Tauschen scheint das Friedlichste, was es gibt. Aber nicht, wenn Elfenbein gegen Glasperlen getauscht werden oder gegen Schnaps. Doch gibt es immer wieder Schlaumeier, die mit Talmigold bezahlen. Auch die Kulturgeschichte kennt solche Tauschverhältnisse und auch die Religion ist betroffen. Seit Jahrhunderten werden ihre Werte angeeignet und durch billige Imitate ersetzt. Ist Religion eine Kolonie? Oder gibt es auch hier eine Entkolonisierung, wie in der Politik der 50er Jahre? Weiterlesen
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«Wie kann man sich im Glauben bereithalten für das, was kommt?» So fragte ich mich 2011 in der Krise des Welt-Finanz-Systems. «Was machen wir, wenn die Ängste wahr werden aus all den Krisen- und Katastrophen-Szenarien, die in den Medien kursieren?» Zwei Monate später gab ich mir eine Antwort. «Nötig ist in der Kirche: Uns nicht nur bereithalten, wenn die Krise kommt, wenn das, was sich schon lange ankündigt, auch bei uns spürbar wird, sondern realistische Szenarien entwerfen.» So sollten diffuse Ängste durchbrochen und das Handeln erleichtert werden.
Gestern wurde der Papst zu Grabe getragen. Wir nahmen über das Fernsehen am Gottesdienst teil. Es war ruhig und schön. Ich habe selten, vielleicht noch nie in dieser Zeit, gesehen, dass Kirche und Christentum so positiv wahrgenommen werden. Da fügt sich das Bild harmonisch ein, wie Trump und Selenskyj sich bei dieser Gelegenheit im Petersdom auf zwei Stühlen gegenübersitzen. Es ist ein hoffnungsvolles Bild. Als ob etwas von diesem Papst, vom Frieden dieses Gottesdienstes, auf die Politik hinüberstrahlen würde. Weiterlesen
Die Welt scheint ein unsicherer Ort geworden zu sein. Nachrichten berichten von der Bedrückung, die selbst die Kinder heute heimsucht. Sollte ausgerechnet die Passion hier helfen: dass man in der Betrachtung Trost findet, dass man stille steht und das Leid vor Gott bringt? Weiterlesen
Mittagsnachrichten. Weltweit sind die Börsen in Talfahrt. Es ist eine Erschütterung zu spüren. Da ist Trump mit seinen Zöllen, sein Zurückschneiden des Staates, seine Freude an Provokationen, seine Verstösse gegen Gesetz und Verfassung, was seinem Inaugurationseid Hohn spricht, wonach er die Verfassung «achten und schützen» wolle. Weiterlesen
Ich las Balzac, „Eine Frau von dreissig Jahren“. Damals, in den 80er Jahren, tauchen neue Bewegungen im politischen Spektrum auf. Sie legen nicht nur den Finger auf einzelne Schwachpunkte. Angesichts der ökologischen Probleme halten sie der Zivilisation vor, sie sei mit ihrem ganzen Entwicklungspfad in eine „Sackgasse“ geraten. Die Systemkritik weitet sich zur Epochenkritik und nimmt wieder ethische und religiöse Kategorien auf. So taucht auch die Frage nach dem Ganzen und Richtigen in der Politik wieder auf. Weiterlesen
Ich erinnerte mich in diesen Tagen an das Buch «Die Caine war ihr Schicksal», das ich in den frühen 60er Jahren als Jüngling gelesen hatte (vom Bücherbord der älteren Brüder). Es war eine Aufarbeitung von Erfahrungen aus dem 2. Weltkrieg, den ich nicht direkt, aber über solche literarischen Nachwirkungen erlebt habe. Im Zentrum des Films stand der Kapitän eines Kriegsschiffes, der Caine, der nach Ansicht seiner Offiziere, die Urteilkraft verloren hatte. Weiterlesen
Jetzt ist die Teilung offenbar besiegelt. Die USA holen sich das Beste aus den besetzten und unbesetzten Teilen. Die Ukraine liefert einen Anteil am Gewinn der Bodenschätze, Russland bietet einen solchen Deal auch für die besetzten Gebiete an, die «neuen Territorien», wie Russland das nennt.
Es erinnert an die letzte polnische Teilung vor dem Zweiten Weltkrieg: Stalin holte sich den Osten, Hitler den Westen. Dann brach der Krieg los. Jetzt soll die ukrainische Teilung den Frieden bringen: Russland beutet mit den USA die von ihm besetzte Ostukraine aus, die USA mit der Rest-Ukraine den westlichen Teil.
Trump hat gezeigt, wie schnell er Frieden schaffen kann («in einem Tag») und er hat ein Muster eines «Deals» vorgelegt. Ein Riesenstaat erdrückt einen wehrlosen, kleinen Staat, der sich im Krieg befindet, und nimmt ihm das wenige, was er noch hat. Jetzt weiss die Welt jedenfalls, wie es im New Yorker Liegenschaften- Business zugeht, wo Trump sein Handwerk gelernt hat.
Die Ukraine muss sich doppelt und dreifach betrogen vorkommen. Nach dem Zerfall der UdSSR hat sie auf eigene Atomwaffen verzichtet und dafür Sicherheitsgarantien erhalten. Jetzt sind auch die Garantien weg – sie waren nie etwas wert.
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Zu den Sicherheitsgarantien: «Das Budapester Memorandum umfasst drei Vereinbarungen, die am 5. Dezember 1994 in Budapest im Rahmen der dort stattfindenden KSZE-Konferenz unterzeichnet wurden. In den Vereinbarungen gaben die Russische Föderation, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten gemeinsam Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien in Verbindung mit deren Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag und als Gegenleistung für die Beseitigung aller Nuklearwaffen auf ihrem Territorium.» (Wikipedia)
Zum Hitler-Stalin-Pakt: «Am 24. August 1939 kam es zu einem Nichtangriffspakt zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. Beide Vertragspartner verpflichteten sich darin zu gegenseitiger Neutralität in einem Kriegsfall. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurde die Aufteilung Polens und der Baltikumstaaten geregelt. Der Vertrag diente Hitler als Grundlage für seinen Vernichtungskrieg in Osteuropa.» (https://www.geschichte-abitur.de/lexikon/uebersicht-drittes-reich/hitler-stalin-pakt)
Brutale Zeitungsmeldungen verdichten sich zum Gefühl einer kulturellen Wende. Im In- und Ausland spricht sich die Interessenpolitik immer deutlicher aus. Hohn und Spott halten Einzug in die Politik. Der Mantel von Demokratie und Rechtsstaat wird auch mal fallen gelassen, wenn direkte Machtausübung schneller zum Ziel führt. Für mich ist es wie Schock. Es stellt sich die Frage, wer „Wirklichkeit“ besser wahrnehme. Glaube ist auch ein Streit um die Wirklichkeit. Weiterlesen
Für den Zug nehme ich mir zwei Taschenbücher mit, die sich leicht verstauen lassen. Das eine ist eine Erzählung von Wilhelm Raabe, das andere ein Buch von Karl-Heinz Deschner. Weiterlesen
