Schlagwortarchiv für: Gesellschaft

Nicht nur in Märchen, auch in Sagen des Altertums begegnet das Motiv: „Sechse kommen durch die ganze Welt“. So auch in der Sage von der „Argo“, dem Erkundungsschiff, das erstmals die gewohnten Grenzen hinter sich liess und das mit den grössten Helden Griechenlands bestückt war – so muss die Fahrt gelingen. Weiterlesen

Am Nullpunkt beginnt das Neue.
Religiöse Rede heute.
Texte, die sich an Gott wenden und von Gott erzählen.

Einstimmung 
«Am Nullpunkt» – so wollte ich diese Notizen nennen, doch das beschreibt nur eine Hälfte, die Krise des religiösen Redens in unserer Zeit, an unserem Ort. Hier eröffnet sich aber etwas Neues und Befreiendes, darum ergänzte ich «Am Nullpunkt beginnt das Neue».

2017 begann ich einen Blog zu religiösen Themen. Im Vorwort schrieb ich:

„Von Gott erzählen“ – das stösst heute auf Schwierigkeiten.
Religion ist in der öffentlichen Wahrnehmung verquickt mit Gewalt, Krieg und Übergriffen. Oder dann mit Harmlosigkeit, weil nicht erkennbar ist, was sie mit den grossen Fragen der Zeit noch zu tun haben soll.

Kirche ist still geworden unter den Vorwürfen und Altlasten aus Mission, Kolonialismus, Inquisition und Unterdrückung von Minderheiten. Sie traut sich nicht mehr zu, ihre Botschaft in den Wahrheitsbegriffen der Zeit ausrichten zu können und duckt sich in die Rolle, die ihr zugewiesen wurde: eine Subkultur zu sein unter vielen.

„Gott“ ist ein Reizwort geworden für viele Zeitgenossen, auf das sie nicht mehr ruhig Antwort geben mögen. Sie reagieren mit gehässiger Abwehr. So, wie man den Sektenpredigern, wenn sie zuhause klingeln, die Türe vor der Nase zumacht.

Erzählen ist eine abgerüstete Form von Mitteilung. Da werden keine Ansprüche erhoben, die den Hörenden zu etwas zwingen wollen. Vielleicht hilft es, einfach ehrlich vom eigenen Weg zu berichten? Es geht nicht um erzählende Zugänge zu Gott. Es geht, angesichts der totalen Krise aller kirchlichen und theologischen Aussageformen zuerst darum, überhaupt eine glaubhafte Sprachbrücke zum Gegenüber zu finden.

Die Basis, von der aus einer Brücke geschlagen werden kann, liegt nicht in philosophischen Aha-Erlebnissen, die alle vernünftigen Menschen teilen müssen. Die Basis liegt nicht in einem Rest-Vertrauen, das die Kirche oder Teile der Kirche da oder dort noch geniessen mögen. Die Basis liegt in einer ehrlichen zwischenmenschlichen Begegnung, die ganz unten erfolgen muss, wo nichts vorausgesetzt werden kann, wo das Vertrauen zum Gegenüber erst geschaffen werden muss.

So streckte man sich früher die offene Hand zur Begrüssung hin: „Schau, ich bin unbewaffnet.“ Diese demonstrative „Wehrlosigkeit“, dieser Vertrauensakt, sich dem andern und seinem Goodwill auszuliefern, das kann auch heute eine Basis sein für die Vertrauensbildung in einem Umfeld grösster Infragestellungen.

Damals, am Anfang des Überlieferungsweges, von dem die Evangelien berichten, waren die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie waren traumatisiert von ihren Erlebnissen, von denen die Passion erzählt. Es war die „Stunde null“, als nichts mehr gültig schien. Trotzdem oder gerade darum hat von hier aus etwas Neues angefangen. So wurde auch Freude wieder möglich, das Teilen von Glück und Schönheit. Wenn es nicht so wäre, würde niemand von Gott erzählen wollen. So aber beginnt der Versuch immer von neuem: von Gott erzählen.

Ist das religiöse Reden also in einer Krise? – Ja und nein. Es ist beides: Da ist der Nullpunkt, die Krise. Da ist aber auch das Gegenteil, die Faszination, die Anziehung, das Hingehen, Finden, Ankommen. Da ist die Antwort auf alle Krise, die schon auf dem Weg gefunden werden kann.

Ein Suchweg
Das hat mich im Leben immer am meisten fasziniert: auf einem Suchweg zu sein. Das findet sich in all meinen Notizen. Sie sind so umständlich und folgen allen Wegen und Nebenwegen, allen Irrtümern und vorläufigen Einsichten, weil nur so etwas von diesem Suchweg spürbar wird. Wollte ich es in einer These zusammenfassen, würde es das Wichtigste verlieren. Und es wäre so langweilig, dass ich nicht über die erste Seite hinauskäme.

Das Suchen ist offenbar nicht nebensächlich. Es hängt mit der Sache wesentlich zusammen, als ob diese gar nicht anders gefunden werden könnte als über einen Suchweg. Und der ist nur begrenzt mitteilbar. Ich kann ihn nicht abkürzen.

So war es auch bei diesem Buch wieder. An sich steht der Text fest, die Notizen sind gegeben. Aber wenn ich darin lese, wenn ich mich frage, was denn das Thema dieser Jahre gewesen sei, dann bin ich wieder mittendrin in diesem Suchweg.

