Wann ist ein Krieg ein Krieg?

Was ist das, was in und um den Iran vor sich geht? Ist es «Krieg»? Die Frage scheint absurd bei diesem Bombenhagel, aber sie entscheidet über Beurteilung und Folgen des Gewaltaktes. Der US-Kongress, der zuständig wäre, hat keinen Krieg genehmigt.

Konflikte werden heute oft begonnen, ohne die früher übliche Kriegserklärung. So zeigt eine Umschau im Internet. Militäraktionen heissen deshalb häufig «Operation». Sogar der seit vier Jahren andauernde Krieg Russlands gegen die Ukraine, der bisher 1,8 Millionen Opfer forderte, heisst dort nicht Krieg, sondern «Spezialoperation».

Im US-Parlament gab es einen Versuch zu einer parteiübergreifenden Resolution gegen den Iran-Krieg, sie ist mit 53 gegen 47 Stimmen im Senat gescheitert. («Der Senat lässt Trump im Iran freie Hand, von Christian Weisflog, NZZ 6.3.26)

«Es handelt sich um einen Krieg, also…»
«Bei dem militärischen Vorgehen gegen den Iran handle es sich um einen Krieg», erklärte der demokratische Senator Tim Kaine in der Debatte. «Aber gemäss der Verfassung könne nur der Kongress einen Krieg erklären: «Ich verlange vom Senat deshalb, was die Verfassungsgeber von uns verlangen: über Fragen des Krieges zu debattieren und abzustimmen.»

Die Definition als Krieg hat bestimmte Folgen. Sie ist ausserdem wichtig für die Legitimität der Gewaltanwendung. «Wir brauchen keine illegalen Kriege», führte Kaine weiter aus. «Vom Iran sei keine «immanente Gefahr» ausgegangen. Deshalb hätte Trump vom Kongress eine Erlaubnis für den Krieg gebraucht. (…) Bald dürfte der Kongress», so der Bericht weiter, «auch zusätzliche Gelder für die Operation bewilligen müssen.»

Kriegserklärung ist seltener geworden
Eine Kriegserklärung löst bestimmte Rechte und Pflichten aus. So zeigt eine Recherche im Internet. Das Kriegsrecht schützt Zivilpersonen, Kriegsgefangene und Verwundete (Genfer Konvention) und regelt Mittel und Methoden der Kriegsführung (Haager Landkriegsordnung).

Seit dem 2. Weltkrieg versucht die UNO, Krieg zu verhindern und Frieden zu schützen. Eine formelle Kriegserklärung ist dadurch seltener geworden. Doch hat die UNO nicht die Mittel, ihre Friedensziele durchzusetzen, v.a. gegenüber einem Mitglied des UNO-Sicherheitsrates mit Vetorecht.

Krieg oder Operation?
«Eine Operation kann eine militärische Aktion sein, die Teil eines Krieges ist, oder auch eine eigenständige Aktion, die nicht den vollen Umfang eines Krieges erreicht.» So zeigt die Umschau im Internet.» Die Abgrenzung liegt beim Umfang der Aktion.

Der Sprachgebrauch folgt aber auch der Politik und der Propaganda:

«Politisch wird der Begriff oft auch gewählt, um die öffentliche Wahrnehmung zu steuern: Regierungen sprechen manchmal eher von „Operationen“ statt von „Krieg“, um die Eskalation nicht zu betonen.»

Der Irak als Beispiel
Das Internet zeigt Beispiele für staatliche Gewaltakte, die als „Operation“ bezeichnet wurden, obwohl sie militärische Gewalt beinhalteten. Sie gelten daher nicht als formeller Krieg:

  • Die «Operation Desert Storm» (1991): Die militärische Aktion der Koalition gegen den Irak nach der Invasion Kuwaits erfolgte ohne offizielle Kriegserklärung und galt als «Befreiungsoperation».
  • Die «Operation Iraqi Freedom» (2003–2010): Für den Krieg gegen Irak lag kein UN-Mandat vor, daher gilt er als völkerrechtlich problematisch. Die USA und ihre Verbündeten beriefen sich auf die präventive Selbstverteidigung und auf UN-Resolutionen. Viele Experten sehen es als völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.

Es ist wichtig, wie es heisst
Die KI-Suche im Internet fasst zusammen:

  • «Operationen mit Kriegscharakter unterliegen dem humanitären Völkerrecht und müssen Prinzipien wie Verhältnismäßigkeit, Unterscheidung zwischen Kombattanten und Zivilisten sowie Verbot von Kriegsverbrechen beachten.
  • Die völkerrechtliche Rechtfertigung hängt von UNO-Mandaten, vom Selbstverteidigungsrecht und von der internationalen Anerkennung ab.
  • Viele „Operationen“ sind faktisch Kriege, werden aber politisch anders benannt, um Rechtsfolgen und öffentliche Wahrnehmung zu steuern.

Der Begriff Operation mildert oft die Wahrnehmung eines Konflikts. Er signalisiert eine begrenzte, kontrollierte Aktion und er kann politisch strategisch verwendet werden, um Kriegserklärungen oder Eskalationen zu vermeiden.»

 

Foto von Dirk Schuneman, Pexels

Die Zahl der Opfer auf beiden Seiten des Krieges gegen die Ukraine wird auf bis zu 1,8 Millionen geschätzt. Der „Tages-Anzeiger“ vom 24.02.2026 stützt sich auf einen Bericht der Denkfabrik Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS) vom Januar 2026.

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