Guten Morgen Welt, wie geht es dir?

Wie ist es jetzt eigentlich? Ich kann den Zustand der Welt nicht mehr von dem Schwindel unterscheiden, der mich am Morgen manchmal befällt. Wenn ich in die Zeitung schaue: Der Krieg ist noch da. Das Dorf in den Alpen ist verschwunden. Der Wetterdienst warnt für den Nachmittag vor einem «Riesengewitter» mit Sturm, Hagel und Starkregen. Es ist die neue Tonalität der Wettermeldungen, die immer neue Komparative sucht, um das bisher Dagewesene nochmals übertrumpfen zu können.

Schuld der Vorväter
Ich denke an unsere Kinder und ich fühle mich schuldig. Welche Welt übergebe ich ihnen? Nicht dass ich das alles angerichtet hätte, aber ich bin mitgefahren. «Ich habe mein Auto schon in den 80er Jahren verkauft, ich habe Flugreisen auf ein Minimum gesetzt»… Ich möchte noch vieles aufzählen – und fühle mich dabei wie jener Passagier auf der Titanic, der seine Unschuld beteuert, weil er «nur 3. Klasse» mitgefahren sei. Nützt es ihm was?

Eine neue Generation
Aber wir rappeln uns wieder auf. «Fridays for Future» mobilisiert zwar nicht mehr so viele Menschen wie noch vor einigen Jahren. Und «Die letzte Generation» wurde im letzten Dezember aufgelöst. Aber sie ist als «Neue Generation» auferstanden. Der Neuanfang ist wichtig, auch wenn grüne Politik nicht mehr honoriert wird. Wenn Politik aufgesogen wird von ihrer sozialpsychologischen Funktion, Ausdruck zu erlauben, Enttäuschung abzuführen, Entschädigung anzubieten, dann braucht es zivilgesellschaftliche Akteure, die an die Sache erinnern: Ja es sind zu viel Treibgase in der Luft. Und die müssen dringend weg.

Nicht aus uns
Und der Schwindel, der mich morgens ergreift, wenn ich nicht weiss, ob die Welt sich immer schneller dreht und in ein Loch saust oder ob nur mein Gleichgewichtsorgan gestört ist? Das Gebet gibt mir Ruhe, es erneuert mein Vertrauen, geborgen zu sein, was auch geschieht. «In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden», sagt Christus (Joh 16,33). Das ist das Geschenk von Pfingsten. Es ist der Gott, der von aussen kommt, nicht aus uns. Es ist das Leben, das uns von aussen zukommt, nicht aus uns. Es ist eine Nachricht aus der Mitte der Welt. Wir haben sie nicht erzeugt. Wir werden sie nicht vernichten. Sie lebt nicht aus uns, aber wir aus ihr.

 

Foto von Mihai Vlasceanu, Pexels