Er hatte sich von allen Verpflichtungen frei gemacht. Er war um die halbe Welt gereist. Nun lag er in einem Hotelzimmer und konnte nicht aufstehen. Er hatte sich von allem frei gemacht und war doch wie gelähmt. Er nahm das Notizbuch, das ihn auf seiner Reise begleitete und schrieb: Weiterlesen
Schlagwortarchiv für: Vergebung
Kain erschlägt Abel. Bei einem Totschlag scheint es eindeutig, es geht so schnell: «Da ist ein Täter, da ein Opfer». Betrachtet man die Vorgeschichte und die Nachgeschichte, nimmt man auch Verletzungen dazu, die nicht in einem Schlag erledigt sind, zeigen sich Eigenheiten einer traumatischen Verletzung. Sie prägt die Wahrnehmung und das Verhalten, als ob das Erleben auf das Ursprungs-Geschehen fixiert wäre. Oft ist es schwierig, sich aus dem prägenden Erlebnis zu lösen, die Geschehnisse werden zwanghaft wiederholt. Das hilft den Betroffenen nicht und verewigt die Konflikte. Weiterlesen
Wir haben den Film «Der Unschuldige» gesehen (l’Innocent von Louis Garrel). Es ist ein Beitrag zu Schuld und Unschuld, Täter und Opfer – Zuschreibungen, die heute in Politik und Gesellschaft ungeheure Wirkung entfalten. Wer ist Opfer? Wer ist Täter? Gibt es einen Weg hinaus? Weiterlesen
Es ist manchmal nicht zum Zuschauen, wenn wir andere Leute sehen: wie sie sind, was sie tun, wie sie ihre Kinder erziehen! Und der Ärger schafft sich Luft, wir tuscheln mit unseren Nachbarn. Selber wollen wir aber nicht kommentiert werden. Wir wissen doch, wie schwierig das Zusammeneben ist, wenn man sich dauernd beobachtet fühlt von bösen Augen. Weiterlesen
Mit dem Älterwerden ist es seltsam: Was gestern war, daran erinnert man sich oft nicht mehr, aber Dinge, die vor 40, 50 Jahren geschahen, die weiss man noch ganz genau! Viele sagen, im Alter lasse das Gedächtnis nach. Ich denke, es verändert sich. Weiterlesen
Die Sagen der Völker kennen einen Jungbrunnen, wo alte Menschen wieder jung werden und schwache wieder stark. Das erste Testament erzählt vom Propheten Ezechiel. Der Geist zeigt ihm ein Feld voller Totengerippe. «Siehe, jetzt sprechen sie: Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren, und es ist aus mit uns. Siehe, ich will meinen Geist in euch geben, dass ihr wieder leben sollt.» Weiterlesen
Ich rede vom «Weg» des Glaubens, als ob man darauf gehen könnte, eine Stunde, zwei Stunden. „Wie weit ist es noch um Ziel?“ Aber es ist kein Wanderweg. Mir scheint, ich hätte es noch nie geschafft, mehr als zwei, drei Schritte hintereinander auf diesem Weg zu gehen. Verdient er es da noch, ein Weg zu heissen? Aber diese zwei, drei Schritte haben mich weiter gebracht als alle Anstrengung zwischendrin, als ich nicht auf diesem Wege ging. Weiterlesen
Im Leben geschieht es immer wieder, dass man sich verliert. Man ist abgewichen von dem, was man selbst als richtig spürt. Man möchte es überspielen, es ist ja auch meist keine grosse Sache, es geht meist nicht um Gesetzesverstösse, vielleicht nicht einmal um moralische Gebote. Und doch ist es nicht der richtige Weg. Weiterlesen
Ich habe Schnee geräumt, es gab schon lange nicht mehr so viel. Es ist ein gutes Gefühl: Alles liegt unter frischem Weiss. Weiterlesen
Im Herbst beginnt die Wanderzeit. Viele zieht es in die Berge. Es ist ein schöner Moment, wenn man nach einem anstrengenden Aufstieg oben angekommen ist. Jetzt hat man es geschafft. Von jetzt an geht es nur noch geradeaus, und man geniesst den Blick, der weit in die Runde geht. Auch das Leben kennt eine solche Aufstiegszeit. Man lernt einen Beruf, geht Beziehungen ein, löst sich vom Elternhaus und stellt sich auf eigene Beine. Irgendwann hat man es „geschafft“, man weiss, wie es läuft, hat einen Weg gefunden. Weiterlesen
