Es gibt keinen Respekt mehr. Die Achtung ist verloren gegangen. So hört man. Auch Ämter und Aufgaben, die früher grösste Reputation genossen, sind von diesem Verlust betroffen. Ja, möchte man sagen. Aber früher funktionierten die Dinge auch! Es ist nicht nur Misswirtschaft, es sind nicht nur Skandale, was die Menschen von den Trägern alter Autorität entfremdet, es ist auch das Erlebnis, dass vieles schlicht nicht funktioniert. Weiterlesen
Zuerst möchte ich Danke sagen, es gäbe ja viel anderes, über dem man das Positive vergessen könnte. Darum möchte ich zuerst Danke sagen, bevor es mir vielleicht verloren geht. Wir waren zwei Stunden im Wald spazieren. Trotz November gibt es immer noch farbige Bäume. Wir waren auf «Herbst» auch eingestimmt, weil wir den Hitchcock-Film «Immer Ärger mit Harry» gesehen haben. Auch dort ist es etwas Schönes, in das etwas Dunkles einbricht. Eine schöne Landschaft ist die Szenerie für einen Kriminalfall. Weiterlesen
Gestern war ein besonderer Tag, er wird in Erinnerung bleiben wie der Tag, als wir vor dem Fernseher sassen und die Mondlandung verfolgten oder der Tag, als die Flugzeuge in die Hochhäuser rasten. Auch diesmal verfolgten wir bis in die Nacht hinein die Nachrichten. Trump hatte die Wahlen gewonnen, er versprach seinen Landsleuten ein goldenes Zeitalter. Korrespondenten versuchten, auseinander zu nehmen, was das für den Rest der Welt bedeute. Deutschland, als stärkste Macht in Europa, sah sich neu gefordert, und ausgerechnet in diesem Moment zerbrach die Regierungskoalition. Weiterlesen
Wer eine regelmässige Kolumne schreibt, kennt die Situation, dass wieder mal ein Termin für einen Beitrag naht, aber noch kein Thema in Sicht ist, das abgehandelt werden möchte. Und es sollte nicht irgendein Thema sein, sondern ein Thema, das den Schreibenden wirklich beschäftigt, kurz: ein notwendiges Thema. Weiterlesen
An Allerseelen gedenkt man der Toten. In die Erinnerung an die eigenen Verstorbenen mischen sich heute die Nachrichten von vielen Toten an den Kriegsfronten und im Hinterland der Städte, die von Drohnen und Raketen heimgesucht werden. Gibt es an Allerseelen auch ein Gedenken an Kriegsopfer? Oder erstirbt das Mitleiden in der Parteinahme für die eine oder andere Seite? Ist der Abstand schon gegeben, der eine solche überparteiliche Trauerfeier erlaubte? Weiterlesen
Heute Abend, an Halloween, am Vorabend von Allerheiligen (All Saints Eve), grüssen die Skelette und Gespenster wieder aus allen Vorgärten. Halloween hat einen frivolen und respektlosen Umgang mit dem Tod. Man muss sich wehren gegen zu viel schwarze Gedanken. Das Lachen weckt das Leben. Und doch klappern die Skelette mit den Knochen. Und die Geister können einen manchmal auch schaudern lassen. Daran muss ich denken, wenn ich von «ghosting» lese. Weiterlesen
Für die Zugsreise schnappe ich mir ein kleines Reclam-Bändchen, das sich gut in der Tasche verstauen lässt. Es ist „Das grosse Welttheater“ von Calderon de la Barca. Übersetzt ist es von Eichendorff. Was man bei der Lektüre der Romantiker immer wieder trifft, hier ist es in einem Konzept zusammengefasst: wie da im Gefolge der Säkularisation die Natur mit religiösen Gehalten aufgeladen wurde. Er schreibt in „Zur Geschichte des Dramas“ 1846: Weiterlesen
Das Sturmtief „Maria“, das über der Karibik gewütet hat, als vielleicht vierter oder fünfter Hurrikan dieser Saison, hat es über den Atlantik geschafft und bringt Regen zu uns und eine Sturmwarnung des Wetterdienstes. Gestern haben wir den Film „Adams Äpfel“ geschaut. Vorher in den Nachrichten zeigten sie den Amokschützen von Las Vegas. Weiterlesen
Die Zeitung berichtet über den Wahlsieg der Rechtsextremen in Österreich. Darunter gross das Bild des amtierenden Kanzlers und von Herbert Kickl, dem Chef der FPÖ. Kaum gerät er in die Nähe eines Regierungsamtes, trägt er schon diesen blauen Anzug, denke ich. Diese Farbe, die Ruhe, Harmonie und Seriosität vermittelt, hat in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Siegeszug angetreten. Als ob es eine Kompensation wäre für das abnehmende Vertrauen, das den Politikern von Seiten der Wähler entgegengebracht wird. Weiterlesen
Ich besuche das Schloss Frauenfeld. «Schloss» ist vielleicht etwas übertrieben, es ist eine Burg aus dem 13. Jh. Der Turm ist aus riesigen Findlingen aufgeschichtet, die Nebenräume wurden im 14. Jh. angebaut. Zugig wird es gewesen sein, nicht wie man sich ein Schoss vorstellt. Jetzt ist das Museum darin untergebracht. Plötzlich stehe ich vor einer Kreuzigungsgruppe. Maria hat riesige Hände. Weiterlesen
