Schlagwortarchiv für: Geschichte

Die Kirche tut sich schwer mit dem Tag der Arbeit. In den Arbeitskämpfen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat sich die Arbeiterschaft unter dem Einfluss religionskritischer Bewegungen organisiert. „Religion ist Opium für das Volk!“ soll Karl Marx gesagt haben. Umgekehrt war die Kirche mit traditionellen Schichten verbunden und lehnte das sozialistische und kommunistische Gedankengut ab. Das hat ihr später den Vorwurf eingetragen, sie habe im 19. Jahrhundert «die Arbeiterschaft verloren». Weiterlesen

Der Bauer schickt den Jockel aus

«Es gibt keinen Gott», sagen die Spötter, «er tut ja nichts». Dass Gott oft nicht spürbar ist, das wissen auch die Gläubigen, das hat sie schon in der Bibel beschäftigt und immer wieder in der Glaubensgeschichte. Eine Antwort gibt das Judentum in einer Kindergeschichte, die auch im Christentum bekannt und beliebt geworden ist, hier unter dem Titel: „Joggeli söll ga Birli schüttle“ (in der Schweiz) oder «Der Bauer schickt den Jockel aus» (in Deutschland). Weiterlesen

Zürich war damals keine provinzielle Ecke in Europa, sondern stand an vorderster Front der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung. Was hier geschah, fand damals weite Beachtung. Der Liberalismus fand in Zürich eine Heimstätte, als in Europa noch Restauration und Reaktion das Feld beherrschten. Der Versuch, die Kirche dem liberalen Zeitgeist zu unterwerfen, fand weitherum Beachtung und das Wort „Putsch“ ging von Zürich aus in die deutsche Sprache ein. – Auslöser war eine Revolte der Untertanenbevölkerung gegen das liberale Kirchenregime. Weiterlesen

Aufgrund der Seuche soll man nicht reisen, so besuchen wir die Ausstellung in der Stadt. Sie zeigen Bilder von Carl Spitzweg. Er floh in seinem Leben zwei Mal vor einer Seuche, als in München die Cholera herrschte. Ein Freund erlag der Krankheit. So war das Seuchenthema auch in der Ausstellung wieder da. Weiterlesen

Gestern war ein Bericht in der Zeitung über ein katholisches Waisenhaus in Irland, wo offenbar über Jahrzehnte Kinder vernachlässigt wurden. Als sie starben hat man sie in einem Schacht „begraben“. Zwei Jungen fanden den Eingang beim Spielen. Offenbar liegen dort meterhoch Kinderleichen. Sie fassten einen Schock fürs Leben und können erst jetzt davon erzählen, nach 20, 30 Jahren.

Es ist nicht zu ertragen. Ich mag mich kaum damit befassen.

Die Kirche hat keinen „Bonus“ mehr. Sie hat einen „Malus“. Sie muss sich rechtfertigen, wann immer sie in der Öffentlichkeit als Kirche erkennbar wird. Und der Malus wird durch solche Nachrichten immer mehr befestigt. Weiterlesen

In meinem letzten Jahr vor der Pensionierung habe ich viele Gottesdienste gehalten. Geschehen sie, weil ich sie halte? Oder halte ich sie, weil sie geschehen? Kommt ihnen eine Realität zu, auf die die Feier hinweist? Oder sind es nur Worte und leicht ersetzbar? Weiterlesen

„Im Jahr des Herrn“, so mass man früher die Zeit. Weil das Christentum die Welt erobert hatte und darum alles Christus gehörte? Nein, weil er mitgeht im Lauf der Zeit. Weil er mitleidet mit den Menschen. Weiterlesen

Viele Anlässe sind abgesagt in der Pandemie des Jahres 2020. Es ist unsicher, ob die Kirchen an Weihnachten offen sind. In manchen Familien wird auch zu Hause die Weihnachts-Geschichte gelesen. Da hören wir von der Volkszählung unter Augustus, der Reise nach Bethlehem und wie sie Herberge suchten. Die Bibel hat aber noch andere Weisen, von Weihnachten zu erzählen. Weiterlesen

Haben nicht Jahrhunderte von Religionskritik diese philosophischen «Hinterwelten» bekämpft und aufgehoben – soll jetzt sollen sie auferstehen? Der letzte Sonntag im Kirchenjahr blickt auf das «Ende» der Geschichte. Als ob Geschichte etwas «Ganzes» wäre. So geschieht es aber schon am Grab, wenn ein Leben erzählt wird. Weiterlesen

Geht Gott in Geschichte ein?

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Dass der Glaube und alle seine Inhalte geschichtlich seien, gilt heute als selbstverständlich. Es ist kaum noch einfühlbar, wie Jahrhunderte der Glaubensgeschichte diese als «überzeitliche Grössen» behandelten. «Gott», «Heil», «Reich Gottes» – das schien einem «Jenseits» anzugehören. Das Dasein auf dieser Welt wurde entwertet, es wurde gar nicht ernst genommen. Weiterlesen