Immer Ärger mit Harry
Zuerst möchte ich Danke sagen, es gäbe ja viel anderes, über dem man das Positive vergessen könnte. Darum möchte ich zuerst Danke sagen, bevor es mir vielleicht verloren geht. Wir waren zwei Stunden im Wald spazieren. Trotz November gibt es immer noch farbige Bäume. Wir waren auf «Herbst» auch eingestimmt, weil wir den Hitchcock-Film «Immer Ärger mit Harry» gesehen haben. Auch dort ist es etwas Schönes, in das etwas Dunkles einbricht. Eine schöne Landschaft ist die Szenerie für einen Kriminalfall.
Wo steckt der Wurm drin?
Hitchcock scheint der Bibel zu folgen, die den Menschen in einem Paradies wohnen sieht, aber eine Schlange sitzt darin. So ist alles «gemischt» aus Gut und Böse, es gibt nichts schlechthin Gutes. Und man muss einer Landschaft misstrauen, wenn sie so strahlend daherkommt. Wo steckt da der Wurm drin?
Es war schön am Waldrand, zwischen Bäumen, die den Weg umstehen wie eine Säulenallee und die alle paar Meter zurücktreten und helles Licht einlassen, so dass alles in Herbstfarben aufleuchtet. «Ein gesegneter Weg», diese Worte haben sich mir aufgedrängt, als Bild für einen Lebensweg, den man sich wünscht, den man vielleicht ein Stück weit erlebt hat. Immer wieder ging es durch schöne Landschaften, an einem Waldrand entlang. Und es war Herbststimmung, eine Atmosphäre von Ankommen lag über dem Weg.
Das vergessene Ende
Der Film endet positiv, ganz unüblich für einen Hitchcock. Der Tote, der im Wald gefunden wurde, war gar nicht ermordet worden. Das war nur das schlechte Gewissen, das all die Menschen, die vorbeikamen, denken liess, dass sie es vielleicht verursacht hätten. Er war an einem Herzinfarkt gestorben. Das ist ein Ende, das ich immer wieder vergesse. An den Film habe ich mich immer erinnert, über Jahrzehnte, aber wie es ausging, das war mir entfallen. War es nicht ein Krimi? Nein! Es hat einen guten Schluss, es endet nicht mit Mord und Totschlag. Und so schlecht das Gewissen der Passanten auch sein mag, weil nicht alles in ihrem Leben perfekt war, weil sie vieles schuldig bleiben, was ein gutes Leben vielleicht ausmacht – an diesem Todesfall waren sie unschuldig.
So endet ein Hitchcock mal in Unschuld, so unschuldig die Menschen nun mal zu sein vermögen. Und die Paare, die sich begegnen in dem Film, die finden sich. So kommt auch ein richtige Happy End dazu. Auch das erinnert an die Auskunft der Bibel, die die grosse Geschichte erzählt, die Geschichte, die alles umspannt, die mit der Schöpfung begonnen hat und bis zum Ende der Zeiten dauert: dass diese Geschichte ein gutes Ende finde. So werden alle Geschichten von diesem Ende überformt. Es gibt ein Happy End. Und eine Geschichte, die nicht in Liebe endet, ist nicht zu Ende erzählt.
Vielleicht muss ich diese Auskunft auch an die neue Geschichte herantragen, die den Beobachtern und politischen Kennern heute Angst macht: dass Trump die Wahlen gewonnen hat. Hat er nicht gesagt, er wolle die USA am ersten Tag umkrempeln? Hat er nicht gewarnt, dass er seine Feinde im Fall eines Wahlsiegs verfolgen werde?
Foto von Lukas Rychvalsky, Pexels
Der Film: «Immer Ärger mit Harry» (The Trouble with Harry) ist eine US-amerikanische Filmkomödie. Sie wurde 1955 von Alfred Hitchcock nach einem Roman von Jack Trevor Story gedreht. (Wikipedia)









