Schlagwortarchiv für: Erzählen

Der Bauer schickt den Jockel aus

«Es gibt keinen Gott», sagen die Spötter, «er tut ja nichts». Dass Gott oft nicht spürbar ist, das wissen auch die Gläubigen, das hat sie schon in der Bibel beschäftigt und immer wieder in der Glaubensgeschichte. Eine Antwort gibt das Judentum in einer Kindergeschichte, die auch im Christentum bekannt und beliebt geworden ist, hier unter dem Titel: „Joggeli söll ga Birli schüttle“ (in der Schweiz) oder «Der Bauer schickt den Jockel aus» (in Deutschland). Weiterlesen

Zürich war damals keine provinzielle Ecke in Europa, sondern stand an vorderster Front der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung. Was hier geschah, fand damals weite Beachtung. Der Liberalismus fand in Zürich eine Heimstätte, als in Europa noch Restauration und Reaktion das Feld beherrschten. Der Versuch, die Kirche dem liberalen Zeitgeist zu unterwerfen, fand weitherum Beachtung und das Wort „Putsch“ ging von Zürich aus in die deutsche Sprache ein. – Auslöser war eine Revolte der Untertanenbevölkerung gegen das liberale Kirchenregime. Weiterlesen

Aufgrund der Seuche soll man nicht reisen, so besuchen wir die Ausstellung in der Stadt. Sie zeigen Bilder von Carl Spitzweg. Er floh in seinem Leben zwei Mal vor einer Seuche, als in München die Cholera herrschte. Ein Freund erlag der Krankheit. So war das Seuchenthema auch in der Ausstellung wieder da. Weiterlesen

Vielleicht reisen Männer nach der Pensionierung auch deshalb so gern im Land herum, weil sie ihr Leben besichtigen. Es ist nicht einfach Tourismus, es ist das vergangene Leben, das gelebte und das ungelebte. So geht es auch mir, als ich den Stätten meines Lebens nachreise. Weiterlesen

„Wo ist mein Schatz?“, frage ich mich nach dem Aufstehen. Ich habe gestern die Baruch-Apokalypse gelesen. Da wird erst deutlich, was die Vorstellung von einem Schatz beinhaltet: Die Geräte des zerstörten Tempels werden in der Erde vergraben. Das ist nicht nur ein Tempelschatz, das sind nicht nur Becher aus Gold und Silber. Sie sind ein Unterpfand, dass es einen neuen Tempel geben wird, eine neue Heilszeit. Weiterlesen

Ein Rabbi sieht, wie einer auf der Strasse eilig unterwegs ist. „Warum rennst du so?“ fragt er ihn. “Ich gehe meinem Erwerb nach“, sagt der andere. „Und woher weisst du“, fragt der Rabbi weiter, „dass dein Erwerb vor dir hergeht und du ihm nachjagen musst? Vielleicht ist er dir im Rücken und du brauchst nur einmal anzuhalten, um ihm zu begegnen, aber du fliehst vor ihm.“ Weiterlesen

„Sie hat sich ganz eingekapselt, ich komme nicht mehr an sie ran“, sagt die Frau im Zug. Sie erzählt mir von einer Bekannten. Sie lebt seit einiger Zeit allein und hat jeden Kontakt zu ihren Verwandten und Bekannten eingestellt. Weiterlesen

Haben nicht Jahrhunderte von Religionskritik diese philosophischen «Hinterwelten» bekämpft und aufgehoben – soll jetzt sollen sie auferstehen? Der letzte Sonntag im Kirchenjahr blickt auf das «Ende» der Geschichte. Als ob Geschichte etwas «Ganzes» wäre. So geschieht es aber schon am Grab, wenn ein Leben erzählt wird. Weiterlesen

Nicht nur „Sexualität“ ist eine Leidenschaft. Es gibt viele grosse, leidenschaftliche Gefühle in der Bibel: Zorn, Scham, Reue, Liebe, Eifersucht, Kränkung, Rache. Da ist ein heftigstes Gerechtigkeits-Verlangen. Da sind Angst und Wut, Neid und Hass, Elend, Verzweiflung, Jubel, Freude, Dankbarkeit. Weiterlesen

Wie wenig aus der Bibel gelangt an die Gemeinde! Die Bibel scheint ein öffentliches Buch, aber es sind sieben Siegel davor. Die Kirche hat eine Kanzel, aber auch einen selbst verordneten Maulkorb. Die Öffentlichkeit hat ein halbes Ohr für die christliche Tradition, aber noch viel mehr Abwehr gegen das, was von dorther kommt. Wir Menschen hören gern, was uns bestätigt. Aber wir schliessen die Ohren vor dem, was uns in Frage stellt. Weiterlesen