«Vor Monaten hat sich etwas Neues in mein Gebetsleben eingeschlichen, unmerklich, von den Rändern her.» (So beginnt eine Notiz aus der Zeit, in der ich nach dem Glauben suchte.) «Schon früher hatte ich manchmal, als paradoxe Gedankenspielerei, den Satz ausgesprochen: „Wenn wir ernst nähmen, wovon wir immer sprechen: Gott – dass es ihn wirklich gäbe …!»

Ich begleitete den Satz mit einem Lachen, um anzudeuten, dass er nicht so ernst gemeint sei, denn das schien doch skandalös, dass da einer von Gott redet, ohne wirklich an ihn zu glauben. Ich hatte wohl den Verdacht, dass wir alle uns so verhalten, aber mit dem Satz schien ich ein Stillschweigen zu verletzen, wie das Kind im Märchen vom König ohne Kleider. Ich schien mich blosszustellen vor einer Menge, die allesamt bestreitet, dass es ihr so gehe, so dass nur ich nackt vor den skandalisierten Menschen zu stehen schien.

Dann rutschte der Satz in mein Gebet. Und ich versuchte mir vorzustellen, dass dieser Gott, von dem ich immer redete, zu dem ich selbstverständlich immer betete, wirklich lebte! – Es war eine Sensation wie ein Erdbeben: Eine Kruste brach auf, vom Magen her sprudelte etwas auf und überschwemmte mich, es ging durch alle Glieder…

Es war ein Gefühl ungeheurer Freiheit. Wenn Gott lebt und der Welt gegenübersteht, so lebe auch ich und stehe der Welt gegenüber! Dann bin ich frei – in meiner Fülle festgestellt, und gerade dadurch frei, mich ins Einzelne zu verlieren!

Es war eine Ahnung von Freiheit, von der Möglichkeit, mich aus der Deckung aufzurichten, hinter der ich mich vor dem Leben verschanzt hatte.»

So schrieb ich in einer Notiz vom 20. März 1990.
Lesen Sie die Fortsetzung im Streiflicht «Ein lebendiger Gott»
(Die Schaltfläche Streiflicht ist auf der Menüleiste).

In der Seelsorge hat man es manchmal zu tun mit Menschen, die sich von Gott verstossen glauben.
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„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus.“ Weiterlesen

Es ist Sommer, eine Zeit voller Stimmungen und Gerüche. Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, trifft einen plötzlich ein schwerer süsser Duft von den Gärten her. Man möchte anhalten, dem Tempo des Alltags widerstehen. Weiterlesen

Inspiration

Diese inspirierten Momente: der Musiker greift in die Tasten, er weiss nicht wie. Die sonst übliche Kontrolle über den Verstand hat ausgesetzt, und es klingt. Es trägt ihn weiter und es greift auf die Zuhörer über. Alle werden mitgerissen. Weiterlesen

Zu Pfingsten 2019

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Dass Gott Mensch wird, stirbt, aufersteht, in den Himmel fährt – das hat immer wieder Ärgernis bereitet. Die Bilder waren eine Zumutung für das aufgeklärte Bewusstsein, so dass ganz darüber vergessen ging, was sie denn bedeuten und aussagen wollen. Weiterlesen

Auffahrt ist Teil eines grossen Erzähl-Zusammenhanges. Weiterlesen

Texte zur Lebensbilanz

Lebensbilanz ist nicht etwas Gemachtes, Lebensbilanz ereignet sich. Manchmal erwischt es uns von hinten. Unerwartet und verstörend. Lebensbilanz kann auch sein: ein poetischer Anflug, wenn man das Leben plötzlich als Ganzes sieht. Man wird herausgelöst aus dem Strom des üblichen Empfindens. Kriegt plötzlich andere Augen und blickt wie von aussen auf sich und seine Situation. Und man begreift: Das, was jetzt geschieht, das ist das, von dem ich später mal sagen werde, dass ich glücklich gewesen bin. Weiterlesen

Weltprobleme – und nichts geschieht

Mit einem Mann im Zug bin ich kürzlich ins Gespräch gekommen. „Es kommt mir vor wie damals“, sagte er und wies auf ein Buch, in dem er las. „Grosse Erklärungen und nichts geschieht.“ Auf meinen fragenden Blick hin meinte er: „Im letzten Weltkrieg haben Frankreich und England den Nazis den Krieg erklärt, aber nichts geschah. Es ging acht Monate, bis diese Länder etwas unternahmen und in den Kampf eingriffen. Das hiess damals „drôle de guerre“, seltsamer Krieg. Und so ähnlich ist es auch heute“, sagte er: „So viele drängende Zeitprobleme, und nichts geschieht.“ Weiterlesen