Einträge von petwin

Der vergrabene Schatz

„Wo ist mein Schatz?“, frage ich mich nach dem Aufstehen. Ich habe gestern die Baruch-Apokalypse gelesen. Da wird erst deutlich, was die Vorstellung von einem Schatz beinhaltet: Die Geräte des zerstörten Tempels werden in der Erde vergraben. Das ist nicht nur ein Tempelschatz, das sind nicht nur Becher aus Gold und Silber. Sie sind ein […]

Berufen

Ein Rabbi sieht, wie einer auf der Strasse eilig unterwegs ist. „Warum rennst du so?“ fragt er ihn. “Ich gehe meinem Erwerb nach“, sagt der andere. „Und woher weisst du“, fragt der Rabbi weiter, „dass dein Erwerb vor dir hergeht und du ihm nachjagen musst? Vielleicht ist er dir im Rücken und du brauchst nur […]

Überwintern

„Sie hat sich ganz eingekapselt, ich komme nicht mehr an sie ran“, sagt die Frau im Zug. Sie erzählt mir von einer Bekannten. Sie lebt seit einiger Zeit allein und hat jeden Kontakt zu ihren Verwandten und Bekannten eingestellt.

Unterm Schnee

Ich habe Schnee geräumt, es gab schon lange nicht mehr so viel. Es ist ein gutes Gefühl: Alles liegt unter frischem Weiss.

Was uns satt macht im Leben

Eines Tages war Jesus mit seinen Anhängern unterwegs, so erzählt die Bibel. Sie hatten die Stadt verlassen, und die Menschen waren hungrig und durstig. Es war zu spät, um in die Stadt zurückzukehren.

Die toten Kinder

Gestern war ein Bericht in der Zeitung über ein katholisches Waisenhaus in Irland, wo offenbar über Jahrzehnte Kinder vernachlässigt wurden. Als sie starben hat man sie in einem Schacht „begraben“. Zwei Jungen fanden den Eingang beim Spielen. Offenbar liegen dort meterhoch Kinderleichen. Sie fassten einen Schock fürs Leben und können erst jetzt davon erzählen, nach […]

Der Gottesdienst als Geschehen

In meinem letzten Jahr vor der Pensionierung habe ich viele Gottesdienste gehalten. Geschehen sie, weil ich sie halte? Oder halte ich sie, weil sie geschehen? Kommt ihnen eine Realität zu, auf die die Feier hinweist? Oder sind es nur Worte und leicht ersetzbar?

„Im Jahr des Herrn“

„Im Jahr des Herrn“, so mass man früher die Zeit. Weil das Christentum die Welt erobert hatte und darum alles Christus gehörte? Nein, weil er mitgeht im Lauf der Zeit. Weil er mitleidet mit den Menschen.

Vielerlei Herren

Wie ein Nachklang auf Weihnacht kommen am Mittwoch noch die drei Könige. Als ob sie nicht nur zum alten Jahr gehören wollten, sondern auch zum neuen. Könige brauchen wir nicht, das Thema Herrschaft sind wir aber noch nicht los. Und wo niemand sichtbar die Verantwortung für etwas übernimmt, schleichen sich unsichtbare Herrschaftsformen ein.

Neujahr

Neujahr! Die Uhr schlägt zwölfmal. Neujahr! Ein eigenartiges Gefühl, ein Gefühl voller Prickeln! Es braucht keinen Champagner dazu. Es liegt was in der Luft. Und es ist voller Erwartung!