Was die Kirche braucht
«Wie kann man sich im Glauben bereithalten für das, was kommt?» So fragte ich mich 2011 in der Krise des Welt-Finanz-Systems. «Was machen wir, wenn die Ängste wahr werden aus all den Krisen- und Katastrophen-Szenarien, die in den Medien kursieren?» Zwei Monate später gab ich mir eine Antwort. «Nötig ist in der Kirche: Uns nicht nur bereithalten, wenn die Krise kommt, wenn das, was sich schon lange ankündigt, auch bei uns spürbar wird, sondern realistische Szenarien entwerfen.» So sollten diffuse Ängste durchbrochen und das Handeln erleichtert werden.
Es folgt eine langweilige Aufzählung, das war 2011. Sie scheint mir aber auch heute noch aktuell, weshalb ich sie wiederhole.
«Szenarien
- Soziale Spannungen, neue Gewaltbereitschaft, Konflikte, Verschärfung der politischen Debatte mit Ausgrenzung und Verfolgung der Gegner, neue Spaltungen und Parteiungen. Extremismus.
- Echte soziale Not bei vielen, die die Lebenskosten nicht mehr aus ihren Einkommen bestreiten können.
- Ungenügen der sozialen Sicherungsnetze für Alter, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Armut.
- Obdachlosigkeit und Verelendung, Alkoholismus, Spielsucht, Mangel- und Fehl-Ernährung, Kleinkriminalität, Vandalismus, Hooligan-Gewalt und Schlägerbanden, die bei allen möglichen Anlässen auftauchen.
- Unbegehbarkeit gewisser Wege und Quartiere zu gewissen Tages- und Nacht-Zeiten. Segregation der Wohnquartiere. Bürgerwehren. Reichenviertel mit privater Sicherheitspolizei, Verslumung von ehemals bürgerlichen Wohnquartieren.
- Bandengewalt, Kinder müssen sich mit andern zusammenschliessen, um unbehelligt in die Schule zu kommen. Durchlöcherung des staatlichen Gewalt-Monopols, Banden mit Territorien, Finanzierung mit Drogenhandel, Frauenhandel, Prostitution…
- Durchlöcherung der öffentlichen Schule. Reiche schicken ihre Kinder in Privatschulen. Ehemalige Mittelstandsfamilien müssen sie in öffentliche Schulen schicken, die keine Aufstiegs-Chancen mehr gewährleisten.
- Der Schichten-Aufbau der Gesellschaft wird durch fehlende vertikale Mobilität zu einem Klassen-Aufbau. Sozialen Unterschiede können nicht mehr begründet werden.
- Neue Gewalt.
«Neben den sozialen Verwerfungen durch die ökonomische Entwicklung kommen die Folgen der Klima-Veränderung:
- Konkurrenz um Ressourcen. Preissteigerung für Mobilität.
- Krise der dezentralen Siedlungsweise, die auf Auto und billiges Benzin angewiesen ist.
- Internationale Konflikte.
- Neue Flüchtlings-Ströme. Neue Asylbewerber, da Armuts-Flüchtlinge keinen Rechtstitel haben.
- Hungerkrisen in vielen Weltregionen, Einschleppen von Seuchen in Europa und die Schweiz,
- Hysterische Abwehr-Reaktionen, Sicherheits-Staat.
- Unsicherheit des internationalen Verkehrs mit negativen Folgen für Wirtschaft, internationale Arbeitsteilung, Handel und Tourismus.
- Ausklinken mancher Regionen aus der arbeitsteiligen Weltwirtschaft, ihr Zurücksinken in Subsistenz-Wirtschaft.
- „Failure“ von Staaten, Ausbreiten von Bürgerkriegs-Gebieten. War-Lords finanzieren sich selbst wie im 30jährigen Krieg mit Brandschatzung, Beschlagnahmung von Bodenschätzen, Sklavenhandel.
- Nutzung aufgegebener Regionen für Lagerung giftiger Abfälle aus der reichen Welt.
- Neu angeheizter Kampf gegen den „Westen“, politischer Islamismus.»
Foto von Tom Fisk, Pexels
Aus Notizen 20.6. und 5.8.2011
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