Wie lässt sich angesichts der Privatisierung der Religion und des Pluralismus von Entwürfen das «Allgemeinverbindliche“ des Glaubens heute zur Geltung bringen, ohne dadurch wieder in alte Zwangsformen von Amtskirche, Dogmatismus oder Moralismus zurückzufallen? Weiterlesen
Schlagwortarchiv für: Gesellschaft
In der Nacht hörte ich einen Text aus der Bibel. Das Buch Nehemia steht etwas am Rand der Bibel. Aber es hat mich immer wieder angesprochen. Es ist eine existentielle Situation: das Volk kommt aus der Verbannung in die Heimat zurück. Es wird angefeindet, sucht sich eine neue Existenz, baut Tempel und Stadt wieder auf. Weiterlesen
Wo steht die Kirche? Kirche als religiöse Instanz scheint heute kaum noch vorhanden, in einer anderen Form begegnet sie an allen Enden. Die Hoffnungen sind aus der Religion ausgewandert, die Versprechungen erfolgen nicht mehr im Namen eines Gottes, die Sehnsucht bindet sich an Gehalte dieser Welt, die aber doch mit religiöser Kraft aufgeladen werden. Das kann als Fortschritts-Versprechen erfolgen, wenn das Handeln in dieser Welt optimistisch eingeschätzt wird. Weiterlesen
Der Plan der britischen Regierung, Flüchtlinge nach Ruanda abzuschieben, ist von den Gerichten abgewiesen worden. In Deutschland, Österreich und anderen Ländern wird dieser Versuch, Flüchtlingsprobleme per Outsourcing zu lösen, auch verfolgt. Weiterlesen
Es ist kühl. Das Sturmtief Ciarán, das in Europa bisher zwölf Todesopfer forderte, ist mit Ausläufern auch in der Schweiz angekommen und bringt Regen und kühles Wetter. Kalt – das beschreibt die ganze Atmosphäre. Man möchte sich verkriechen, etwas Warmes um sich ziehen, nicht denken, sondern sich ankuscheln. Und doch scheint die Kälte angemessen für das, was zu schreiben wäre, für das Lebensgefühl in dieser Zeit. Weiterlesen
Das Christentum hat den Kampf um die Mythologie aufgegeben – und die Phantasie der Menschen verloren. Dafür wird sie überall sonst wieder entdeckt, auch die Kraft, die in den Mythen steckt. Um die Geschichte und Identität der Schweiz – und die Rolle ihrer Mythen – ist ein kleiner „Historiker-Streit“ entbrannt, ein Streit zwischen politischen Strömungen, die ihr Schweiz-Bild reklamieren. Denn dort spricht man direkt in die Seele der Menschen. Weiterlesen
Mein Lehrmeister ist gestorben. Auch wenn man es sich heute verbieten möchte, etwas anderes zu denken als diesen Krieg und die Katastrophe, die alle elektrisieren, private Ereignisse gib es auch. Ich habe ihn gestern angerufen ins Heim und erfahren, dass er gestorben sei. Ich war vorbereitet, aber es trifft mich doch. Er ist mein ehemaliger Lehrmeister, er war schon 94 Jahre alt, aber er hat auf mein Leben bleibend eingewirkt. Er war wie ein zweiter Vater für mich. Weiterlesen
Wenn die Zeiten sich verschärfen, wächst auch eine Suche, was helfen kann. Früher forschten viele Menschen in der Bibel und wurden dort auch fündig. Sie ist immer wieder eine Fürsprecherin für Verfolgte und Bedrängte. Aus vielen Stellen liesse sich ein „soziales Evangelium“ zusammenstellen, aber die Bibel redet nicht nur in Einzeltexten, sie ist als Ganzes dem Volk verpflichtet, das Träger der Verheissung ist, dem sich Gott in Erbarmen und Gerechtigkeit zuwendet. Zu den sozial engagierten Texten gehört auch der Jakobus-Brief, der Mitte Oktober in den Kirchen gelesen wird. Weiterlesen
Als die Zeit sich verdüsterte revidierte er sein Weltbild. Sein bisheriger Optimismus widersprach so vielem, was die Zeit vor Augen stellte. Nicht nur am einzelnen Menschen zweifelte er, die ganze Menschheit schien einem Abgrund zuzulaufen. Weiterlesen
Der Gedanke der «Erbsünde» – heute hat man schon vor dem Wort einen Horror -half damals, den Konflikt zu überwinden zwischen dem Glauben an einen guten Gott, der lebensnotwendig war, und der gegenteiligen Erfahrung eines Lebens, das einen mit Leid und Unrecht konfrontierte. Und es lag nicht am guten Willen, die Menschen hatten das Gefühl, in etwas verstrickt zu sein, was sie lähmte und Dinge tun liess, die sie nicht wollten. So erlebten sie sich selbst dabei, wie sie beim besten Willen das Falsche taten, was das Leben belastete und verstörte.
Es war, als ob man auf eine abschüssige Bahn geraten war, bei aller Anstrengung, den geraden Weg zu gehen. Es rutschte alles ab und es gewann an Fahrt. So antiquiert sich das alles anhört, ein Zeitgenosse kann das wohl nachvollziehen, wenn er an die Klimazerstörung denkt, an das Artensterben. Da ist etwas ins Rutschen geraten. Und von morgens bis abends, als Angehöriger der «westlichen Welt», erlebt man sich als Profiteur einer Weltwirtschaftsordnung, die zulasten von anderen Menschen und Kontinenten geht, und man kann nicht aussteigen. Weiterlesen
