Auferstehung
Wo ist das zu finden, worauf wir hoffen, von dem wir leben? Gilt das nicht mehr, worauf wir uns ein Leben lang stützten? Die Demontage von Recht und Wahrheit, das ist zynischer Sprachgebrauch. Er ist wohl von den Machtzentren ausgegangen, hat aber auch die Ohnmächtigen erreicht. Auch sie vertrauen nicht mehr auf das Recht, den einzigen Verbündeten, den sie haben. In der Passion Christi kommt das zum Ausdruck.
Die Loyalität hat umgeschlagen
«Was ist Wahrheit?» fragt Pilatus. «Was ist Recht?» fragen die Soldaten. Als Legion unter einem Befehl sind sie ein Machtfaktor, als Legionäre und Söldner gehören sie zu den Machtlosen und Ausgelieferten. Und sie verhöhnen Christus, als er am Kreuz hängt. «Bist du der Retter? So rette dich und uns!» Man spürt, wie ihre Loyalität umschlägt. Eben noch hatten sie Hoffnungen auch für ihr Leben. Jetzt wird ihnen vor Augen geführt, dass Macht und Einfluss das Sagen haben. Dass sie sich weitergehende Hoffnungen abschminken müssen. Und sie sind froh, auf der rechten Seite zu stehen, dort, wo man lacht, wo man über die Verlierer lacht.
Woher soll da etwas Neues kommen?
Woher soll da etwas Neues kommen? Woher Hoffnung, Vertrauen auf Wahrheit und Recht? Wer «rekonstruiert» die Erzählung von Auferstehung, aus der damals eine neue Religion entstand? Aus dem Nichts entstand ein neuer Aufbruch, dem sich sogar das Römische Reich nicht entziehen konnte. Und die ehemaligen Machthaber, die Christus ans Kreuz schlugen, liefen zu diesem Ohnmächtigen über, bauten ihre Herrschaft auf dieser Grundlage neu auf. Wie ist das möglich, aus dem «Nichts» des Karfreitags?
Was in der Stille hörbar wird
Die Botschaft von der Auferstehung kam von denen, die unter dem Kreuz aushielten. Sie sind nicht davongelaufen. Sie sind «da» geblieben. Sie haben erlebt, wie Hass und Leidenschaft sich ausgetobt haben. Und in der Stille, als alles Menschenmögliche gesagt und getan war, in der Stille wurde das andere hörbar, das, was nicht von Menschen gemacht wird und doch das Leben trägt.
Gerechtigkeit und Erbarmen, sie haben sie mit Füssen getreten in seiner Passion. Aber in der Stille wacht die Intuition mit umso deutlicherer Stimme auf. Gerechtigkeit, das ist denk- und lebensnotwendig. Und ein Zusammenleben unter Menschen gibt es nur, wenn wir die Kunst der Vergebung lernen. So entsteht auf den letzten leeren Plätzen dieser Kultur, wenn alles andere zerstört ist, die Gewissheit des Lebens – und nicht eines blossen Überlebens, sondern eines Lebens in Würde.
Und seltsam, was all die Theologen und Philosophen nicht fertigbringen, die „Ostern“ umschreiben wollen, an diesem Nullpunkt ereignet es sich: die Gewissheit des Lebens, eines Lebens in Würde, wo der Verlorene gesucht, der Gedemütigte erhöht wird und wo die Schöpfung ans Ziel kommt.
Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Denn er war sehr gross. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling, der trug ein weisses Gewand, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen.
Lesen Sie die Beiträge «Sommer-Ernte» und «Ein Fest der Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit»
Aus Notizen 2018/19
Foto von Lukas Rychvalsky, Pexels









