Nach einem Misserfolg in der Schule, oder was ich dafür halte, fällt es mir schwer, unter Leute zu gehen. Ich fühle mich wie ein Missetäter im alten China, der mit einem „Schandkragen“ herumgeführt wird, und phantasiere, jeder wisse um meinen Misserfolg. Weiterlesen
Fünf Monate Pfarrer – bald ist es ein halbes Jahr, dass ich in diesem für mich neuen Beruf arbeite.
Im Schatten
In diesem Beruf bin ich plötzlich eine öffentliche Person, aber ich fühle mich nicht immer in „Vorzeigeform“. Ich trage ungelöste Fragen mit mir herum. Meine erste Reaktion ist dann oft, mich wegzuwenden, um mein Privatleben zu schützen.
In diesem öffentlichen Beruf werde ich plötzlich viel intensiver mit meinem „Schatten“ konfrontiert. Wo ich so viel von mir öffentlich zeigen soll, spüre ich plötzlich, wieviel von mir ich eigentlich gar nicht vorzeigen will. Es sind Seiten an meinem Charakter und Erfahrungen aus meinem Leben, von denen ich früh gelernt habe, sie abzulehnen. Weiterlesen
Die Unschuld, mit der man am Morgen aufsteht und den Tag beginnt, hatte er verloren. Die Unbefangenheit, mit der man der Zukunft ins Auge blickt, war vorbei. Die Spontaneität, mit der man andern Menschen begegnet und ihnen das Beste zutraut, die hatte er schon lange verloren.
Der Bettag in seiner heutigen Form ist nicht von Kirche und Pfarrern begründet worden, sondern vom Staat. Wenn eine Notzeit war, rief die Obrigkeit die Untertanen auf, zu Gott zu beten, damit er das Unheil abwende.
Beten auf Geheiss der Regierung
Dass das auch heute noch geschieht, haben wir diesen Sommer erlebt. Als es in Polen so stark regnete, forderte die Regierung die Bevölkerung zum Gebet auf. Und als das Feuer in Griechenland monatelang wütete, sprach die Regierung von einer „von Gott gesandten Plage“. Weiterlesen
Ich sitze beim Coiffeur auf dem Stuhl. Die Brille habe ich abgelegt und blinzle kurzsichtig mein Konterfei im Spiegel an: eher ein dunkler Schatten als ich selbst. Wie ich unbeschäftigt so da sitze, gehen meine Gedanken voraus: Ich muss einen Beitrag über mich schreiben für die Rubrik „Persönlich“. Das Lied von Mani Matter fällt mir ein: „Bim Coiffeur bin i gsässe vor em Spiegel, luege dri“. Weiterlesen
Was uns zuinnerst beschäftigt, das lässt sich nicht so leicht aussprechen. Aber in Träumen taucht es oft auf. Und Märchen und Sagen erzählen davon. Da wird etwa von einem Königreich erzählt, und der Ruf ergeht an alle, eine Aufgabe zu lösen. Wer sie löst, der erhält die Prinzessin, wer versagt, verliert sein Leben. Die Märchensprache ist drastisch, aber so ist klar: Es geht um Leben und Tod. Es geht um die zentrale Frage des Lebens, nicht um Erfolg oder Misserfolg im Kleinen, sondern um das Gelingen des Lebens im Ganzen. Weiterlesen
Es gibt heute ernste und grosse Probleme – soll man sich auch noch um den Glauben streiten? Haben die Kirchen nichts Besseres zu tun? Sollten sie sich nicht besser mal um die Menschen kümmern? – Viele denken wohl so, wenn sie in der Zeitung lesen, wie Kirchen sich gegenseitig die Wahrheit absprechen. Und noch schlimmer: die Richtungen, die zu Gewalt aufrufen oder sich mit extremen politischen Ansichten verbinden! – Weiterlesen
Woran glauben wir? – Das scheint eine Frage für „Fromme“, und doch sind wir alle jeden Tag in gewisser Weise vor diese Frage gestellt, denn mit allem, was wir tun oder nicht tun, zeigen wir ja, was uns wichtig oder unwichtig ist. Das fängt bei banalen Dingen an wie der Wahl der Unterhaltung am Feierabend. Aber es kriegt schon viel mehr Gewicht, wenn wir unser Berufsleben ansehen.
Was ist mir dort wichtig? Kämpfe ich nur um meine Anerkennung? Kann ich mich mitfreuen, wenn andern etwas gelingt? Wie wir reagieren, hängt von unserer Situation und von unserem Charakter ab. Aber wir würden uns mit Recht wehren, wenn wir jetzt aufgrund von solchen Verhaltensweisen beurteilt oder gar abqualifiziert würden. Denn vielleicht benehmen wir uns in andern Situationen ganz anders!
So kannte ich mich noch nicht
Nun gibt es aber Situationen, die uns in die Enge treiben, wo uns nicht beliebig viele Wege offenbleiben. Vielleicht gibt es nur zwei Antworten: so oder anders. Hier scheiden sich die Wege und hier ent-scheidet sich, wo wir stehen. Hier offenbart sich, worauf wir letztlich vertrauen. Hier erfahren wir vielleicht selber zum ersten Mal, woran wir glauben, wenn es wirklich drauf ankommt. Weiterlesen
Der Glaube sagt nicht einfach: „Du sollst!“, sondern stellt uns Bilder gelungenen Lebens vor Augen. Diese Bilder helfen uns in unsern konkreten Lebens-Situationen, uns „richtig“ zu entscheiden, und geben uns zugleich einen „Vorgeschmack“ des Gelingens, der das Handeln zu motivieren vermag. Weiterlesen
„Geborenwerden, wachsen und reifen“ – so heisst der zweite Band meiner Notizen, er berichtet aus den Jahren 1992 bis 1998. Damals kamen unsere Kinder zur Welt. Ich arbeitete in Teilzeit und schloss mein Zweistudium in Theologie ab. Dann wurde ich Vikar in einer Gemeinde am Stadtrand und arbeitete als Pfarrer in der Agglomeration. Weiterlesen
In der Kirchengeschichte wurde immer nach einem Glauben gesucht, mit dem sich leben und sterben lasse. Der Tod, d.h. die Frage nach dem Leben und wie es gelingen kann, ist überhaupt eine der Hauptwurzeln der Religion.
Seit der „neolithischen Revolution“, ca. 15.000 vor Christus, war unsere Kultur landwirtschaftlich geprägt. Leben und Sterben wurden in Bilder aus dieser Kultur gedeutet und erfahren.
Das geht mir durch den Sinn, wenn ich sehe, dass einige Büsche am Bach entlang, wo ich gehe, ihre Samen mit Flaum durch die Lüfte treiben. Vor einigen Tagen hat die Getreide-Ernte begonnen. Wenn ich abends mit dem Fahrrad meine Runden drehe, sind einige Felder schon abgeerntet. Weiterlesen
