Tag für Tag

«Als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.» (Lukas 9, 57)

Als sie starb, ging eine Türe zu
Am Dienstag war die Beerdigung, viele fremde Leute – und die Erinnerung, dass wir erst noch mit ihr sprachen, dass wir sie umarmten. Und jetzt ist wieder eine dieser Türen zugeschlagen, die nicht mehr aufgehen.

Ich sehe die Wohnhäuser, eine Drohne hat eingeschlagen, die Menschen stehen fassungslos davor. In den Nachrichten sehe ich die Flüchtlinge auf vielen Kriegsschauplätzen, man sieht Ruinen, Zelte. Menschen graben mit blossen Händen im Schutt. –

Hat das eine mit dem andern zu tun? Nein, es ist Passionszeit in der Kirche. Menschen kommen, sie entzünden eine Kerze und denken an ihre Lieben. Sie bitten für sie. Da hat alles Platz, eines neben dem andern. Und es gibt keine Reihenfolge der Schmerzen. Die Passion weist den Kleinen nicht ab, öffnet keine Bühne für das Grosse. Hier ist das Scherflein der Witwe so viel wert wie das Opfer der Grossen. (Lk 21,1ff)

Schritte im Dunkeln
Krieg und Leid. Es ist trostlos, dabei zu verweilen, aber die Passion will es so. Sie wehrt den ab, der vorschnellen Trost anbieten will. «Vade retro, satana! Du denkst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist!» (Mk 8,33) So gehen wir in der Betrachtung der Passion Schritt für Schritt. «Jeder Tag hat seine eigene Plage.» (Mt 6,34)

Wüsste ich jetzt schon etwas von einem Ziel, wie könnte ich jenen begegnen auf dem Weg? Sie gehen im dunklen Tal. Anmassung wäre es, hier einen Weg zu wissen, wo alles endet, ein dummes sich Aufspielen, wenn die Welt stille steht! Und wenn es anders möglich wäre – sie soll stille stehen, die Welt! Anders ist der liebe Mensch nicht gewürdigt, der gestorben ist! Er ist gegangen, an dem das Leben hing!

 

Foto von Hữu Nhựt Trần, Pexels