Was beweist das Kreuz?
Der Krieg schien ausgerottet, die «Nachkriegs-Generation» hielt das Thema für erledigt. Die Armee wurde abgerüstet, andere Themen setzten sich obenan. Und jetzt – die Lunte wird an einen Brandherd nach dem andern gehalten. Man schwört wieder auf Krieg und Gewalt, obwohl schon deutlich ist, in welche Sackgassen man sich reitet.
Gewalt, das ist das Thema von Karfreitag. Auch Christus hat Gewalt erlebt. Seine Kreuzigung sollte die Anhänger abschrecken. Den Aufruhr an der Basis ersticken. Die bestehende Ordnung verteidigen. Die Sache niederschlagen, die er vertrat. Er vertraute auf Gott.
Was beweist denn das Kreuz? Ist Gott hier besiegt?
Oder kennt Gott eine andere Weise zu siegen als durch Auftrumpfen und Gewalt?
Ist es möglich, dass Gott siegt, indem er hier aushält, am Kreuz?
Ist es möglich, dass die Blume stärker ist als der Stiefel, der sie zertritt?
Ist es möglich, dass die Vergebung stärker ist als die Verfolgung?
Ist es möglich, dass Friede, Gerechtigkeit und Vertrauen ein Reich fester fügen als Bajonette?
Können wir auf etwas vertrauen, das so schwach scheint?
Ist es möglich, dass wir stark sind, wenn wir schwach erscheinen – weil dann Gott für uns kämpft? – Weil wir unsere Sache Ihm übergeben?
«Heute noch im Paradies»
Der Verbrecher, der neben ihm gekreuzigt wird, sagt zu Jesus: „Gedenke meiner, wenn Du mit deiner Königsherrschaft kommst!“ Und Christus sagt zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“
Woher jetzt das Paradies? – Mitten in diesem Schmutz und dieser Verzweiflung?
Das Wort vom Paradies, der Menschheit geschenkt, musste das auf einem Kreuz erworben werden?
Entsteht der Glaube an einem solchen Ort? Entsteht Glaube nicht, wo es überzeugendere Gründe gibt: Macht und Reichtum, Beweise und einer der im Mittelpunkt ist und alle drängen zu ihm und glauben: So muss es geschehen, wenn die Wünsche wahr werden! So kommt auch mein Leben ans Ziel!
Aber hier: wo sind Beweise? Wo ist Macht, wo Reichtum?
Und doch hängt einer sich an ihn! „Gedenke meiner, wenn du mit deiner Königsherrschaft kommst!“
Will ich mich an ihn hängen und vertrauen? Dem Menschen auf dem Kreuz?
Gerade weil er ohnmächtig ist, kommt seine Antwort nicht aus menschlicher Kraft. Gerade weil er nicht beredsam ist, kommt sein Beweis nicht aus menschlicher Klugheit. Er redet stumm wie der Frühling, ohne Worte. Er regiert wie das Wasser – es fliesst zum tiefsten Ort. Allen ist es dienstbar – und trägt das Leben.
Meine Königsherrschaft ist schon da.
„Ich aber bin mitten unter euch wie der Dienende“, sagt Jesus (Lk 22,27).
„Und so soll es auch bei euch sein. Wer unter euch gross sein will, sei euer Diener. Und wer unter euch der erste sein will, sei der Knecht aller.“ (Mk 10,43)
Dann wird sichtbar, was die Welt wirklich trägt:
Nicht das, was Leben auslöscht, sondern das, was Leben gibt.
Nicht das, was Vertrauen zerstört, sondern das, was Vertrauen weckt.
Das Lächeln ist stärker als die Angst, weil es Zustimmung findet statt Gehorsam. –
„Jesus, gedenke meiner, wenn du mit deiner Königsherrschaft kommst.“ –
„Ich aber bin mitten unter euch wie der Dienende.“ –
Bild Kreuzigung Gaddi
«Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (Lk 23,43) – Das ist eines der sieben Worte am Kreuz, die von Christus überliefert werden.









