„Alles Meinige trage ich bei mir“, sagte der Philosoph Diogenes, der in einem alten Fass hauste. Und er beeindruckte damit die Menschen der Antike. Er hat kein Eigentum als was er bei sich trägt. Er ist an keinen Ort gebunden. Er vertraut darauf, dass er an jedem Ort finden wird, was er braucht: Menschen, Zuwendung, etwas weniges zum Lebensunterhalt. Es ist ein Lebensgefühl, wie es Jugendliche wieder finden, wenn sie mit nichts als einem Rucksack als Gepäck auf Weltreise gehen. Es ist das Abenteuer der Freiheit. Weiterlesen
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Es gibt Momente im Leben, da möchten wir singen: wenn wir fröhlich sind, wenn wir uns freuen über ein Glück. Wenn wir in Übereinstimmung sind mit uns und der Welt. Das kann sein, dass wir einen Menschen gefunden haben, und wir spüren: wir wollen den Weg gemeinsam gehen. Das kann sein, dass uns ein Kind geboren wird, und wir spüren: da ist ein Geheimnis in der Welt, und es ist uns freundlich zugewandt. Das kann sein, dass wir nach einer langen Reise in der Fremde zurückkehren, und da ist die Heimat. Und alles, was bei uns unterwegs war, kommt ans Ziel. Weiterlesen
„Heiland – ein tiefes Vertrauen spricht aus diesem Namen. Gott ist jemand, der fest zum eigenen Leben gehört. Und das eigene Leben ist gehalten und verankert wie im Urgrund der Welt.
Der Heiland des Kindes
Heiland – als Kind haben wir so gebetet. Wir haben diesen Namen angerufen und wir fanden ein „Du“, mit dem wir reden konnten. Und wenn wir den Namen sagten, war es, als ob hinter der Wirklichkeit dieser Welt ein Gesicht auftauchte. Und es blickte voller Liebe auf uns. Alles, was uns begegnet ist, von aussen und von innen, konnten wir vor ihn bringen. Und er hörte und verstand. Es war, als ob die Welt eine verborgene Mitte hätte. – In der Gestalt des Heilands trat sie uns gegenüber. Weiterlesen
Die Passionszeit erscheint uns manchmal wie ein Berg, wo wir hinaufsteigen müssen. Und zuoberst steht der Satz: „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach!“ Das ist ein Satz, der weit ins Land leuchtet, wie das Kreuz, das oben auf dem Berge steht. Und es schreckt ab, der Wanderer möchte lieber unten vorbei gehen! Und doch ist es Evangelium, es hat die Kraft, dass wir im Innersten getröstet werden. Weiterlesen
Nun ist die Zeit wieder da, in der viele Menschen die Passion Christi betrachten. In den Kirchen werden Andachten gehalten, Chöre üben die Johannes-Passion ein oder ein anderes grosses Werk der Musikgeschichte. Was haben Menschen davon, wenn sie sich in die Passion vertiefen? Es ist nicht nur Tradition, es sind nicht nur ältere Menschen, die sich das „antun“. Die Rock-Oper „Jesus Christ Superstar“ war eine Passionsgeschichte und ein Riesenerfolg bei Jugendlichen. Der 2004 herausgekommene Film „die Passion Christi“ wurde einer der 30 kommerziell erfolgreichsten Filme überhaupt. Weiterlesen
„Wie geht es Dir?“ frage ich einen Kollegen, dem ich unverhofft in der Stadt begegne. Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen. Ein halbes Leben liegt dazwischen, sicher 30 Jahre. Er erzählt und irgendwann im Lauf des Gesprächs fällt der Satz: „In jedem Leben gibt es den Moment, wo Du nicht mehr ausweichen kannst.“
