Es ist eine aufgeregte Zeit. Unter dem Pulverdampf von Krieg und Bombardements werden Einflusslinien gezogen, Bündnisse erprobt und Strategien entworfen auf dem Schachbrett der Mächte. Wo steht Europa? Ist es übertrieben, sich an die Zeit der Reformation und der Französischen Revolution zu erinnern, als die alte, gewohnte Welt versank und eine neue Zukunft skizziert werden wollte? Weiterlesen
Kann man mit dem Knie glauben? – Die Frage scheint absurd. Umgekehrt ist es aber so, dass der Unglaube durchaus im Körper sitzt. „Der Schreck ist mir in die Glieder gefahren“ sagt man, oder „die Angst sitzt mir im Nacken“. Das Herz setzt aus, die Glieder sind wie gelähmt.
Nicht glauben können, die Unfähigkeit zum Vertrauen, die Verzweiflung – das sitzt auch im Körper, in den Muskeln, die verspannt sind, im Atem, der stockt, das sitzt in den Knochen. Und von dort her prägt es immer wieder unsere Gefühle und unser Verhalten. So stellt sich wirklich die Frage: Kann ich mit dem Knie glauben lernen? Kann ich dem Nacken das Evangelium verkünden, dass die Angst dort loslässt?
Der Körper speichert Erfahrungen aus der Lebensgeschichte. Und er speichert auch die Reaktionen, die wir in bestimmten Momenten gefunden haben. So muss nur eine bestimmte Frage an uns herantreten, eine bestimmte Situation, und schon spulen diese Reaktions-Mechanismen ab. Und wir kommen zu spät, wenn wir bewusst darauf reagieren wollen. Die Situation ist schon entschieden.
Die Haltung beim Aufwachen
Das beginnt schon am morgen früh, wenn wir aufwachen. Im Kopf haben wir vielleicht schon lange zum Glauben gefunden, aber der Körper speichert noch die alten Erfahrungen. Und bevor wir bewusst den Tag anfangen, mit Bibellektüre, oder was zu unserem persönlichen spirituellen Leben gehört, steigen die alten Gefühle schon aus dem Körper auf und bestimmen die Haltung, wie wir in den Tag gehen.
Diese Gefühle sind von Mensch zu Mensch verschieden. Ein glücklicher Mensch wird mit Gefühlen der Bejahung aufwachen. Es gibt andere, die so etwas wie ein „Nein“ in sich tragen. Sie fühlen sich schon abgelehnt, bevor sie den Tag beginnen und dem ersten Menschen begegnen. Darum ist das auch ein sehr persönliches Thema: „Körper und Spiritualität“. Denn konkret wird es erst, wenn man sich der Realität seines Lebens stellt. Der Körper trägt in sich eine Erinnerung an die ganze Lebensgeschichte. Er erinnert uns mit seinen Empfindungen daran.
Den Keller aufräumen
Er mahnt uns damit auf eine unaufdringliche aber doch hartnäckige Art, unser Leben durchzuarbeiten. Denn wenn wir es nicht tun, stolpern wir immer wieder über die gleichen Erfahrungen. Es ist wie im Dunkeln durch einen Keller gehen: Wenn man den Keller nicht aufgeräumt hat, stösst man sich bei jedem Schritt.
Den Keller aufräumen, das Leben durcharbeiten – man könnte auch sagen: missionieren. Zwar ist unsre Landesgegend in der späten Antike durch das Christentum missioniert worden, aber manchmal denke ich, das Christentum ist noch nicht ganz bis zu mir gekommen. Mit dem Kopf habe ich es schon aufgenommen. Aber mit dem Körper noch nicht. Und es entsteht das Bild einer Mission, die auch durch den Körper geht. Damit ich später auch mit den Knie glauben kann und der Nacken mir nicht immer wieder Streiche spielt. Dass der Körper mit seinen Erfahrungen mich unterstützt im Glauben, statt mich immer wieder auf andere Bahnen zu bringen.
