Trump und der gute Hirte
Donald Trump stellt sich als Jesus dar – gibt das zu lachen oder zu denken? – Zu lachen gibt es, wenn man es als Ausdruck von Geltungssucht versteht, zu denken, wenn man die religiöse Herrscher-Tradition dahinter sieht und was diese anstellen kann.
Der charismatische Herrscher
Als gewählter Präsident hat Donald Trump alle nötige Legitimation für seine Herrschaft – ausser er plant etwas anderes, eine nicht verfassungskonforme Amtstätigkeit. Max Weber unterscheidet drei Formen legitimer Herrschaft: traditional wie in mittelalterlichen Dynastien, rational wie in modernen Wahldemokratien, charismatisch, wenn die Berufung auf Recht und Tradition nicht ausreicht, wenn ein Notstand herrscht und ein Retter sich auf über-rechtliche, göttliche Legitimation beruft. So geschah es in Deutschland in den 30er Jahren. «Unsere einzige Rettung!» hiess es auf einem Plakat, das Adolf Hitler darstellte.
Wer braucht einen solchen Herrscher?
Zu dieser Form der Rechtfertigung gehört ein Untergangs-Szenario, das selbst den Notstand überschreitet, den die modernen Verfassungen schon «eingepreist» haben, indem sie der Regierung für diesen Fall ausserordentliche Vollmachten gewähren. Das ist es, was die religiöse Verbrämung von Trumps Vorstössen bedenklich macht. Heute wird seine Jesus-Darstellung nicht ernst genommen, das wird auch von Kirchenangehörigen in den USA zurückgewiesen. Aber wenn er den Krieg weiter anheizt? Wenn er Waffen einsetzt, für die es keinen militärischen Grund gibt, ausser einer weiteren Anheizung der politischen Atmosphäre? Was, wenn er nicht den Sieg will, mit dem das Chaos beendet werden kann, sondern das Chaos, das ihm die nötige Stellung sichert?
Vergöttlichung als Ausweg
Als die Cäsaren mit der Römischen Republik brachen und eine Alleinherrschaft errichteten, suchten sie nach einer neuen Legitimation. Sie lehnten sich an die orientalische Herrscher-Vergottung an und errichteten einen Kaiserkult. Das Christentum, als aufkommende Religion in jener Zeit, lehnte den Kaiserkult ab, anerkannte aber den Herrscher als von Gott eingesetzt. («Wer sich gegen die Autorität des Staates auflehnt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes.» Röm 13, 2) Gehorsam lässt sich mit der christlichen Religion predigen, eine Vergottung des Staates oder einer Herrscherfigur aber ist hier nicht zu haben.
Gehorsam
Fügt euch den Verhältnissen, gehorcht euern Herren! – So liest man in den neutestamentlichen Briefen an die Sklaven jener Zeit. Ihr habt einen Herrn im Himmel, ihr seid frei, auch wenn ihr als Sklaven dient. Manchmal empfindet man es als peinlich, diese Stellen heute zu lesen, wie man sich duckt, wie man die Aufmerksamkeit von sich ablenkt, wie man sich unterzieht und Gehorsams-Gesten vollzieht. Aber es stimmt auch.
Der Glaube zielt nicht in erster Linie auf irdische Freiheit und Herrschaft. Er sieht einen viel grösseren Horizont, wo beschränkte Bindungen in universeller Freiheit aufgehoben sind. Aber, um lebbar zu sein, muss der Glaube eben doch den «Weg des Fleisches» gehen, er muss sich inkarnieren, in Gewohnheiten und Institutionen, in empirischen Verhältnissen. Man muss es auch «dieser Welt» ansehen, dass wir Kinder Gottes sind. Das verträgt sich nicht mit endloser Unterdrückung, mit Terror und Menschenverachtung, mit Spott und Hohn. Sonst wird das Ebenbild Gottes im Nächsten verspottet, sonst wird Gott in den Geringsten verlacht und geschändet.
Nachdenken im Bild des Hirten
In der Bibel findet sich ein grosses Nachdenken über gute Herrschaft, viele Texte zeugen von der Hoffnung auf einen gerechten Herrscher, aber auch vom Leiden unter schlechter Herrschaft. Kritik wie Forderung, Enttäuschung wie Hoffnung wird am Bild des Hirten festgemacht.
Der Hirte ist ein zentrales Symbol in der Bibel. Davon erzählt das Streiflicht «Der Hirte».
Der Gehorsam der Sklaven im Neuen Testament: «Die Sklaven ermahne, dass sie sich ihren Herren in allen Dingen unterordnen, ihnen gefällig seien, nicht widersprechen.» (Titus 2,9, vgl. Eph 6,5; 1Tim 6,1; 1Petr 2,18)
Der Gehorsam gegen den Staat: «Jedermann ordne sich den staatlichen Behörden unter, die Macht über ihn haben. Denn es gibt keine staatliche Behörde, die nicht von Gott gegeben wäre. Also gilt: Wer sich gegen die Autorität des Staates auflehnt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes.» Röm 13,1ff)
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