Es ist zuweilen ein wehmütiger Gang, durch die Strassen der Kirchgemeinde zu gehen. Die Häuser sind voller Erinnerung. In manchen war ich zu Besuch. Da war eine Hochzeit zu besprechen, dort eine Taufe. Ein Jubiläum stand bevor, ein hoher Geburtstag. Hier habe ich geklingelt, um eine Beerdigung zu besprechen. Weiterlesen

Vielleicht reisen Männer nach der Pensionierung auch deshalb so gern im Land herum, weil sie ihr Leben besichtigen. Es ist nicht einfach Tourismus, es ist das vergangene Leben, das gelebte und das ungelebte. So geht es auch mir, als ich den Stätten meines Lebens nachreise. Weiterlesen

„Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.“ So erzählt Christus in einem Gleichnis. „Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Weiterlesen

„Wo ist mein Schatz?“, frage ich mich nach dem Aufstehen. Ich habe gestern die Baruch-Apokalypse gelesen. Da wird erst deutlich, was die Vorstellung von einem Schatz beinhaltet: Die Geräte des zerstörten Tempels werden in der Erde vergraben. Das ist nicht nur ein Tempelschatz, das sind nicht nur Becher aus Gold und Silber. Sie sind ein Unterpfand, dass es einen neuen Tempel geben wird, eine neue Heilszeit. Weiterlesen

Ein Rabbi sieht, wie einer auf der Strasse eilig unterwegs ist. „Warum rennst du so?“ fragt er ihn. “Ich gehe meinem Erwerb nach“, sagt der andere. „Und woher weisst du“, fragt der Rabbi weiter, „dass dein Erwerb vor dir hergeht und du ihm nachjagen musst? Vielleicht ist er dir im Rücken und du brauchst nur einmal anzuhalten, um ihm zu begegnen, aber du fliehst vor ihm.“ Weiterlesen

„Sie hat sich ganz eingekapselt, ich komme nicht mehr an sie ran“, sagt die Frau im Zug. Sie erzählt mir von einer Bekannten. Sie lebt seit einiger Zeit allein und hat jeden Kontakt zu ihren Verwandten und Bekannten eingestellt. Weiterlesen

Ich habe Schnee geräumt, es gab schon lange nicht mehr so viel. Es ist ein gutes Gefühl: Alles liegt unter frischem Weiss. Weiterlesen

Eines Tages war Jesus mit seinen Anhängern unterwegs, so erzählt die Bibel. Sie hatten die Stadt verlassen, und die Menschen waren hungrig und durstig. Es war zu spät, um in die Stadt zurückzukehren. Weiterlesen

Gestern war ein Bericht in der Zeitung über ein katholisches Waisenhaus in Irland, wo offenbar über Jahrzehnte Kinder vernachlässigt wurden. Als sie starben hat man sie in einem Schacht „begraben“. Zwei Jungen fanden den Eingang beim Spielen. Offenbar liegen dort meterhoch Kinderleichen. Sie fassten einen Schock fürs Leben und können erst jetzt davon erzählen, nach 20, 30 Jahren.

Es ist nicht zu ertragen. Ich mag mich kaum damit befassen.

Die Kirche hat keinen „Bonus“ mehr. Sie hat einen „Malus“. Sie muss sich rechtfertigen, wann immer sie in der Öffentlichkeit als Kirche erkennbar wird. Und der Malus wird durch solche Nachrichten immer mehr befestigt. Weiterlesen

In meinem letzten Jahr vor der Pensionierung habe ich viele Gottesdienste gehalten. Geschehen sie, weil ich sie halte? Oder halte ich sie, weil sie geschehen? Kommt ihnen eine Realität zu, auf die die Feier hinweist? Oder sind es nur Worte und leicht ersetzbar? Weiterlesen