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Vielleicht hat er den Stil dieser Politik überzogen, vielleicht hat er ihn bis zur Kenntlichkeit übertrieben: Thomas D. Homann, als er von Donald Trump zum «Grenz-Zaren» ernannt wurde. Drohend baute er sich vor den Zuschauern auf, in dem Video, das in den Nachrichten verbreitet wurde. `Passt auf, jetzt geht es euch an den Kragen. Präsident Trump ist ein Krieger`, so ähnlich lautete die Ansage.

Er soll Migranten abschrecken, damit sie gar nicht in die USA kommen oder das Land freiwillig wieder verlassen. Mich erinnerte die aufgeplusterte, zur Schau getragene Aggressivität an das Wrestling und sein ganzes Drum und Dran, wo Gute und Böse miteinander streiten und ein brutaler Umgangston gepflegt wird.

Dramaturgie
Wrestling ist ein Schaukampf, die Dramaturgie ist so wichtig wie der Sport und die Fehden folgen einem Drehbuch. Der Sieger steht laut Wikipedia schon fest, bevor der Match begonnen hat. Es ist eine Schau für das Volk, und in diesem Fall eine neue Variante in der Politik, die das Theatralische dieser Repräsentationsform einem Genre angleicht, das in den USA populär ist.

Show
Als Abschreck-Programm gegenüber den Migranten wirkt es wohl nicht, es ist eine Show für die Wähler. «Ihr macht euch Sorgen über die Einwanderer, ihr habt mich gewählt, ich regle das. Da ist der Mann, der das erledigt», soll das wohl heissen. Schon das Wort «Zar» macht darauf aufmerksam, woher der Stil kommt.

In der Zeitung lese ich, dass bei der Vorbereitung der neuen Administration die Geschäftsfrau Linda Mac Mahon mitwirkt. Sie hat zusammen mit ihrem Ehemann das weltweit grösste Wrestling-Unternehmen «World Wrestling Entertainment» aufgebaut und damit ein Vermögen verdient. (NZZ 13.11.24)

Fiktion…
«Kommerzielle Wrestling-Shows sind mit Seifenopern vergleichbar. Wrestling ist von einem Gut-Böse Schema geprägt, in der Regel treten Helden gegen Bösewichte an.» So spielt sich das Ganze im Rahmen eines Theaters ab. Je nach Art kann der Anschein einer Show aber auch durchbrochen werden: «Innerhalb der Show wird der fiktionale Charakter nicht gebrochen. Dieser im Wrestling Kayfabe genannte fiktionale Rahmen hat sich jedoch seit Aufkommen des Internets verschoben und reale und fiktive Elemente werden im zeitgenössischen Wrestling häufig vermischt.» (Wikipedia)

… und Wirklichkeit
So stehen Realität und Politik eben doch im Hintergrund. Frau Mahon betreibt nicht nur ein Wrestling-Unternehmen. In Kooperation mit anderen vermögenden Personen hat sie eine Denkfabrik, das «America First Policy Institute», gegründet. Hier wurden laut NZZ bereits 300 Verordnungen ausgearbeitet, die Donald Trump am ersten Tag im Weissen Haus in Kraft setzen könnte. Die Dramaturgie – so heisst es – kann vom Theater ins echte Leben überspringen.

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Der Zauber ist weg, der über dem Leben lag. So scheint es im Alter, wenn man sich an die Jugend erinnert. Darin steckt eine «optische Täuschung», sie verzerrt das Bild der Zeit, die uns gegeben ist. In der Jugend ist die Gegenwart nie nur Gegenwart, sie ist aufgeladen mit Zukunft: all die Hoffnungen, die man hat, die Pläne, die Aufwärtstreppe, auf die man gestellt ist. Weiterlesen

Es gibt keinen Respekt mehr. Die Achtung ist verloren gegangen. So hört man. Auch Ämter und Aufgaben, die früher grösste Reputation genossen, sind von diesem Verlust betroffen. Ja, möchte man sagen. Aber früher funktionierten die Dinge auch! Es ist nicht nur Misswirtschaft, es sind nicht nur Skandale, was die Menschen von den Trägern alter Autorität entfremdet, es ist auch das Erlebnis, dass vieles schlicht nicht funktioniert. Weiterlesen

Die Stelle beim Radio ist wieder ausgeschrieben. Eigentlich habe ich mich entschieden, auf meiner Stelle zu bleiben. Ich habe eingesehen, dass es kein Weggehen gibt, solange die Fragen nicht geklärt sind und ich nicht ebenso gut hier bleiben kann wie weggehen. Weiterlesen

Manchmal erscheint einem die Predigt als blutleer. In jedem Kino geht es phantasievoller zu und her. Auch das Christentum hat Erzählungen von Gestalten, die vom Himmel kommen. Da gibt es Wunder wie im Fantasyfilm und übermenschliche Kräfte. Und es ist älter als die Superman-Geschichten. Weiterlesen

Ein neues Wort, das jetzt überall begegnet: Transformation. Es ersetzt die alten Begriffe von Reform oder Revolution, die politisch nicht gewollt oder kraftlos geworden sind. Vor allem soll es sich abgrenzen von einer naturwüchsigen Entwicklung, die von Krise zu Krise geht wie Geröll, das den Berg hinunter poltert und nicht mehr aufzuhalten ist, bis es nicht von selber stillsteht, weil irgendein Gleichgewicht erreicht ist, weil es den Boden möglicher Entwicklung erreicht hat. Weiterlesen

Brief eines Vaters an sein Kind

Ich hatte als Vater immer das Gefühl, dass ich die Welt verantworten müsse, die ich euch übergebe. Nicht dass ich diese Welt erzeugt oder wesentlich beeinflusst hätte, aber zwischen den Generationen findet doch eine Art Übergabe statt. Weiterlesen

In Italien gab es Überschwemmungen. Die Nachrichten zeigen einen Mann, der bis zum Hals im Wasser watet. Seine Frau trägt ein Kind. Solche Bilder sieht man immer nach Überschwemmungen, man hat sich daran gewöhnt. Ungewöhnlich war aber, dass das nicht «einer der üblichen Verdächtigen» war, aus den «Problemregionen» dieser Welt, an die wir uns gewöhnt haben. Weiterlesen

Mitte 19. Jahrhundert kamen zwei Deutsche nach Zürich, der eine ein liberaler Theologe, der andere ein Kommunist. Der erste bekam einen Lehrstuhl, der andere landete im Gefängnis. Der erste brachte die Bevölkerung gegen sich auf, der zweite die Obrigkeit. Weiterlesen

Ab und zu steige ich ins vierte Untergeschoss hinab. Hier im «Bauch von Zürich» lagern die theologischen Zeitschriften aus aller Herren Länder. Was mir hier auffällt, wo alle Religionen vorhanden sind: wie weit es mir wird bei den katholischen Zeitschriften und wie eng bei den reformierten. Weiterlesen