Am Anfang der Welt
«Von Gott erzählen» ist von da her nichts, was man sich einfach vornehmen kann, oder es degeneriert zu einem «Unternehmen», das nichts mit diesem thrill zu tun hat: mit dieser Gefährdung, mit diesem angstvollen Vorwärtstasten, mit dieser Verzweiflung und handkehrum dieser Freude, dieser Dankbarkeit! Es ist wohl das grösste Abenteuer des Daseins, es hat zu tun mit dem Weg, auf dem man sich selber wird. Da ist noch nichts «da» und einfach vorhanden, sodass man es abrufen könnte. Da wird jeder Schritt getan und er kann schiefgehen, auch wenn es simpel aussieht: wie ein Mensch seinen Weg geht. Aber was wird, das ist erst auf dem Weg.

Es ist, als ob man – wenn man von Gott erzählen will – den Weg der Bibel nachgehen müsste, die mit dem Anfang beginnt und damit, wie alles begann. Es beginnt im Gegenüber Gottes. Erst so ist ein Begriff vom «allem» möglich, nur so kann man sich einem Absoluten gegenüberstellen im Gebet, im Glauben. Erst so entstehen Begriffe für Ich und Du, für die innere und äussere Welt.

Woran glauben wir? Das scheint eine Frage für „Fromme“, und doch sind wir alle jeden Tag in gewisser Weise vor diese Frage gestellt, denn mit allem, was wir tun oder nicht tun, zeigen wir ja, was uns wichtig oder unwichtig ist. Das fängt bei banalen Dingen an wie der Wahl der Unterhaltung am Feierabend. Aber es kriegt schon viel mehr Gewicht, wenn wir unser Berufsleben ansehen oder unser Konsumverhalten. Da hat es Konsequenzen, wie wir uns verhalten. Weiterlesen

Was ist das eigentlich zwischen den USA und Europa? Ist das Frieden oder Krieg? Sind Zölle friedliche Mittel oder militärische Instrumente? Präsident Trump behandelt Handelsdefizite mit anderen Ländern als «nationales Sicherheitsrisiko». So kann er sich auf ein Notstandsrecht berufen, wenn er Zölle erhebt. Damit werden Zölle automatisch zu Mitteln der Sicherheitspolitik. Ob das zu Recht geschieht, wurde von einem US-Bundesgericht verneint, ein Berufungsgericht hat bejaht. Es wird erwartet, dass es vor den Supreme Court kommt. Weiterlesen

Präsident Trump hat neue Zollbriefe verschickt. Die EU wird mit 15% und die Schweiz mit 39 % belastet. Ein Geschenk, rechtzeitig zum Nationalfeiertag. Bei mir setzt es Erinnerungen in Gang an das ausgehende Mittelalter, als der niedere Adel durch die aufkommende Geldwirtschaft und das Söldnerwesen seine Funktion verlor und sich als Wegelagerer versuchte. Sie erhöhten willkürlich die Zölle, von denen sie einen Teil als Einnehmer für sich behalten konnten. Weiterlesen

Hier ist die Schuld nichts Abstraktes und Sünde kein Begriff für die Sonntagsschule. Es ist dieses Gemenge von Brutalität und Gleichgültigkeit, die wir auch heute in den Kriegsgebieten sehen. Diese paradoxe Mischung von etwas, was alle Normalität aufhebt und von einem Umgang damit, als ob es das Gewöhnlichste der Welt wäre. Weiterlesen

Der Nationalfeiertag ist überall verschrien, wo der Nationalismus in der Geschichte schreckliche Ereignisse hervorgebracht hat, insbesondere in Europa. Seit dem 19. Jh. entfaltet der Nationalgedanke grosse Gestaltungskraft. Er kulminiert mit der Auflösung übernationaler Grossreiche nach dem Ersten und zweiten Weltkrieg. Hier kulminierte auch die zerstörerische Wirkung, die er entfalten kann. Danach suchte man das Heil eher wieder in neuen übernationalen Konstrukten wie der EU, der UNO und in internationalen Verträgen. Doch diese haben an Strahlkraft eingebüsst. Wohin also mit dem Nationalfeiertag? Weiterlesen

Die Welt spinnt, sie ist aufgewühlt an allen Fronten. Und oft hat man das Gefühl, dass das Aufwühlen mit Bedacht geschieht oder mit Lust. Dass es nicht so sehr ein Unfall sei als ein Wechsel, eine neue Richtung, eine neue Strategie, wie man seine Pläne ins Trockene bringt. Weiterlesen

Die Bibel erzählt vom Weg hinauf und hinunter. „Er richtet den Geringen auf“, so heisst es im Ersten Testament. Er thront „droben in der Höhe“, aber er „schaut hernieder in die Tiefe“. „Ich habe das Leiden meines Volkes gesehen und ihr Schreien habe ich gehört. Darum bin ich herabgestiegen, um sie aus der Hand ihrer Verfolger zu erretten.“ Weiterlesen

Ich habe mein halbes Leben mit Psalmen gelebt. Noch heute höre ich jeden Morgen einen Psalm. Aber seitdem die Aggression im Nahen Osten eskaliert, haben Psalmen einen anderen Ton für mich angenommen. Weiterlesen