Der Ballon
Das «Ungefähr» holt mich ein. Klappt das mit der Banküberweisung? Ich hoffe es und werfe den Brief ein. Vielleicht muss ich später nachbessern. Beim Zeitungslesen fällt mir auf, wie viel ich überspringe. Noch immer reisse ich viele Artikel aus, um sie bei Gelegenheit zu lesen, aber vieles interessiert mich nicht mehr im Detail.
Mein Denken bewegt sich im Ungefähren und wird der Sache nicht mehr gerecht. Es ist «unterkomplex». Oder die Fragen, die früher einfach schienen, werden «überkomplex». Für jede gelöste Frage tauchen zwei neue auf, und sie sind schwieriger zu beantworten. Alles ist mit allem verhängt und verlangt, dass gleichzeitig an vielen Stellen etwas getan wird. Ein kleines Rinnsal kann sich zur Kaskade auswachsen. Man müsste tausend Arme haben.
Der Ballon
Alles wird komplizierter, so scheint es. Wenn ein System im Gleichgewicht ist, pendelt es sich selber aus. Was alles im Spiel ist, ist gar nicht sichtbar. Die Wirklichkeit scheint einfach, es ist «gute alte Zeit». Erst wenn Probleme auftauchen wird sichtbar, wie kompliziert die Welt ist. Sie ist es immer, aber lange war es verborgen. Die Dynamik wirkte im Hintergrund.
Solange die Globalisierung anhält, als Beispiel, folgt sie einer Kraft, wie ein Ballon, der aufgeblasen wird. Steht sie still, entweicht die Luft und der Ballon wird hierhin und dorthin getragen. Alle äusseren Kräfte werden wieder sichtbar. Und die Welt zeigt sich so kompliziert wie sie ist.
Der Ochse weiss die Antwort, der Esel den Weg
Das «Ungefähr» holt mich ein. Die Fragen rennen mir davon. Ich will es gar nicht mehr genau wissen, ich kann es doch nicht umsetzen. Ich brauche drei Brillen dazu und habe mich daran gewöhnt, doch nicht richtig zu sehen. So habe ich das Suchen nach der richtigen Brille eingestellt und gehe ins Ungefähre.
Ich will auch nicht mehr alles können. Mir reicht es, wenn das Wesentliche da ist: Das ist meine Frau, das sind unsere Kinder und Enkel. Das bist Du!
So «ungefähr» mein Denken ist, so deutlich ist mein Empfinden. So unterkomlex mein Handeln, so deutlich ist mein Fühlen. All mein Denken ist letztlich nur ein Krippenspiel, so scheint mir jetzt in der Weihnachtszeit. Ich möchte mich einfinden bei Dir (wie der Ochs, wie der Esel). Ich möchte zur Ruhe kommen in Deiner Gegenwart!
Ja, der Ochse hat kein zureichendes Bild der Welt, aber er weiss das Wichtige. Den Esel muss man nicht fragen. Aber er findet sich ein zur rechten Zeit.
Foto von Bob Felderman, Pexels









