Ostern gegen Fake-News

Ostern ist auch ein Einspruch gegen Fake-News und manipulative Politik. «Ein Fest der Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit» – so notierte ich 2013 in mein Tagebuch. Ich bezog mich damit auf Studien zu Entwicklungen in den USA. Vier Jahre später wurde Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Und es wurde Wirklichkeit, wovor die Studien gewarnt hatten. Der Einspruch von Ostern gilt umso mehr:

Ein Fest der Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit
Für viele Menschen ist Ostern eine Legende. „Das kann gar nicht sein, dass ein Toter aufersteht.“ Für mich ist Ostern ein Fest der Wahrheit, ein Festhalten an dem, was richtig ist, eine Beschwörung des Schönen, auch wenn es noch so viel Hässliches gibt auf der Welt, auch wenn so vieles nicht läuft, wie es sollte.

Die Wahrheit wird gegängelt. Die Interessen definieren, was gelten soll oder was aus Beachtung und Traktanden fällt. Selbst im privaten Gespräch gibt es die Formeln des „Sprech“, an denen sich das Reden und Denken entlang hangelt. Anfangs kann man noch „doppel-denken“ und hinter der Fassade des „speech“ noch festhalten, was man selber denkt. Aber es gibt einen Punkt, wo die doppelte Buchhaltung mit der Wahrheit nicht mehr aufgeht und das Wahrheitsbewusstsein Konkurs anmeldet.

In den USA, warnen kritische Beobachter, habe der manipulative Umgang mit Fakten ein Ausmass angenommen, dass das Funktionieren von Wissenschaft, Demokratie und freiheitlicher Gesellschaft untergraben werde.

Was gilt eigentlich noch? Worauf kommt es letztlich an? – Das wird an Ostern zur Sprache gebracht. Ostern ist ein Aufstand gegen den Zynismus, als ob wir Menschen die Wahrheit kontrollieren könnten, als ob es von unserer Definition abhinge, was richtig und gut heissen soll in der Welt.

Was ist anstössig an Ostern? Was können die Kritiker nicht glauben und für wahr halten? – Dass ein Verlierer siegt? Dass ein Verhöhnter und Verlachter geehrt wird? Dass ein Unterdrückter Recht erhält? Dass ein Kleiner erhöht wird und höher gestellt als seine Peiniger?

Oder ist es unglaublich, dass die Untaten, die im Dunkeln geschehen, ans Licht kommen? Dass die Opfer, die Malträtierten und Ermordeten, die Geschundenen und Gefolterten der Geschichte ins Licht zurückkehren? Dass die missliebigen Gegner, die Opfer der Säuberungen, die man mit dem Flugzeug ins Meer kippte, dass die wieder auftauchen, statt spurlos zu verschwinden?

Das Unglaubliche an diesen Behauptungen, das kommt nicht von Ostern her. Die Wurzel steckt schon im Karfreitag. Manchmal stellt sich die Welt, als ob es keinen Gott gäbe. Als ob es keine Wahrheit und kein Recht mehr gäbe und Gewalt und Lüge alles beherrschten.

Dann beginnen Menschen an das Recht zu glauben, nicht weil sie es erfahren, sondern trotzdem es in ihrer Erfahrung fehlt. Dann beginnen Menschen an Wahrheit zu glauben, nicht weil sie diese jeden Tag antreffen. Es ist ihnen klar, gegen jede Erfahrung, dass es so etwas wie Wahrheit und Recht geben muss, denn anders können sie nicht leben. Es ist eine Intuition, die das Leben haben muss, wenn es leben will. Ohne das endet es in Verzweiflung, Krankheit, Tod.

Nein, der Tote lebt. Wirklichkeit ist mehr, als was der Mensch manipulieren kann. Ostern ist das Fest der Wahrheit, es ist ein Aufstand gegen Zynismus und Lüge, als ob der Mensch alles machen dürfte, mit Menschen, Tieren, mit der Natur. Als ob es nichts gäbe über der Willkür der Mächtigen und Reichen.

Karfreitag ist der Zusammenbruch des Doppeldenkens, Ostern ist der Beginn des Lebens. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“, sagt der Auferstandene.

 

Aus Notizen 21.12.2013, erstmals veröffentlicht am 14.3.17 im Blog „Diesseits“

Foto by Simon Matzinger from Pexels

Mit KI konnte ich die Studien ermitteln, die 2013 vor diesen Entwicklungen gewarnt haben:

Eine 2013 veröffentlichte Studie von Keith Bentele und Erin O’Brien untersuchte politische Manipulation und deren Einfluss auf demokratische Prozesse in den USA. Diese Arbeit wird in späteren Artikeln als bedeutender Beitrag zur Analyse von Desinformation und politischer Polarisierung genannt scholarship.law.duke.edu .

 Studien aus dieser Zeit zeigten auch, wie das Vertrauen in demokratische Institutionen durch gezielte Falschinformationen untergraben wird, was die demokratische Kultur und das Funktionieren der Gesellschaft gefährdet www.boell.de