Schlagwortarchiv für: Geschichte

Der Revolutionsführer Ayatollah Chamenei ist gestorben. Es geht durch die Morgennachrichten, eine ganze Führungsriege ist getötet worden. Das ist die Kriegführung im Zeitalter zielgenauer Bombenschläge. (Obwohl es nicht mehr als «Krieg» deklariert wird, es sind «Operationen».) Weiterlesen

Es ist ein politisches Projekt, das an etwas rührt. Es scheint nicht nur um Politik zu gehen, man spürt: es ist mehr im Spiel, aber man hat Mühe, das zu benennen. Das Projekt heisst «Individualbesteuerung». Die gemeinsame Besteuerung von Ehepaaren soll aufgehoben werden. Reformer planen darüber hinaus eine Reform des Eherechts. Warum soll man das nicht ändern können? Ist der Gesetzgeber nicht frei, zu entscheiden, wie er will? Weiterlesen

Die Kältewelle scheint allmählich vorüber. Es ist schön: die Rekonvaleszenz, wenn die Kräfte zurückkehren, wenn die guten Geister, die das Haus verlassen haben, wieder Platz nehmen. Und es wird hell im Haus, man sieht wieder, man kann wieder teilnehmen, bei den Menschen sitzen. Man ist wieder Teil des Gesprächs. Weiterlesen

Goldene Zeiten hat Trump versprochen, als er gewählt wurde, ein goldenes Zeitalter, als er seine Zollmassnahmen verkündete. So müsste ein amerikanisches Zeitalter beginnen auf Erden, eine Zeit, die von Amerika geprägt wird. Nach dem Urteil von Beobachtern geht das amerikanische Jahrhundert mit Trump und seiner Politik aber gerade zu Ende. Es begann, als die USA in den Ersten Weltkrieg eintraten. Weiterlesen

«Im Jahre des Herrn…» So hat Wilhelm Raabe seine Erzählungen oft angefangen. Als Junge liebte ich sie. «Im Jahre des Herrn», so liess ich mich gern wegführen in eine andere Zeit. «Im Jahre des Herrn», so fühlte ich mich geborgen in jeder Zeit, von der die Erzählung handeln würde. Diese Geborgenheit möchte ich auch anrufen, wenn ich am Beginn eines neuen Jahres stehe. Die Zeit ist heute offen, wie selten in den letzten Jahrzehnten, als die Entwicklungen mehr eingebunden schienen, von Institutionen zusammengehalten, von einer Identität geprägt, die sich mittelfristig erhalten konnte. Weiterlesen

Das «Ungefähr» holt mich ein. Klappt das mit der Banküberweisung? Ich hoffe es und werfe den Brief ein. Vielleicht muss ich später nachbessern. Beim Zeitungslesen fällt mir auf, wie viel ich überspringe. Noch immer reisse ich viele Artikel aus, um sie bei Gelegenheit zu lesen, aber vieles interessiert mich nicht mehr im Detail. Weiterlesen

Ich lese» Jerusalem» von Selma Lagerlöf, es ist einzigartig von der Qualität und von der Erzählweise her, im Stil der alten Sagenkreise mit abgeschlossenen Geschichten, die doch aneinander anschliessen und das Gehörte fortsetzen. Eine Art nordische Ilias oder Odyssee, aber unter Bauern. Das Motiv ähnelt der Suche nach dem goldenen Vlies oder der Sonnenfahrt des Phaëton. Es ist die Suche nach dem Reich Gottes, dem himmlischen Jerusalem. Weiterlesen

Frühmorgens höre ich einen Bach-Choral: Nun komm, der Heiden Heiland. Das passt in die kommende Adventzeit, aber es widerspricht so vielem, was heute gängig ist. Gerade darum reizt es mich, dabei zu verweilen. «Heiden» – ist das nicht ein abwertender Ausdruck für ungetaufte Völker? «Heiland» – ein Erlöser wird da versprochen für alle Völker – ist das nicht der universelle Anspruch der christlichen Religion, der andere Kulturen und Religionen überfährt? Weiterlesen

Religion scheint heute etwas Privates zu sein. Doch gibt es Schicksale, die ein ganzes Volk, einen ganzen Kontinent, betreffen. Die Kirchen wurden zutiefst herausgefordert in ihrem Feiern, Beten und im praktischen Handeln. Die Feiern im Kirchenjahr zeugen heute noch von solchen Einschlägen der Geschichte. Bevor mit dem Advent ein neues Kirchenjahr beginnt, schalten die Kirchen eine Besinnung ein. Der Blick geht weit hinaus auf die Geschichte, was sie trägt und gefährdet. Die Rede ist gar von einem Ende der Geschichte und von einer Wirklichkeit, die der Zerstörung widersteht. Weiterlesen

Wenn ich unseren neugeborenen Enkel durch die Wohnung trage und mit ihm zur Ruhe komme, spüre ich eine tiefe Gewissheit, dass das Leben gehalten und getragen ist. Gleichzeitig sind die Medien voll von Krieg und Krise. Selbst ein «Ende der Menschheit in heutiger Form» wird nicht ausgeschlossen. Es sind gegensätzliche Signale. Wie soll das zusammen gehen? Weiterlesen