war offen und das Trennende war weg! So hat er von Gottes Geist empfangen. Weniger hoch kann man nicht von ihm denken, wenn man ihn verstehen will!

Schon von Geburt an war er bestimmt zu seinem Werk, denken Matthäus und Lukas. Sie berichten von dem Besuch der Hohen, von Engeln, bei seiner Zeugung und Geburt. So war Gott von Anfang an mit ihm.

Es ist noch mehr, meint Johannes. Um ihn zu verstehen, muss man höher steigen. Er verankert ihn in der Liebe Gottes und in seinem Beschluss, die Menschheit zu erlösen. Und so sieht er ihn schon im Anbeginn der Welt.

Hinauf und hinab
«Jesus Christus», der Name bindet zwei Wirklichkeiten zusammen. Wer sie verstehen will, wird immer wieder veranlasst sein, hinaufzusteigen und sich herab zu lassen.

Johannes baut ihm eine Kathedrale, sie vermag seine Hoheit nicht zu fassen. Aber Gott ist nicht nur wichtig, um Jesus zu begreifen und was die Menschen mit ihm erlebt haben. Jesus ist umgekehrt auch wichtig, um Gott zu verstehen: zeigt sich nicht sein Wesen, wenn Jesus auf die Geringsten zugeht, wenn er die Pestkranken berührt, die Armen speist? Ist da nicht etwas über Gott selber zu erfahren?

Ein ferner Nachhall dieser Erfahrungen findet sich in den Bemühungen der Neuzeit, die Einheit von «Jesus, dem Christus» aufzuspalten und ihn entweder vom menschlichen «Jesus» oder vom geglaubten «Christus» her zu verstehen. Aber die Bemühungen um einen «historischen Jesus» verlaufen in der Sackgasse (weil alle bekannten historischen Texte immer schon Bekenntnistexte sind und von «Jesus, dem Christus» erzählen).

Und die Verstehensbemühungen um den «geglaubten Christus» verlaufen im Ungefähren der Spekulation, wenn sie nicht im menschlichen Jesus verankert sind. Daran erinnert das apostolische Glaubensbekenntnis mit der Textzeile «gelitten unter Pontius Pilatus». Da sind Zeit und Ort seines Weges angegeben. So findet er Eingang in meinen Ort. Und meine Zeit ist aufgehoben in seinem Weg.

So wie sich Gotteswelt und Menschenwelt verschränken im Namen «Jesus Christus», so ist mein Weg, der Weg aller Menschen, verschränkt in seinen Weg.

Und dieser geht tief hinab, das Elend der Menschen ist täglich zu finden in den Nachrichten dieser Welt. Und er geht hoch hinauf. Denn im Unrecht erwacht das Bewusstsein von Recht, im Verlorensein die Sehnsucht, gefunden zu werden, in der Angst um diese Welt das Vertrauen trotz allem, dass sie gehalten ist, dass sich der Weg der Menschheit nicht im Dunkeln verliert, dass es für die Menschen ein Ankommen gibt.

Ein Bild der Wirklichkeit
Jesus Christus – das steht für eine Wirklichkeit, wo kein Mensch verloren geht.

So ist Erlösung ein Schlüssel zum Verständnis dieser Gottesnamen. Die Hoheit Christi entspricht der Kraft Gottes, in der er Mensch und Welt und Kreatur erlöst. Der Abgrund, in den dieser Name führt, entspricht dem Elend und der Verlorenheit von Mensch und Kreatur in dieser Welt.

Er kennt sich «oben» und «unten» aus, um ihn zu finden braucht man einen Zug der Allerehrwürdigsten. Es reicht aber auch ein einziger Mensch bei den Allerunwürdigsten. Er ist zu finden. Er ist da.
Die Welt sucht das, die Welt braucht das. Auch in der heutigen Zeit.

 

Foto von Alex wolf mx, pexels. Prozession in Mexiko.

Anlass: 2025 jährt sich das Konzil von Nicäa zum 1.700. Mal. «Im Jahr 325 wurde im heutigen Iznik in der Türkei bei der ersten ökumenischen Versammlung der Kirchengeschichte das zentrale christliche Glaubensbekenntnis formuliert. Den 1700. Jahrestag wollen Orthodoxe und Katholiken gemeinsam begehen. Das Bekenntnis von Nizäa verbindet Katholiken, Orthodoxe und Protestanten.» (Quelle: katholisch.de)

Wenn man älter wird, denkt man manchmal an all das, was man noch machen möchte. Und man fragt sich, ob die Zeit noch reicht. Habe ich dann die Kraft noch, um das zu tun?  Machen die Augen noch mit, die Gesundheit? Weiterlesen

Die Predigt ist langweilig geworden. Vielleicht liegt es nicht daran, dass der Pfarrer alt ist und keine Energie mehr hat. Vielleicht liegt es daran, dass ihm bei der dauernden Anpassung an das historisch Verifizierbare der Gegenstand unter den Händen zerbröselt. Weiterlesen

Manchmal erscheint einem die Predigt als blutleer. In jedem Kino geht es phantasievoller zu und her. Auch das Christentum hat Erzählungen von Gestalten, die vom Himmel kommen. Da gibt es Wunder wie im Fantasyfilm und übermenschliche Kräfte. Und es ist älter als die Superman-Geschichten. Weiterlesen

Man könnte sagen, Segen sei eine Erfahrung, die das biblische Volk macht im gelobten Land. Dort regnet es, alles gedeiht, die Scheunen und Kasten füllen sich. Aber nein, Segen ist eine Erfahrung in der Wüste. Segen kommt erstmals zum Volk, als sie in der Wüste sind, als sie abweichen vom Weg, als sie Angst haben, sich zu verlieren, als sie von Gott abfallen indem sie sprechen: «Ist Gott in unserer Mitte oder nicht?» Sie verzweifeln an ihrem Weg. Da schenkt ihnen Gott den Segen. So hat Segen auch etwas Kontrafaktisches: auch wo alle Bedingungen zu fehlen scheinen, kann Gott seinen Segen schenken und einen Anfang machen. Weiterlesen

Nachts höre ich Nachrichten. Die Schlagzeilen jagen sich, immer neue Konfliktherde brechen auf. Kriegsereignisse häufen sich, als ob sie regelrecht geschürt würden. Es scheint, wir lebten in einer Zeit, wo das Feuerzeug an jede Lunte gehalten wird. Weiterlesen

Bald ist Nationalfeiertag. Was wäre ein Beitrag zum 1. August? Was würde das Befinden aufnehmen? Was könnte mich die Zeit begreifen lassen, was einen Ausblick geben, der Zuversicht vermittelt, der Wege zeigt, wo wir gehen können? Weiterlesen