„Wie meinst du das?“ „Wenn du jung bist“, sagt er, „kannst du die Stelle wechseln, du kannst eine neue Beziehung anfangen, du kann abbrechen und neu anfangen. Du bist mobil und frei, die Welt ist offen. Es gibt 1000 Möglichkeiten. Und alles lässt sich revidieren, nichts ist für immer. Du kannst dich immer wieder neu erfinden und ausprobieren wie es ist. Die Auswahl ist ohne Grenzen. Aber in jedem Leben gibt es den Moment, wo das nicht mehr geht, wo du „gestellt“ wirst und dich „stellen“ musst.“ Weiterlesen
Es ist Fastenzeit. Nicht viele Menschen fasten heutzutage. Jedenfalls nicht freiwillig. Manchen geschieht es aber in dieser Zeit, dass sie eine Grippe einfangen. Und sie müssen ins Bett liegen, haben keinen Appetit mehr. Sie fasten ohne es geplant zu haben. Weiterlesen
Ein Weg aus systemischen Zwängen
Schönheit, ein erfülltes Leben, sich entfalten, Gesundheit – die Bilder, die wir haben vom Glück, sind geprägt von unserem persönlichen Leben. Wir leben heute vereinzelt. In der Hälfte der Haushalte lebt heute nur ein einziger Mensch. So ist auch das Glück individuell, das wir uns vorstellen. Und Bibel-Texte, die von Freiheit reden, und dass Gott sein Volk aus der Gefangenschaft führt, sind uns fern.
Wie ist es denn mit unseren Erfahrungen von Gemeinschaft? – An Weihnachten kommt die Familie zusammen – nicht nur die, mit denen man im Alltag Kontakt hat. Auch jenen Bruder trifft man wieder, mit dem man sich auseinander gelebt hat, und die Schwiegermutter, von der man sich nie wirklich akzeptiert gefühlt hat.
In manchen Familien gibt es so etwas wie ein schwarzes Schaf. Wenn dem Hans etwas geschieht, so finden es gleich alle typisch. So ist er eben! Oder wenn Tante Trudy einen Fehler macht, wundert es niemanden, man hat es immer gewusst.
Bilder prägen. Sie sind entstanden, aufgrund von Erlebnissen. Hans ist wirklich ein paar Mal in etwas reingerasselt, und Trudy hat wirklich Fehler gemacht. Aber die Bilder, die wir von ihnen haben, weisen ihnen auch einen Platz zu. Und solche Bilder können fest werden wie ein Gefängnis, aus dem man kaum mehr ausbrechen kann. Weiterlesen
Der Gegenwärtige, auf den wir warten, der schon gekommen ist
Wie können wir auf Gott warten, wenn er schon gekommen ist? – Wie kann Gott da sein, wenn die Welt noch im Argen liegt? – Fragen zum Advent
Jedes Jahr erwarten wir im „Advent“ die „Ankunft“ Gottes. Aber ist er nach der Aussage des Glaubens nicht in Christus schon gekommen? Ist er nicht auch „da“, wenn ich zu ihm bete? Die kirchliche Tradition spricht von einem „dreifachen Advent“. Sie unterscheidet einen Advent in „Memoria“ (in Erinnerung an sein Kommen in Jesus Christus), einen Advent in „Prophetia“ (in Erwartung seiner endgültigen Wiederkunft am Ende der Zeit) und einen Advent des „Mysteriums“: Das ist seine Gegenwart „jetzt“ im Heiligen Geist.
Das sonnige Wetter über Pfingsten hat viele hinaus gelockt. Die Wälder und Felder sind eine Pracht. Von einer Anhöhe aus sieht es aus, als ob es „brodelte“, so dicht wächst das Grün. Auf dem Rhein – es sieht zuerst aus wie eine Verschmutzung – treiben noch Schwaden von Blütenpollen. Viele Büsche und Bäume haben die Blüten abgeworfen, die Blätter und Spelzen liegen am Boden. Achtlos geht man darüber. Bereits wachsen und reifen die Früchte. Es geht auf den Sommer zu. Weiterlesen
