Notwendig
Wer eine regelmässige Kolumne schreibt, kennt die Situation, dass wieder mal ein Termin für einen Beitrag naht, aber noch kein Thema in Sicht ist, das abgehandelt werden möchte. Und es sollte nicht irgendein Thema sein, sondern ein Thema, das den Schreibenden wirklich beschäftigt, kurz: ein notwendiges Thema.
Was das ist, was uns zuinnerst beschäftigt, das lässt sich nicht so leicht aussprechen oder so formulieren, dass sich alle darin wiedererkennen. Aber in Träumen taucht es oft auf und Märchen und Sagen erzählen davon. Da wird etwa von einem Königreich erzählt, und der Ruf ergeht an alle, eine Aufgabe zu lösen. Wer sie löst, der erhält die Prinzessin, wer versagt, verliert das Leben. Die Märchensprache ist drastisch, aber so ist klar, dass es um Leben oder Tod geht.
Traumbilder
Es geht um die zentrale Frage des Lebens, nicht um Erfolg oder Misserfolg im Kleinen, sondern um das Gelingen des Lebens im Ganzen. Auch in Träumen kann sich unsere Lebenssituation zu solchen Bildern und Geschichten verdichten. Sie zeigen uns vor einer Aufgabe auf Leben und Tod. Und verschlüsselt weisen sie uns einen Weg.
Die Religionen befassen sich intensiv mit solchen Fragen und das Christentum begeht diese Frage in seinem zentralen Sakrament: der Taufe. Hier wird das Leben als Ganzes ins Auge gefasst und gefragt, wie es als Ganzes gelingen kann. In dieser Feier wird der Täufling dem Weg anvertraut, der ins Ziel führt.
Eine Feier des Lebens
Es ist spannend zu sehen, wie die alte Kirche Taufe gefeiert hat. Sie hat die Feier breit entfaltet, so dass die Antwort des Glaubens deutlich zum Ausdruck kommt. Der erste Teil der Feier war die „separatio“. Hier ging es darum, loszulassen, woran man bislang hing, was das Leben nicht weiterbrachte, auch wenn man sich gut darin einrichten konnte. So sollte man bereit werden, im zweiten Teil (der „initiatio“) das Vertrauen auf Gott zu setzen. Mit diesem Vertrauen und nichts als diesem Vertrauen „bewaffnet“, galt es dann, in die Herausforderungen des täglichen Lebens zurückzugehen (die „ordinatio“). Jetzt fand sich die Antwort, die vorher nicht zu finden war.
In dieser Kürze lässt sich die Wahrheit dieses Wegs wohl nicht plausibel machen. Aber wer sich mit jenem „Notwenigen“ beschäftigt, der lässt sich vielleicht neugierig machen, dieser Wahrheit wieder mal nachzuspüren?
Aus Notizen 1997
Zu „Taufe“ oder „Weg“ finden sich zahlreiche Beiträge auf diesem Blog (Suchfunktion auf der Menüleiste).
Foto Henry & Co., Pexels









