«Damit das Dorf funktionieren kann, sind 55 Personen nötig», so sagt der Gemeindeschreiber in einem Schweizer Bergdorf, das von Abwanderung bedroht ist. Nur dann sind die wesentlichen Funktionen abgedeckt. Nach dem Sturz Assads kehren Flüchtige nach Syrien zurück. Was braucht es für den Wiederaufbau? Welche Qualifikationen? Was braucht ein Staat, dass er funktionieren kann? Weiterlesen
Schlagwortarchiv für: Religion
Da möchte ich nicht mehr dabei sein, wenn der Streit losgeht, wer denn schuld sei an dem Unglück, das uns trifft. Mit einer Fingerbewegung gerate ich mittenhinein in eine solche Auseinandersetzung, über Sylvester/Neujahr habe ich den Finger in die Bibel gesteckt, ob ich einen Vers finde, den ich zum neuen Jahr meditieren könnte. Es mag ein Überrest des alten Orakel-Glaubens sein. Weiterlesen
Der Zauber ist weg, der über dem Leben lag. So scheint es im Alter, wenn man sich an die Jugend erinnert. Darin steckt eine «optische Täuschung», sie verzerrt das Bild der Zeit, die uns gegeben ist. In der Jugend ist die Gegenwart nie nur Gegenwart, sie ist aufgeladen mit Zukunft: all die Hoffnungen, die man hat, die Pläne, die Aufwärtstreppe, auf die man gestellt ist. Weiterlesen
Es gibt keinen Respekt mehr. Die Achtung ist verloren gegangen. So hört man. Auch Ämter und Aufgaben, die früher grösste Reputation genossen, sind von diesem Verlust betroffen. Ja, möchte man sagen. Aber früher funktionierten die Dinge auch! Es ist nicht nur Misswirtschaft, es sind nicht nur Skandale, was die Menschen von den Trägern alter Autorität entfremdet, es ist auch das Erlebnis, dass vieles schlicht nicht funktioniert. Weiterlesen
Es ist eine aufgeregte Zeit. Unter dem Pulverdampf von Krieg und Bombardements werden Einflusslinien gezogen, Bündnisse erprobt und Strategien entworfen auf dem Schachbrett der Mächte. Wo steht Europa? Ist es übertrieben, sich an die Zeit der Reformation und der Französischen Revolution zu erinnern, als die alte, gewohnte Welt versank und eine neue Zukunft skizziert werden wollte? Weiterlesen
Für die Zugsreise schnappe ich mir ein kleines Reclam-Bändchen, das sich gut in der Tasche verstauen lässt. Es ist „Das grosse Welttheater“ von Calderon de la Barca. Übersetzt ist es von Eichendorff. Was man bei der Lektüre der Romantiker immer wieder trifft, hier ist es in einem Konzept zusammengefasst: wie da im Gefolge der Säkularisation die Natur mit religiösen Gehalten aufgeladen wurde. Er schreibt in „Zur Geschichte des Dramas“ 1846: Weiterlesen
Die neukonservative Strömung, die neuen Fundamentalismen, die jeden Tag in der Zeitung neue Blüten treiben, lassen uns die Errungenschaften der Aufklärung wieder wertschätzen: Dass jeder Herrschaftsanspruch hinterfragt wird und sich ausweisen soll vor den Normen von Recht und Gerechtigkeit, wozu auch unveräusserliche Menschenrechte gehören. Gleichzeitig haben die Erfahrungen und Diskussionen der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass uns die Aufklärung nicht genügen kann. Das kulturelle Kleid, das sie uns gibt, ist zu eng, als dass wir als Menschen wirklich darin leben und atmen könnten. Weiterlesen
Das Sturmtief „Maria“, das über der Karibik gewütet hat, als vielleicht vierter oder fünfter Hurrikan dieser Saison, hat es über den Atlantik geschafft und bringt Regen zu uns und eine Sturmwarnung des Wetterdienstes. Gestern haben wir den Film „Adams Äpfel“ geschaut. Vorher in den Nachrichten zeigten sie den Amokschützen von Las Vegas. Weiterlesen
Die Zeitung berichtet über den Wahlsieg der Rechtsextremen in Österreich. Darunter gross das Bild des amtierenden Kanzlers und von Herbert Kickl, dem Chef der FPÖ. Kaum gerät er in die Nähe eines Regierungsamtes, trägt er schon diesen blauen Anzug, denke ich. Diese Farbe, die Ruhe, Harmonie und Seriosität vermittelt, hat in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Siegeszug angetreten. Als ob es eine Kompensation wäre für das abnehmende Vertrauen, das den Politikern von Seiten der Wähler entgegengebracht wird. Weiterlesen
Ich besuche das Schloss Frauenfeld. «Schloss» ist vielleicht etwas übertrieben, es ist eine Burg aus dem 13. Jh. Der Turm ist aus riesigen Findlingen aufgeschichtet, die Nebenräume wurden im 14. Jh. angebaut. Zugig wird es gewesen sein, nicht wie man sich ein Schoss vorstellt. Jetzt ist das Museum darin untergebracht. Plötzlich stehe ich vor einer Kreuzigungsgruppe. Maria hat riesige Hände. Weiterlesen
