Tun und Lassen

Das Zen predigt das Nichts-Tun, das Verweilen in der Stille. Der Buddhismus das Nicht-Begehren. Der Taoismus erzählt: Die Mitte des Rades, um das sich alles dreht, das ist der Nabel, und in der innersten Mitte, wo sich nichts mehr mit-dreht, ist das Nichts. – Alle populären Religionen empfehlen das Nicht-Tun. Sie geben zu bedenken, dass nicht unser Tun die Welt erhält.

Aber das Christentum überzieht die Welt mit Geschäftigkeit. Weiterlesen

Gott, ich weiss, dass Du da bist!
Ich höre Dich nicht, aber ich weiss es gegen alles Schweigen!
Ich sehe dich nicht, aber ich weiss es gegen alles Dunkel!
Ich spüre Dich nicht, aber ich weiss es gegen alle Beweise meiner Hand, die
ins Leere tastet.
Ich weiss es einfach, und damit weiss ich was „Wissen“ ist.

„Wissen“ ist einzig und allein diese Gewissheit, mit der ich Dich weiss.
Alles andere ist nur Panik, Illusion, falsche Beweise. Mein Stolpern beweist
nichts, meine Hände stolpern wie die Beine, die Augen irren wie die Hände…
Lieber Gott, führe mich, hier meine Hand.
Ich bitte – ich weiss, du wirst mir geben.
Ich klopfe an – Du machst auf.
Du bist, ich bin.

Aus dem Buch „Wie ich den Unglauben lernte“, Notiz vom 18.6.90.

Glauben können, das ist kinderleicht und kinderschwer. – Wenn ich den Glauben suche, taucht die Kindheit immer wieder auf. Das ist die Zeit, in der vieles geprägt wurde. Immer wieder erlebe ich als Erwachsener, wie ich etwas tue, was ich nicht will. Und was ich will, das tue ich nicht.

Der Widerstand, der kommt nicht erst am Schluss dazu, der mischt schon von an Anfang mit. Schon die Wahrnehmung ist geprägt. Schon die Wahr-Nehmung ist eine Falsch-Nehmung. Sie zeigt mir die Wirklichkeit nach dem Muster frühkindlicher Erfahrungen. Und die Antwort darauf ist schon beigemischt. So hatte ich als Erwachsener seltsame Aha-Erlebnisse: Wenn etwas ganz aussichtlos erschien, dachte ich, ich sei endlich am Boden der Wirklichkeit angelangt. Weiterlesen

Warum wir Gott erkennen. Warum wir Gott nicht erkennen.

Die christliche Botschaft erzählt, dass Gott seinen Sohn in die Welt sandte und dass er dort doppelt ankommt, um seine Heilsbotschaft zur Geltung zu bringen.
Zuerst kommt er als Knecht, wobei er allen zum Anstoss wird, die ihn als Herrn erwarten. Dann kommt er als Herr und wird allen zum Anstoss, die ihn in Knechtschaft halten wollen. Weiterlesen

Ich war damals weit entfernt von Religion und Glaube. Allerdings, als meine Frau so viel auf Autobahnen unterwegs war, da ertappte ich mich dabei, wie ich für sie betete. Und ich fragte mich: Wie kann ich beten, wenn ich  nicht glaube? – Wie kann ich ungläubig sein, wenn ich bete? Weiterlesen

Wie einer zum Glauben kommt, das wird gewöhnlich so erzählt: Als Kind kommt er religiös unbeschrieben zur Welt. Aber durch die Eltern oder durch eine Jugendgruppe wird er religiös beeinflusst, vielleicht gerät er sogar in die Fänge einer Sekte und braucht dann ein ganzes Leben, um wieder daraus herauszukommen.

Sieht man in der Religion aber nicht eine Ansammlung von Glaubens-Sätzen sondern eine ganze Art, in der Welt zu sein, was sich in einer Haltung des Vertrauens ausdrückt – Vertrauen, gehalten zu sein und auf die Menschen vertrauensvoll zugehen zu können – dann ist es gerade umgekehrt. Dann ist diese Religion bei den Kindern schon vorhanden, aber sie kann verlorengehen. Und es braucht ein ganzes Leben, um sie wieder zu lernen.
Das erklärt den Titel meines ersten Buches und das Vorwort, das ich dafür schrieb: Weiterlesen

Wir sitzen in einem Kreis. Es ist ein Treff für Menschen, die etwas Schweres erlebt haben. Eine Frau erzählt, wie sie jemanden verloren hat. Und es kommen ihr Tränen. Eine andere Frau nimmt ihre Hand. Sie zeigt, sie ist da. Die Frau ist nicht allein. Da sind Menschen, die sie verstehen und Anteil nehmen. – Worte wären in diesem Moment fehl am Platz gewesen. Die Geste war richtig, der körperliche Kontakt.

Körper-Sprache
Auch der Körper hat seine Sprache. Und von Körper zu Körper gib es manchmal eine Verständigung ohne Worte, die viel tiefer geht. Im Körper-Kontakt können wir eine tiefe Solidarität spüren. Es ist eine Verbundenheit im Elementarsten, die tiefe Gräben überwinden kann. Weiterlesen

Am 27. Mai ist das Fest der „Dreifaltigkeit“. Damit ist das Glaubensbekenntnis „voll“. Was meine ich, wenn ich es ausspreche?

