Himmelsreise
«Er versprach den Himmel auf Erden…« Der Himmel, von dem die Rede ist, ist selten der astronomische Himmel, meist der Himmel der Wünsche und Ziele, deren Erfüllung in Aussicht gestellt wird. Wie man einen Berg hochsteigt, kann man die Himmelshöhe erklimmen Da ist ein Weg mit Stufen, eine Himmels-Leiter. Daran erinnert der Adventskalender mit seinen Törchen, die sich nach und nach öffnen.
In den alten Bildern der Himmelsleiter, in den Aufstiegslehren, können es Tugenden sein, die den Weg bereiten, oder Gnadenerweise, die dem Aufsteigenden von oben entgegenkommen. In der Mystik ist das Bild der Himmelsleiter verbreitet, es lebt in der Frömmigkeit der Klöster und Gottsucher.
Das Bild kann aber auch Kritik ausdrücken, etwa wenn der Himmel erstürmt werden soll, wenn man den Abstand von Himmel und Erde mit untauglichen Mitteln überbrücken will, wie beim Babylonischen Turmbau. Dieser wird auch heute gern zitiert, um Kritik auszudrücken am zivilisatorischen Entwicklungspfad unsrer Gesellschaft oder an untauglichen Versprechungen für ein politisches «Paradies auf Erden». Die Anmassung des Menschen, aus eigener Kraft den Weg im den Himmel bahnen zu können, führt in der Bibel zur Babylonischen Sprachverwirrung. Dem Menschen wird hier kritisch ein Platz zugewiesen. Die Menschheit, auch als ganze in ihrer geschichtlichen Entwicklung, wird nie die Kontrolle über ihr Dasein erlangen. Sie empfängt es als Geschenk.
Der Adventskalender steht in einer grossen Tradition von Träumen und Lehren, die den Weg zum Himmel beleuchten. Der Endpunkt am 24. Dezember erinnert an die Geburt Christi und an das zentrale Heilsereignis des christlichen Glaubens. Inzwischen ist das Konzept tausendfach variiert und enthüllt ganz unterschiedliche Gaben, wenn eine Tür geöffnet wird.
Als ich Theologie studierte, fühlte ich mich angezogen von solchen Stufen-Wegen, die bis in alte und älteste Zeiten zurückreichen. Was haben unsere Vorfahren erlebt und gedacht, als sie nach dem persönlichen Glück suchten und nach Frieden auf Erden? Ein Heilsweg ist der «Ordo Salutis» von Daniel Hollaz, von dem der Blog erzählt in dem Text «Eine Leiter vom Himmel zur Erde».
Hollaz wurde 1648 geboren, als der 30jährige Krieg zu Ende ging. Dieser Krieg war einer der brutalsten der Geschichte, er ging einher mit Hunger, Brandschatzung, Pest und Seuche. Es ist vorstellbar, dass in solchen Himmelsreisen eine Sehnsucht nach dem Himmel zum Ausdruck kommt, einem Ort der Ruhe und der Gerechtigkeit, wo auch das Kämpfen zur Ruhe kommt und Menschen in Frieden zusammenleben. In den verheerten Landstrichen mit einer plündernden Soldateska war Friede so nötig wie das tägliche Brot.
Hier geht es zum Text Himmelsreise: Eine Leiter vom Himmel zur Erde
Foto von Dicky Jiang. Pexels