«Christus kam nur bis Eboli».
So heisst ein Buch, das beschreibt, wie das Evangelium nach Italien kam, aber es hat noch nicht alle Provinzen erlöst, so dass die Menschen dort immer noch in Dunkelheit und Verzweiflung leben. Auch bei mir gibt es noch heidnische Gebiete. Mit dem Kopf habe ich schon vom Evangelium gehört. Aber mit dem Knie bin ich noch ein Heide.
(Aus einem Workshop, das ich an einem Pfarr-Kapitel 2008 halten durfte)
Die neukonservative Strömung, die neuen Fundamentalismen, die jeden Tag in der Zeitung neue Blüten treiben, lassen uns die Errungenschaften der Aufklärung wieder wertschätzen: Dass jeder Herrschaftsanspruch hinterfragt wird und sich ausweisen soll vor den Normen von Recht und Gerechtigkeit, wozu auch unveräusserliche Menschenrechte gehören. Gleichzeitig haben die Erfahrungen und Diskussionen der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass uns die Aufklärung nicht genügen kann. Das kulturelle Kleid, das sie uns gibt, ist zu eng, als dass wir als Menschen wirklich darin leben und atmen könnten. Weiterlesen
Die Stelle beim Radio ist wieder ausgeschrieben. Eigentlich habe ich mich entschieden, auf meiner Stelle zu bleiben. Ich habe eingesehen, dass es kein Weggehen gibt, solange die Fragen nicht geklärt sind und ich nicht ebenso gut hier bleiben kann wie weggehen. Weiterlesen
Manchmal erscheint einem die Predigt als blutleer. In jedem Kino geht es phantasievoller zu und her. Auch das Christentum hat Erzählungen von Gestalten, die vom Himmel kommen. Da gibt es Wunder wie im Fantasyfilm und übermenschliche Kräfte. Und es ist älter als die Superman-Geschichten. Weiterlesen
Nachts höre ich Nachrichten. Die Schlagzeilen jagen sich, immer neue Konfliktherde brechen auf. Kriegsereignisse häufen sich, als ob sie regelrecht geschürt würden. Es scheint, wir lebten in einer Zeit, wo das Feuerzeug an jede Lunte gehalten wird. Weiterlesen
Ich habe mit den Kindern den Film „Sams“ gesehen. Da ist der schüchterne Mann und sein Gegenpol, das Sams, ein Kobold – er ist durch Sprachartistik entstanden, wie es introvertierte Menschen lieben, als das, was dem „Sams-Tag“ den Namen gibt. Weiterlesen
Sollte auch der Widerstand zu etwas nütze sein? Wäre das nicht verlorene Liebesmüh, wenn wir wieder und wieder an einer Frage scheitern? Lässt sich noch etwas lernen, was der Erfolg uns nicht beibringen kann? Werden wir hier vielleicht noch danke sagen, wo wir so oft schon verzweifeln wollten? Weiterlesen
Ein neues Wort, das jetzt überall begegnet: Transformation. Es ersetzt die alten Begriffe von Reform oder Revolution, die politisch nicht gewollt oder kraftlos geworden sind. Vor allem soll es sich abgrenzen von einer naturwüchsigen Entwicklung, die von Krise zu Krise geht wie Geröll, das den Berg hinunter poltert und nicht mehr aufzuhalten ist, bis es nicht von selber stillsteht, weil irgendein Gleichgewicht erreicht ist, weil es den Boden möglicher Entwicklung erreicht hat. Weiterlesen
Engel – das ist ein Thema zwischen Sprachlosigkeit und esoterischer Geschäftigkeit. Die einen haben sie aus der Wirklichkeit ausgeschieden, von der sinnvoll geredet werden kann, andere entdecken sie als etwas, was sie in ihrem Leben angeht. Nach einer Umfrage im Jahr 2016 glaubt jeder zweite Deutsche an Engel. Zehn Prozent geben an, schon einmal das Eingreifen eines Engels erlebt zu haben. Weiterlesen