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den  Schöpfer des Himmels und der Erde. Wenn ich die Welt auf Gott zurückführe, will ich nicht erklären, wie sie entstanden ist. Ich gebe damit einem Glauben Ausdruck, betreibe keine Wissenschaft. Schöpfungsglaube und Naturwissenschaft, das muss sich nicht ausschliessen. Der biblische Schöpfungsbericht ist keine „schlechte Wissenschaft“ und heute wäre sie überholt, weil man es heute besser weiss.
Wenn ich alles auf Gott zurückführe, so vergewissere ich mich damit, dass alles von Gott gehalten ist. Wie er das macht, das ist nicht das erste Interesse, das werden wir auch kaum je verstehen. Es geht um diese Zuversicht, dass diese Welt einen Bestand hat, unabhängig von uns Menschen, und oft auch gegen uns Menschen. Weiterlesen

„Alles Meinige trage ich bei mir“, sagte der Philosoph Diogenes, der in einem alten Fass hauste. Und er beeindruckte damit die Menschen der Antike. Er hat kein Eigentum als was er bei sich trägt. Er ist an keinen Ort gebunden. Er vertraut darauf, dass er an jedem Ort finden wird, was er braucht: Menschen, Zuwendung, etwas weniges zum Lebensunterhalt. Es ist ein Lebensgefühl, wie es Jugendliche wieder finden, wenn sie mit nichts als einem Rucksack als Gepäck auf Weltreise gehen. Es ist das Abenteuer der Freiheit. Weiterlesen

Kann man mit dem Knie glauben? – Die Frage scheint absurd. Umgekehrt ist es aber so, dass der Unglaube durchaus im Körper sitzt. „Der Schreck ist mir in die Glieder gefahren“ sagt man, oder „die Angst sitzt mir im Nacken“. Das Herz setzt aus, die Glieder sind wie gelähmt.

Nicht glauben können, die Unfähigkeit zum Vertrauen, die Verzweiflung – das sitzt auch im Körper, in den Muskeln, die verspannt sind, im Atem, der stockt, das sitzt in den Knochen. Und von dort her prägt es immer wieder unsere Gefühle und unser Verhalten. So stellt sich wirklich die Frage: Kann ich mit dem Knie glauben lernen? Kann ich dem Nacken das Evangelium verkünden, dass die Angst dort loslässt?

Der Körper speichert Erfahrungen aus der Lebensgeschichte. Und er speichert auch die Reaktionen, die wir in bestimmten Momenten gefunden haben. So muss nur eine bestimmte Frage an uns herantreten, eine bestimmte Situation, und schon spulen diese Reaktions-Mechanismen ab. Und wir kommen zu spät, wenn wir bewusst darauf reagieren wollen. Die Situation ist schon entschieden.

 Die Haltung beim Aufwachen
Das beginnt schon am morgen früh, wenn wir aufwachen. Im Kopf haben wir vielleicht schon lange zum Glauben gefunden, aber der Körper speichert noch die alten Erfahrungen. Und bevor wir bewusst den Tag anfangen, mit Bibellektüre, oder was zu unserem persönlichen spirituellen Leben gehört, steigen die alten Gefühle schon aus dem Körper auf und bestimmen die Haltung, wie wir in den Tag gehen.

Diese Gefühle sind von Mensch zu Mensch verschieden. Ein glücklicher Mensch wird mit Gefühlen der Bejahung aufwachen. Es gibt andere, die so etwas wie ein „Nein“ in sich tragen. Sie fühlen sich schon abgelehnt, bevor sie den Tag beginnen und dem ersten Menschen begegnen.

Darum ist das auch ein sehr persönliches Thema: „Körper und Spiritualität“. Denn konkret wird es erst, wenn man sich der Realität seines Lebens stellt. Der Körper trägt in sich eine Erinnerung an die ganze Lebensgeschichte. Er erinnert uns mit seinen Empfindungen daran.

Den Keller aufräumen
Er mahnt uns damit auf eine unaufdringliche aber doch hartnäckige Art, unser Leben durchzuarbeiten. Denn wenn wir es nicht tun, stolpern wir immer wieder über die gleichen Erfahrungen. Es ist wie im Dunkeln durch einen Keller gehen: Wenn man den Keller nicht aufgeräumt hat, stösst man sich bei jedem Schritt.

Den Keller aufräumen, das Leben durcharbeiten – man könnte auch sagen: missionieren. Zwar ist unsre Landesgegend in der späten Antike durch das Christentum missioniert worden, aber manchmal denke ich, das Christentum ist noch nicht ganz bis zu mir gekommen. Mit dem Kopf habe ich es schon aufgenommen. Aber mit dem Körper noch nicht. Und es entsteht das Bild einer Mission, die auch durch den Körper geht. Damit ich später auch mit den Knie glauben kann; und der Nacken mir nicht immer wieder Streiche spielt. Dass der Körper mit seinen Erfahrungen mich unterstützt im Glauben, statt mich immer wieder auf andere Bahnen zu bringen.

 

Aus meinem Buch „Eros. Chaos. Kosmos. Die Sakramente.“