Das amerikanische Jahrhundert
Goldene Zeiten hat Trump versprochen, als er gewählt wurde, ein goldenes Zeitalter, als er seine Zollmassnahmen verkündete. So müsste ein amerikanisches Zeitalter beginnen auf Erden, eine Zeit, die von Amerika geprägt wird. Nach dem Urteil von Beobachtern geht das amerikanische Jahrhundert mit Trump und seiner Politik aber gerade zu Ende. Es begann, als die USA in den Ersten Weltkrieg eintraten.
Grotesk
Die Nachrichten sind so grotesk (und grässlich, was die Unfälle angeht, die von Woche zu Woche passieren, erst die Brandkatastrophe in der Schweiz, dann die Kollision der Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien). Donald Trump zieht durch alle Nachrichten wie ein Schauspieler, der auf allen Bühnen spielt. Jetzt ist er auch in der Schweiz, am WEF, heute wird er die Europäer nochmal vorführen. Geben sie ihm Grönland? Dann hilft er ihnen vielleicht in der Ukraine und lässt die Nato leben, die er gerade mit dem Angriff auf den Nato-Partner Dänemark in Frage stellt.
Neues Weltreich
Er hat Bilder veröffentlicht, die die europäischen Staatschefs im Oval Office zeigen, wie sie um ihn versammelt sind, im Hintergrund sieht man Karten, wo die USA, Canada, Venezuela und Grönland mit dem Sternenbanner markiert sind. Es erinnert an Karten aus dem historischen Schul-Atlas, die ein Reich in seiner grössten historischen Ausdehnung zeigen. Unter Trump erreicht das Weltreich USA seine grösste Ausdehnung, soll das wohl heissen.
Neue Friedensordnung
Er hat Pläne für eine neue Friedensorganisation veröffentlicht, die unter seinem unkündbaren Präsidium steht, es ist eine Nachfolge-Organisation der UNO, die er weiter ausdünnt durch Austritt aus den meisten Unter-Organisationen, was diesen das Geld entzieht. Trump ist der Anti-Wilson, unter Präsident Woodrow Wilson sind die USA in den Ersten Weltkrieg eingetreten und ein Jahrhundert amerikanischer Vorherrschaft begann. Wilsons wollte eine internationale Friedensordnung stiften. Grenzen sollten geschützt sein und die Völker selber über ihr Schicksal bestimmen. Trump will Grenzen verschieben. Wer sollte mich zurückhalten? fragt er. «Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann.» (In einem Interview mit der «New York Times»)
Caligula
Ich habe mir gestern das Stück Caligula von Albert Camus angesehen, Camus antwortet auf die Weltkriege, er sieht den Absturz ins Absurde. Der römische Cäsar Caligula realisiert in seinem Stück die Absolutheit seiner Macht, kein Mensch, keine Gewalt, kein Gedanke kann ihm widerstehen. Es gibt keine Wahrheit, jede Norm ist ihm untertan. So gibt es nichts ausser ihm selbst. Caligula wird im Stück wahnsinnig.
Trump hat die Agenda noch nicht abgearbeitet, die seine Thinktanks ihm für die zweite Präsidentschaft ausgearbeitet haben. Durch die Erfolge in Venezuela (Entführung des Präsidenten, Etablierung einer Marionettenregierung) und Gaza (Waffenstillstand und Friedensplan) ist ihm der Kamm gewachsen. Er spielt mit der Weltpolitik wie ein Junge am Sandkasten. Kaum, dass er die anderen Mitspieler an den Kasten lässt, die vielleicht in Asien oder in Fernost auch mittun wollen.
Was weiter? Die Entwicklung im Innern und Äussern geht parallel. Es ist wie im alten Rom. Vielleicht gibt es eine kurze Phase der Alleinherrschaft, im Innern und Äussern, doch schon bald stehen Gegner auf. Sie fallen ab im Innern, sie fallen ein von aussen. Wer könnte das auf lange Zeit kontrollieren? Und ein Regime, das so etwas versuchte (die Mittel der Überwachung sind im 21. Jh. welthistorisch einmalig), wird seine eigenen Kinder fressen. So kommt das Rollback auf grosser Ebene.
Ausgleich
Das amerikanische Jahrhundert – manche erwarten für die Zukunft ein chinesisches oder indisches Jahrhundert – trägt seinen Namen nach der dominierenden Macht in dieser Zeit. Dazu gehören nicht nur politische oder wirtschaftliche Faktoren, sondern auch die «softpower»: dass da überhaupt etwas ist, was die Menschen anzieht und zu einem Ganzen fügt. Es hat zu tun mit Kultur und innerer Legitimation, über die wirtschaftlichen Gründe hinaus, die Menschen zur Einwanderung veranlassen.
Was den USA zu Ausstrahlung verhalf, waren lange Zeit Werte und Institutionen, die Freiheit verbürgten, ein Rechtsstaat, sozialer Ausgleich, eine Mittelschicht, die genug verdiente, dass sie nicht durch täglichen Überlebenskampf aufgerieben wurde, sondern teilhaben konnte an Bildung, kulturellem Austausch und politischer Mitsprache.
Spaltung
Manche dieser Faktoren haben sich heute verändert, auch ohne ein Regime, das autokratisch alles in eine Richtung steuern würde. Heute besitzen die zwölf reichsten Menschen mehr Geld als die ganze ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen, so teilte die Entwickungs-Organisation Oxfam vor einigen Tagen mit. Es sind nicht nur Machtgelüste, die autoritative Formen hervorbringen. Eine solche Gesellschaft und Wirtschaft sucht ihre angemessene politische Form.
Bild: Kaiser Caligula, Ny Carlsberg Glyptotek
Caligula: Der Übergang einer republikanischen in eine autokratische Gewaltherrschaft ist immer wieder anhand des römischen Kaisers Caligula beschrieben worden. Er respektierte zunächst die republikanischen Formen und Institutionen, entwickelte sich aber bald zu einem autokratischen Monarchen und nahm orientalisch-hellenistische Gott-König-Vorstellungen auf.
«Die Quellen berichten von den Plänen des Kaisers, die Hauptstadt des Reiches von Rom nach Alexandria zu verlegen, was einer endgültigen Entmachtung des Senats gleichgekommen wäre. Darin mögen sich Überlegungen zu einer radikalen Reichsreform spiegeln, basierend auf der Erkenntnis, dass sich ein Imperium von der Grösse des römischen Reiches nicht mehr mit dem Personalbestand einer mittelitalienischen Stadt verwalten liess.» (Wikipedia zu Caligula)









