Glaube als Paradox der Freude
Kann man Glauben lernen? Offenbar verlangt es, gegensätzliche Dinge zu vereinbaren. Der Mensch hat die Bedingungen seines Daseins nicht in der Hand. Er kann dieses also nicht herstellen oder kontrollieren, er kann nur dankbar das Geschenk des Lebens annehmen. Und doch sieht er sich aufgefordert, sein Leben zu verantworten, als ob er es in Händen hätte.
Das Ganze, das Gelingen des Lebens, begegnet ihm also auf zwei Weisen: als ethische Forderung und als ein Innewerden des Lebens, das als Geschenk erworben wird. Die Religion spricht von «Gnade». So ist das Gelingen des Lebens zugleich Gnade und Verdienst, und beides ist auf paradoxe Weise einander zugeordnet.
Es sind wohl 40 Jahre her, dass mich diese Fragen beschäftigen. Ich begann, mich wieder für Religion zu interessieren. Kürzlich bin ich auf einen solchen Text gestossen:
Freude
«Glaube ist das Paradox, freudig das Leben anzupacken, als ob es gelingen müsste, während ich es nicht in der Hand habe und von allem, was ich habe, weiss, dass es das Leben nicht zum Gelingen bringen kann.»
Oder: «Glaube ist das Paradox, das Gelingen des Lebens zu verantworten, das ich nicht in der Hand habe.»
«Glaube ist das Paradox, trotz der Sicherheit des Scheiterns aus der Gewissheit des Gelingens zu leben.»
«Glaube ist das Paradox, trotz der Verzweiflung, die alles Scheitern begleitet, sich zu freuen, als ob das Gelingen ausgemacht wäre.»
So freue ich mich. Und ich freue mich, dass diese Hitzephase zu Ende geht, wo die Menschen sich in die Häuser zurückzogen und Flora und Fauna von Hitze und Trockenheit geplagt waren, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Klimawandel beginnt, sich immer deutlicher in die Geschichte einzuschreiben. So wird ein neues Nachdenken beginnen, was das heisst: dass ein Leben gelingt.
Foto: Ravish Maqsood, Pexels
Lesen Sie: «Kann man glauben lernen?»
Und «Wie ich den Unglauben lernte»
Aus Notizen 1988









