Kriege können enden
Es war, gestern in den Nachrichten, aber auch ein wunderschöner Moment, das Wort Frieden übte einen Zauber aus, die Menschen fielen sich um den Hals und tanzten. Es ist, als habe die Welt, die Wirklichkeit, endlich jenes Zauberwort gefunden, das aus Dunkelheit befreit. Neue Wege werden sichtbar. «Jetzt bauen wir Gaza wieder auf!», sagte eine Frau. Sie strahlte. Und man glaubte ihr, dass sie alles wieder aufbauen kann.
Sie sprach nicht nur für sich, sie war getragen, eingebettet in eine ganze soziale Welt. Alle würden zusammenstehen, eine neue Epoche der Geschichte würde beginnen. Kinder werden geboren, wachsen auf, eine neue Gesellschaft entsteht. Und aus den Trümmerlandschaften heben sich neue Häuser empor.
Kriege können enden
Der Frieden im Nahen Osten lässt Russland alt aussehen, mit seinen immer wieder erneuten und verschärften Angriffen. Israel und Palästina zeigen, dass Kriege enden können. Was ist mit Russland? Der Druck der Öffentlichen Meinung steigt. Wenn Frieden möglich ist, wird Krieg erst recht illegitim als Mittel zur Durchsetzung von Interessen. Aber Russland steigert die Angriffe noch.
Es attackiert nicht militärische Ziele, sondern die Infrastruktur, damit die Ukraine im Winter frieren soll. (Ein Versuch, die historisch stärkste Waffe Russlands – «General Frost», der schon Napoleon zum Abzug gezwungen hat – zu exportieren?) Dazu die stete Bombardierung. «Die Drohnenschwärme surren ohne Unterlass», schreibt die NZZ. «Jeder Schritt aus der Deckung birgt Gefahr.»
Die Stimmung kippt
Die Stimmung kippt endgültig. Wenn es bisher noch etwas Verständnis gab – denn immerhin wurde der ganze «cordon sanitaire» von Mittelstaaten, die früher im «Ostblock» vereint waren, nach dem Zusammenbruch der UdSSR in die Nato eingegliedert, sodass die Grenze an Moskau heranrückte – so weckt die jetzige Steigerung der Grausamkeit nach aussen und innen nur noch Abscheu.
Russland, das früher ein Teil des kulturellen Europas war, das der Literatur- und Musikgeschichte wunderbare Werke beigefügt hat, scheint «asiatisch» geworden zu sein im Sinn jener alten Kategorien, die damit ein despotisches Regime bezeichneten, im Unterschied zum demokratischen Europa. Den Begriff muss man vielleicht nicht aus der Mottenkiste hohlen, aber Russland stellt sich selber so dar. In der Moskauer Untergrundbahn wurde ein altes Standbild von Stalin wiederhergestellt. Man ehrt ihn wieder, empfiehlt ihn zur Nachahmung. Das ist als ob im Westen die Diktatoren des letzten Jahrhunderts wieder auf den Sockel gehoben würden. Noch erinnert man sich hier aber an die Millionen Toten dieser Herrschaft.
Ein Friede ist möglich
Statt dem «Cordon Sanitaire», dem Gürtel von Mittelstaaten zwischen Ost und West, bei jedem Machtwechsel eine neue Fahne aufzustecken, könnten Grenzen vertraglich gesichert werden, wie es vor 100 Jahren im Frieden von Locarno nach dem 1. WK versucht wurde. Ziel wäre, die Ostgrenze so zu befrieden, wie es mit der umkämpften Westgrenze gelang, die jahrhundertelang für Unfrieden sorgte. (Elsass-Lothringen z.B. hat nach dem Deutsch-Französischen Krieg, und in den beiden Weltkriegen vier Mal die Seite gewechselt. Heute sind die beiden «Erbfeinde» Deutschland und Frankreich Stabilitätsanker in der EU.
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Zum Cordon sanitaire: «Nach dem Ersten Weltkrieg diente der Begriff auch als politisches Schlagwort für den 1919/20 geschaffenen Gürtel aus unabhängigen Staaten zwischen der Sowjetunion und dem westlichen Europa. Er reichte von Finnland über die baltischen Staaten und Polen bis Rumänien und sollte es vor der „bolschewistischen Weltrevolution“ schützen. (…)
Im Kalten Krieg nach 1945 bis zum Zerfall der Sowjetunion 1989/1991 bildeten die Staaten dieses Sicherheitsgürtels (ausser Finnland und Jugoslawien), der sich ursprünglich gegen die Sowjetunion gerichtet hatte, das westliche Glacis des sowjetischen Einflussbereichs. (…)
Nach 1999 wurde ein grosser Teil der Staaten des ehemaligen „Cordon“ Mitglied der NATO. Am 1. Mai 2004 trat auch die EU-Osterweiterung in Kraft.» (Wikipedia)









