Am Strand der Wirklichkeit

Am Montag kommt unsere Tochter aus Deutschland zu Besuch. Dann soll das Unwetter vorbei sein, das wir erwarten, die Temperaturen etwa 10 Grad kälter. Das ist noch nicht der erwartete Sommeranfang, wenn «Sommer» ein stabiles Hoch mit Hitze meint. Es ist aber Sommer, weil die Atmosphäre unheimlich viel Energie geladen hat, die sich unter katastrophalen Wetterbedingungen entlädt.

Aber was heisst katastrophal? Da wird eine Autobahn unterspült, eine Passstrasse unpassierbar, der Nord-Süd-Verkehr beeinträchtigt, nachdem schon der Eisenbahn-Tunnel wegen eines Unfalls teilweise gesperrt wurde. Es wurden Empfehlungen erwogen, die Schweiz am besten zu umfahren… Aus Sicht der Drohnen, die man in Nachrichtenportalen einsehen kann, ist das alles klein – ein Schuttkegel, und schon ist die Autobahn auf 200 Metern weg. Die Atmosphäre liegt darüber wie ein Ozean. Wir schwimmen in der Luft wie Fische im Wasser eines Meeres, und die Wellen gehen hin und her, die Strömungen gehen über die ganze Welt.

Es ist so klein, auf einer Karte, die das alles einfangen will, es ist so klein, was bei uns eine Katstrophe auslöst, und unser Leben ist so schnell in Gefahr. Die Wellen schwappen hin und her, sie werfen Dinge an den Strand und holen sie wieder zurück. So tanzen wir hin und her am Strand jener Wirklichkeit, die unser Leben begrenzt und bestimmt.

«Bitte achten sie auf sich und andere», schreibt der Wetterdienst in der Dringlichkeit, die er inzwischen angenommen hat. «Die Gewitter sind aussergewöhnlich stark. Es kann schnell zu Lebensgefahr kommen.»

 

Aus Notizen 2024

Foto von John, Pexels

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