«Donald Trump hat wieder zugeschlagen». Nach den Nachrichten dieses Morgens hatte ich den Eindruck, dass die USA nicht nur «Probleme» hätten, die mit Wahlen und einer neuen Regierung behoben werden können. Ich hatte das Gefühl, das Uebel gehe tiefer. Und Bilder tauchten auf von einer Krankheit – als ob das Land entstellt sei – und von Dekadenz, weil nicht nur die Amtsinhaber zu versagen scheinen, sondern die Institutionen mit ihnen. Weiterlesen
Der Philosoph Jürgen Habermas ist gestorben. Ich möchte an ihn denken und nehme einen Glückwunsch hervor, den ich im Juni zu seinem 95. Geburtsgag geschrieben habe. Weiterlesen
Was ist das, was in und um den Iran vor sich geht? Ist es «Krieg»? Die Frage scheint absurd bei diesem Bombenhagel, aber sie entscheidet über Beurteilung und Folgen des Gewaltaktes. Der US-Kongress, der zuständig wäre, hat keinen Krieg genehmigt.
Konflikte werden heute oft begonnen, ohne die früher übliche Kriegserklärung. So zeigt eine Umschau im Internet. Militäraktionen heissen deshalb häufig «Operation». Sogar der seit vier Jahren andauernde Krieg Russlands gegen die Ukraine, der bisher 1,8 Millionen Opfer forderte, heisst dort nicht Krieg, sondern «Spezialoperation». Weiterlesen
Es ist ein politisches Projekt, das an etwas rührt. Es scheint nicht nur um Politik zu gehen, man spürt: es ist mehr im Spiel, aber man hat Mühe, das zu benennen. Das Projekt heisst «Individualbesteuerung». Die gemeinsame Besteuerung von Ehepaaren soll aufgehoben werden. Reformer planen darüber hinaus eine Reform des Eherechts. Warum soll man das nicht ändern können? Ist der Gesetzgeber nicht frei, zu entscheiden, wie er will? Weiterlesen
Manchmal verändert sich etwas in unserem Leben. Es kommt fast unmerklich, wir spüren, dass wir in etwas Neues hineinwachsen. Neue Aufgaben stehen vor uns. Das Buch des Lebens blättert eine Seite um. Was eben noch war, ist vergangen, etwas Neues steht vor uns. Und wir spüren, wie sich etwas in uns wandelt. Weiterlesen
Die Kältewelle scheint allmählich vorüber. Es ist schön: die Rekonvaleszenz, wenn die Kräfte zurückkehren, wenn die guten Geister, die das Haus verlassen haben, wieder Platz nehmen. Und es wird hell im Haus, man sieht wieder, man kann wieder teilnehmen, bei den Menschen sitzen. Man ist wieder Teil des Gesprächs. Weiterlesen
Goldene Zeiten hat Trump versprochen, als er gewählt wurde, ein goldenes Zeitalter, als er seine Zollmassnahmen verkündete. So müsste ein amerikanisches Zeitalter beginnen auf Erden, eine Zeit, die von Amerika geprägt wird. Nach dem Urteil von Beobachtern geht das amerikanische Jahrhundert mit Trump und seiner Politik aber gerade zu Ende. Es begann, als die USA in den Ersten Weltkrieg eintraten. Weiterlesen
«Im Jahre des Herrn…» So hat Wilhelm Raabe seine Erzählungen oft angefangen. Als Junge liebte ich sie. «Im Jahre des Herrn», so liess ich mich gern wegführen in eine andere Zeit. «Im Jahre des Herrn», so fühlte ich mich geborgen in jeder Zeit, von der die Erzählung handeln würde. Diese Geborgenheit möchte ich auch anrufen, wenn ich am Beginn eines neuen Jahres stehe. Die Zeit ist heute offen, wie selten in den letzten Jahrzehnten, als die Entwicklungen mehr eingebunden schienen, von Institutionen zusammengehalten, von einer Identität geprägt, die sich mittelfristig erhalten konnte. Weiterlesen
Bald ist es Mitternacht. Die Fenster der Stadt sind hell erleuchtet. Hinter vielen Fenstern ahnt man ein buntes Treiben. Manchmal öffnet sich die Tür eines Pubs, dann dringt ein Schwall lauter Musik auf die Gasse. Die Tür schlägt zu und es wird wieder still. Wenige sind unterwegs. Alle möchten in Gesellschaft sein, wenn das neue Jahr beginnt. Weiterlesen
Kinder spielen die Weihnachts-Geschichte.
„Ist in dieser Herberge Platz?“ singt die eine Stimme.
„Nein, geh fort!“ singt die andere Stimme.
Alles ist gleich schön ausgestaltet, die Frage und die Antwort,
die Not der Herbergssuchenden und das böse Nein derer, die keinen Platz haben.
Immer wieder, fast lustvoll, kommt das Nein, „geht weiter!“
Alles ist gleichwertig – und das ist richtig.
Es ist ein heiliges Spiel.
Es bringt Gott nicht aus dem Konzept. Er scheitert nicht an dem Nein.
Er hat es in seiner Hand, so klein er ist in seiner Krippe.
Er trägt die Welt in der Hand.
So ist Gott in die Welt gekommen.
Er überwindet auch unser Nein.
Aus Notizen 2009
Bild Krippenspiel in Sanok
